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To franchise or not to franchise?

Sind sie einmal erfolgreich, wollen junge Unternehmen schnell expandieren. Dabei zählt jeder Cent. Was ist dabei die bessere Option?

MyMuesli hat es vorgemacht: Vom einst kleinen Onlineshop hin zu zahlreichen eigenen Ladengeschäften. Wie ihre Erfolgsgeschichte begann? 2007 starten die Passauer Hubertus Bessau, Philipp Kraiss und Max Wittrock mit ihrem Webshop für Müsli. Zwei Jahre später eröffnen sie ihren eigenen Store. Heute leitet das Gründerteam 40 stationäre Geschäfte in ganz Deutschland. 51 Millionen Euro setzte MyMuesli 2016 damit um. Das Unternehmen ist dabei aus eigener Kraft expandiert, hat jeden Store selbst eröffnet. „Ich glaube, Franchise kann zukünftig mal eine Option sein, aber derzeit sind wir froh, dass wir alle Läden selber betreiben“, so Mitgründer Wittrock auf Nachfrage von Gründerszene und NGIN Food. 

Franchising ist vor allem unter Fast-Food-Ketten eine beliebte Alternative, schnellstmöglich Läden zu eröffnen. Bekannte Beispiele sind Subway und McDonald's. Die Franchisegeber, also diejenigen, die expandieren wollen, lagern den Großteil der Organisation auf die Franchisenehmer aus. Sie, also die Geber, müssen vorab lediglich für ein Konzept und einen Standort sorgen, erklärt Oliver Friedrich, Berater von Food Concepts. Die Partner zahlen dann eine Lizenzgebühr von rund 10.000 bis 15.000 Euro und führen den Store selbstständig, kümmern sich um den Ausbau, das Personal und den Warenbestand.

Für Franchisegeber hat es den Vorteil, dass sie weniger Kapital in einen weiteren Store investieren müssen und gleichzeitig die Möglichkeit haben, schnellstmöglich expandieren zu können. Auf diese Weise können Unternehmen ihre Marke schneller aufbauen und ihre Bekanntheit steigern. Die Firmen werden monatlich am Gewinn beteiligt. Obendrein fällt die Aufgabe weg, mehrere Standorte aus der Ferne bewachen zu müssen. Andererseits verlieren die Lizenzgeber dadurch auch die Kontrolle über ihre Partner.

Mehr Skepsis als Zuspruch

Unter Startups wird diese Expansionsmöglichkeit daher kritisch beäugt. „Bevor man darüber nachdenkt, sollte man sein eigenes Konzept sehr gut kennen und ganz genau wissen, wo die Herausforderungen liegen“, so MyMuesli-Mitgründer Wittrock. Auch Bone-Brox-CEO Konrad Knops sieht das Geschäftsmodell skeptisch: „Ich kenne sehr wenig Franchise-Projekte, die wirklich funktionieren. Und diejenigen, die funktionieren, bieten oft billige Lebensmittel an.“ Das Berliner Unternehmen hat seine Knochenbrühen in der Vergangenheit mehrfach über Monate hinweg in eigenen Pop-up-Stores verkauft. Künftig möchte Knops jedoch keinen eigenen Laden dauerhaft betreiben, schon gar nicht über Franchise. Da wäre die Marge zu niedrig, sagt er.

MyMuesli hat bei seinen Geschäften nicht auf Franchising gesetzt

„Man gibt zwar Kontrolle ab, aber Franchising hat auch Vorteile“, resümiert der MyMuesli-Mitgründer. Die Macher von Spooning Cookie Dough beispielsweise sehen Franchising als große Chance. Im vergangenen Sommer sind Diana Hildenbrand und Constantin Feistkorn mit einer Bar gestartet, die rohen Keksteig zum Löffeln anbietet. „Das Konzept bietet sich wahnsinnig gut für Franchising an“, sind sich die beiden sicher und wollen den noch vorhandenen Hype um ihr Produkt nutzen, um ihre Marke in kürzester Zeit auch außerhalb von Berlin bekannt zu machen. „Allerdings müssen wir schnell sein, bevor andere Leute das nachmachen und als eigene Marke etablieren.“ In Hamburg hat Spooning Cookie Dough bereits einen Standort gefunden. Bald sollen Geschäfte in Köln und Stuttgart folgen. Die Gründer wollen keinen Anteil vom Gewinn verlangen, sondern ihren fertigen Keksteig an die Lizenznehmer verkaufen. So können sie sichergehen, dass das Produkt eine gleichbleibende Qualität hat.

Wachstum im Retro-Stil

Die Popkornditorei Knalle hat ebenfalls über Franchising nachgedacht, sich schlussendlich aber für eine Shop-in-Shop-Expansion entschieden – ein Relikt aus den 90er-Jahren und eine weitere Option, als Food-Startup zu wachsen. Ein Jahr nach der Gründung im März 2016 hat das Popcorn-Startup einen Store im KaDeWe Berlin eröffnet. Es folgten eine Ladenfläche im Kaufhaus Breuninger in Stuttgart und Freiburg. Ab Herbst wird Knalle seine Produkte auch im Alsterhaus in Hamburg verkaufen. In die Supermarktregale will das Startup nicht, es hat nach eigenen Aussagen sogar einen Deal mit Rewe abgelehnt. 

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Knalle sieht sich als Premium-Produkt, daher der Weg zu KaDeWe und Co. Sowohl die Premium-Kaufhäuser als auch das Startup würden von der Kooperation profitieren, so CEO Christopher Peters. Die Einzelhändler bessern mit dem Food-Angebot ihr eingestaubtes Image auf, Knalle erreicht dadurch die Laufkundschaft, die ohnehin in Shopping-Laune ist. Seinen Umsatz konnte das junge Unternehmen durch die Store-in-Store-Lösung stark steigern. In diesem Jahr will Knalle 250 Prozent mehr umsetzen als 2017. Ihre Firma sei mittlerweile auch profitabel, so der Mitgründer.

Bilder: Spooning Cookie Dough, MyMuesli

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