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Frank Thelen steigt bei Von Floerke aus

Wochenlang beschimpfte der Gründer David Schirrmacher seinen Gesellschafter Frank Thelen auf Facebook. Nun soll die Schlammschlacht ein Ende haben.

Beinahe jeden Abend hetzte der Bonner Unternehmer David Schirrmacher seine Fangemeinde auf Facebook gegen den Investor Frank Thelen auf. Mit „Frank-Thelen-muss-raus“-Boxen sammelte der Gründer des Onlineshops Von Floerke von seinen Kunden Geld ein. Der TV-Investor leitete daraufhin rechtliche Schritte ein. Nun hat es Schirrmacher geschafft: e42, die Beteiligungsgesellschaft des TV-Investors, hat seine 17 Prozent am Unternehmen Schirrmacher Moden, das hinter dem Shop steht, abgegeben. Das berichtete der Tagesspiegel zuerst. 

Gegenüber Gründerszene und NGIN Food hatte Schirrmacher gesagt, Thelen habe die Anteile für einen Euro an den Gesellschafter und Mytaxi-Gründer Niclaus Mewes sowie an ihn selbst und seinen Vater Thomas Schirrmacher überschrieben. Thelen widerspricht der Darstellung Schirrmachers. Er habe seine Anteile vollständig an Niclaus Mewes verkauft, betont er gegenüber Gründerszene. (Anm. der Redaktion: Wir haben den Text mit dem Statement von Frank Thelen am 16.3. geupdatet.)

Im Februar sagte Thelen gegenüber Gründerszene und NGIN Food, dass e42 die Anteile intern bereits abgeschrieben habe und mit null Euro bewerte. Der Gesellschafter hatte den Richtungswechsel des Startups heftig kritisiert: Im Herbst nahm der Herrenausstatter plötzlich billigen Alkohol in sein Sortiment auf, konnte aber nicht liefern. Er wollte seine Anteile schon im Dezember an die Kapilendo-Anleger abgeben, damit sie im Falle einer Insolvenz keinen Totalverlust erleiden müssen. Die Crowdanleger hatten Von Floerke mit mehr als einer Million Euro unterstützt.

Fragwürdige Werbung?

Wie nun bekannt wurde, wollte Geldgeber Thelen bereits früher aussteigen. Im August 2017 gab es einen notariell beglaubigten Vertrag zwischen Thelen und Christian Heitmeyer. Der Brands4friends-Mitgründer wollte damals die Anteile des DHDL-Investors übernehmen, die für den ganzen Deal vereinbarten 4,5 Millionen Euro wurden aber nie bezahlt.

Obwohl Frank Thelen damals schon als Investor raus war – zumindest auf dem Papier ­– machte er für Von Floerke noch Werbung für dessen Werbe-Kampagne auf der Crowdlendingplattform Kapilendo, schreibt das Manager Magazin. Die Finanzierung startete Schirrmacher im Juli. 1,2 Millionen Euro kamen von der Crowd zusammen. Wieso hat er vor der Kamera für die Geschäfte des Startups gebürgt, obwohl er längst aussteigen wollte? Das Video sei schon vor dem Deal aufgenommen worden, sagt Thelen gegenüber dem Magazin. 

Bald muss eine Lösung gefunden werden

Auch von der Kooperation mit dem verurteilten Stardrinx-Gründer Christian Lutz Schoenberger soll Thelen gewusst haben, berichtet das Manager Magazin. Der umstrittene Unternehmer Schoenberger habe Von Floerke beim Aufbau des neuen Alkoholsortiments beraten und das Startup mit Ware beliefert, sagte Schoenberger im Januar zu Gründerszene und NGIN Food. Laut Protokollen eines Treffens soll Thelen von der Zusammenarbeit gewusst haben, schrieb auch die Wirtschaftswoche. Thelen sagt gegenüber dem Manager Magazin nun, er habe vom Ausmaß der Kooperation nichts gewusst, sondern nur von „Tipps“, die Schoenberger gegeben habe. 

Frank Thelen geht juristisch gegen Von-Floerke-Gründer vor

Der Von-Floerke-Gründer streitet sich öffentlich mit seinem Investor Frank Thelen. Eine Unterlassungserklärung will der Gründer des Modestartups nicht unterzeichnen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit einiger Zeit wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und mehrfachen Betrugs. Wie geht es nun für das Unternehmen weiter? Eine Sanierung durch den Schweizer Unternehmer Ruben Welsch ist geplatzt. Auch ihn hat Schirrmacher im Anschluss auf Facebook beschimpft. Gegenüber Gründerszene und NGIN Food sagte der Bonner Gründer kürzlich: Bis Ende März müsse es eine Lösung mit allen Gläubigern gefunden geben – „sonst ist eine Insolvenz noch möglich“. Aktuell habe er sich mit sämtlichen Gläubigern bis auf Kapilendo einigen können. Mit dem Crowdlending-Portal stehe er noch in Verhandlungen.

Bild: Lisa Ksienrzyk / Gründerszene

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