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„Ein Rewe-Produktentwickler warnte mich davor, die Kette würde Ideen kopieren“

In Carsten Maschmeyers Gründershow Start Up! wollte Kerstin Weise ein Produkt entwickeln. Doch den Saft der Kakaofrucht fand der Investor nicht innovativ genug.

Üblicherweise werden nur die Bohnen der Kakaofrucht weiterverarbeitet – zu Schokolade. Das Fruchtfleisch kommt in den Müll. Im August kam der Münchenerin Kerstin Weise deshalb die Idee, aus den Überresten einen Saft zu pressen. Während der Recherche zum Produkt bewarb sie sich bei Carsten Maschmeyers neuer TV-Show Start Up!, wurde auch angenommen. Schon wenige Wochen später zog sie in ein Berliner Hotel ein, um auch vor der Kamera an dem Getränk zu arbeiten. Bis dahin hatte die Gründerin nur eine Idee, keinen Businessplan oder jegliches Know-how über Produktion und Abfüllung. 

In der vierten Folge war dann Schluss. Vier Wochen lang hat sie mit Hilfe des Selfmade-Millionärs und den anderen Kandidaten an ihrem Produkt gefeilt, musste ungewöhnliche Aufgaben bestehen und nebenbei ihr Münchener Geschäft aus der Ferne leiten. Seit über zehn Jahren betreibt die Unternehmerin dort einen eigenen Schokoladen-Shop. Bereut hat sie die Teilnahme an der Sat.1-Show nicht. Ein zweites Mals würde sich Weise trotzdem nicht bewerben. 

„Mit den Challenges würde ich die Show so nicht noch einmal machen. Das war mir zu trashig und zu unseriös“, erzählt die Gründerin im Nachhinein. „Ich musste mich am Kudamm auf den Boden legen – als eine Art Mutprobe, um aus mir herauszukommen. Da ist die Frage: Muss ein Unternehmer sich auf den Boden legen, um ein Unternehmer zu sein?“ Sie hat von der Startup-Show anderes erwartet. „Ich hätte mir gewünscht, dass man an die Hand genommen wird und einem erzählt wird, wie man vorgeht, wenn man eine Produktidee hat.“

Zwar habe Maschmeyer täglich mit den Gründern gearbeitet und sei immer ansprechbar gewesen, aber das abendliche Brainstorming zwischen den Teilnehmern fand Weise hilfreicher. In einer solchen Runde ohne Kamerateams ist auch der Name für ihr Getränk entstanden: Frucoa

Um der Gründerin bei der Entwicklung ihres Kakaofruchtsafts zu helfen, hat Maschmeyer ihr einen Experten von Rewe zur Seite gestellt. „Ich habe ihm mein Produkt erklärt und er antwortete mir, ich solle nicht zu viel erzählen, weil Rewe solche Ideen dann schnell selber nachmacht.“ 

Der Saft wird aus dem Fleisch der Kakaofrucht gepresst

Angel-Investment ohne Maschmeyers Hilfe

Maschmeyer verabschiedete sich von der Münchenerin mit der Begründung, sie sei keine „Problemlöserin“, keine „Macherin“. Weise findet das nicht gerechtfertigt. Weil die Show wochenlang ohne Unterbrechung gefilmt wurde, musste sie ihren Laden für einige Tage schließen. Einmal sogar für wenige Stunden nach München fliegen.

Für Kerstin Weise waren die Dreharbeiten Mitte November zu Ende. Fünf Monate später ist ihr Frucoa-Saft nun auf dem Markt: im eigenen Onlineshop und in ihrem Fachgeschäft. Eine Flasche mit 200 Millilitern kostet 5,90 Euro. Den vergleichsweise hohen Preis begründet die Münchenerin damit, dass das Grundprodukt teuer und die Zubereitung aufwendig ist. Für einen Liter Saft benötigt man etwa 40 Früchte, so Weise. Das Getränk wird von lokalen Kakaobauern in Ghana hergestellt und in der Nähe von München in Flaschen abgefüllt. Laut Website soll Frucoa einen süßen Geschmack haben mit Aromen von Litschi, Pfirsich und Vanille.

Von einem Business Angel hat die Gründerin nach der Show 10.000 Euro bekommen, um das Getränk produzieren zu können. Und auch wenn Kerstin Weise enttäuscht von Start Up! ist, ein großes Learning hat die Gründerin dennoch aus der Show ziehen können: Selbst bei Kritik sollte man seine Ideen weiterverfolgen und am Produkt arbeiten.


Bilder: Frucoa

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