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Foodora und Deliveroo weisen Vorwürfe zurück, Gewerkschaften zu behindern

Ehemalige Fahrer behaupten, Deliveroo und Foodora hätten ihre Verträge nicht verlängert, weil sie sich im Betriebsrat engagieren. Beide Startups widersprechen.

Die Anschuldigungen wiegen schwer: In der vergangenen Woche wurden Vorwürfe laut, Fahrer der Lieferdienste Foodora und Deliveroo würden ihren Job verlieren, wenn sie sich gewerkschaftlich organisieren. Foodora dementiert das nun. Ein Sprecher des Lieferdienstes sagte NGIN Food: „Die Aussage, wir würden arbeitsbedingte beziehungsweise gewerkschaftliche Organisation verhindern, weise ich entschieden zurück.“ Als Beleg dafür teilte er mit, dass Foodora bereits im vergangenen Jahr „eine Betriebsratsgründung in Deutschland vollzogen“ hätte. Foodora arbeite konstruktiv mit dem Betriebsrat zusammen. „Insbesondere die wertvollen Informationen, die wir durch die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat erhalten, helfen bei der weiteren Optimierung der Arbeitsbedingungen all unserer fest angestellten Fahrer in Deutschland“, heißt es weiter von dem Unternehmen. 

Auf Zeit Online hatten ehemalige Mitarbeiter geschildert, Deliveroo und Foodora würden gezielt Verträge von Beschäftigten auslaufen lassen, wenn diese sich für die Mitarbeitervertretung einsetzen – um die Arbeitnehmerbewegung so zu schwächen, mutmaßen sie. Die Unternehmen würden jedoch andere Kündigungsgründe aus dem Arbeitsalltag anführen, wie etwa mangelnde Bereitschaft Überstunden zu machen oder zu wenige Sonntags-Schichten. 

Ein Arbeitnehmer hat das Recht, sich innerhalb der Arbeitszeit gewerkschaftlich zu engagieren. Dem Zeitungsbericht zufolge zahlen die Lieferdienste jedoch nicht für die Zeit, die ein Arbeitnehmer für seine Betriebsratsarbeit braucht. Auch hierzu äußerte sich Foodora gegenüber NGIN Food: „Die Zahlung an den Mitarbeiter ist bereits erfolgt, da dieser seine Arbeitsstunden für die Betriebsratsmitarbeit mittlerweile pünktlich und für uns nachvollziehbar, auch wie vertraglich und gesetzlich vorgeschrieben, aufzeigen konnte.“

Auch Deliveroo weißt alle Vorwürfe zurück. „Keiner unserer Fahrer wurde jemals aufgrund einer Tätigkeit im Betriebsrat entlassen oder sein Vertrag nicht verlängert“, teilt das Startup gegenüber NGIN Food mit. „Wir haben unsere Fahrer bei der Gründung eines Betriebsrats unterstützt und werden weiterhin eng mit den Vertretern dieses Gremiums zusammenarbeiten.“ Allen Bitten des Betriebsrats sei man nachgekommen. So habe Deliveroo etwa Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt und die Zeit, die für die Sitzungen aufgewendet wurde, vergütet. 

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Fahrer von Foodora und Deliveroo haben bereits einige Male gegen die schlechten Arbeitsbedingungen bei den Startups demonstriert. Neben Forderungen nach besserer Bezahlung ist vor allem die Übernahme von betriebsbedingten Kosten ein Streitpunkt. Es geht vor allem um die Frage, wer die Reparatur zahlt, wenn Fahrrad oder Smartphone der Fahrer den Geist aufgeben. 

Eine bundesweite Arbeitnehmervertretung für Kuriere gibt es nicht. Im Februar hatten sich Fahrer von Deliveroo in Köln zu einem Betriebsrat zusammengeschlossen. Bei Foodora gibt es bereits seit vergangenem Sommer eine Mitarbeitervertretung in Köln. In Berlin hatte sich zudem die Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (FAU) für die Rechte der Fahrer eingesetzt

Bild: Getty Images / Bernard Weil / Contributor

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