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Auf diese 10 Food-Trends können wir uns 2018 gefasst machen

Glitzer-Kaffee, Zwiebelmarmelade und Craft-Korn? Wir haben Blogger gefragt, welches Essen im neuen Jahr angesagt sein wird. Mit dabei sind auch alte Bekannte.

Wir geben es ja zu. Nicht auf alles, was als Food-Trend deklariert und ebenso auf Instagram oder Snapchat verkauft wird, hat die Menschheit so richtig gewartet. So gingen Kaffee aus ausgeschabten Avocados, Schoko-Pizza und Einhörner (auch auf Klopapier oder Handseife) im Laufe des letzten Jahres viral – obwohl sie bei genauerer Betrachtung ziemlich seltsam sind.

Worauf müssen wir uns also im kommenden Jahr gefasst machen? Das britische Marktforschungsinstitut Mintel teilte kürzlich mit, die vier „Trendzutaten für 2018“ in einer Studie ermittelt zu haben. Mit dabei: Algen wie Spirulina, die etwa Smoothies oder Cappuccinos blau färben, Hanfsamen als Eiweiß- und Omega-Fettsäuren-Lieferant, außerdem der sibirische Chagapilz und glutenfreies Mehl aus unreifen Kochbananen. Soll es das etwa schon gewesen sein?

Wir haben drei Expertinnen gefragt, womit wir 2018 noch rechnen können: Rebecca Hoffmann und Su Song vom Food-Blog Fraeuleinchen sowie Anja Licht, die auf ihrem Instagram-Kanal call.me.the.pauli Bilder von bunten Rohkosttellern und Rezepten für gesunde Pfannkuchen mit ihren knapp 40.000 Followern teilt. Auch im Netz haben wir uns nach vielversprechenden (und komischen) Trends umgesehen. Die Ergebnisse haben wir für euch zusammengetragen.

1. Mehr Pflanzliches

In diesem Punkt sind sich Hoffmann, Song und Licht einig: Es wird mehr pflanzliche und nachhaltig erzeugte Lebensmittel geben. Licht sagt: „Der Verbraucher will wissen, wo sein Essen herkommt und verlangt Rechenschaft. Auch Bio-Produkte werden inzwischen kritisch begutachtet und man kauft lieber regional als auf Teufel komm raus Bio von der anderen Seite der Welt.“ In diesem Zuge werde auch immer mehr veganes Essen in der breiten Gesellschaft Fuß fassen, glauben Hoffmann und Song. Das deckt sich auch mit dem Ergebnis einer Befragung von 49 Food-Bloggern. Diese Entwicklung wäre eine logische Fortführung des Trends der letzten Jahre: So ging der Absatz von Fleischersatz-Produkten steil nach oben – auch wenn der Boom hierzulande zuletzt etwas einsackte. Und wer weiß, vielleicht wird die Nachfrage ja so steigen, dass McDonald's seinen McVegan in Zukunft nicht mehr nur in Finnland, sondern auch in Deutschland verkauft.

 

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2. Weniger Zutaten

Erst vor kurzem brachte der britische Starkoch Jamie Oliver ein Kochbuch heraus, in dem jedes Rezept aus gerade einmal fünf Zutaten besteht. Möglichst einfache Gerichte und Lebensmittel scheinen en vogue zu sein – und werden es wohl auch bleiben. „Meiner Ansicht nach erinnern sich viele Menschen gerade daran, wie es früher war. Mit simpleren Zutatenlisten, am besten ohne Konservierungsstoffe, vor allem im Convenience-Bereich“, so Licht. Die Bloggerin kündigt auch ein stärkeres Umdenken beim Thema Zucker an. „Der ist ja gefühlt einfach überall drin“, sagt sie, „auch hier werden viele Menschen nach Alternativen suchen.“

3. Neue Eiweißlieferanten

Auch wenn Verbraucherschützer Insekten als Proteinquelle angesichts der guten Eiweißversorgung aus pflanzlichen Lebensmitteln in Industrieländern wie Deutschland als überflüssig bewerten, glauben die Bloggerinnen Hoffmann und Song an eine Blüte: „Lebensmittel, die aus Insektenmehl hergestellt werden, wird es auch in der Gastronomie immer häufiger geben“, prognostizieren sie. Die beiden sehen Insektenprotein als „das nachhaltigste tierische Protein zur Ernährung der Weltbevölkerung.“ Licht dagegen glaubt, dass Verbraucher vor allem immer mehr pflanzliche Eiweißquellen suchen werden. Dazu zählen zum Beispiel Amaranth, Lupinen oder beispielsweise Nudeln aus Linsen und Kichererbsen, wie sie gerade im Lebensmitteleinzelhandel und Drogeriemärkten im Kommen sind.

4. Funktionelles Essen

Die Fraeuleinchen-Bloggerinnen gehen davon aus, dass die Nachfrage nach funktionellen Lebensmitteln 2018 steigen wird. Damit sind Produkte gemeint, die einen positiven Effekt auf die Gesundheit versprechen. „Ob für Sportler, Allergiker oder Schwangere, es werden sicher noch mehr Ersatz- und Ergänzungsprodukte auf den Markt kommen“, sagen die beiden. Auch wenn die Wirkung von „Funktionsnahrung“ in der Regel nicht ausreichend belegt und ihre Bewerbung durch die Health-Claims-Verordnung der Europäischen Union reguliert ist, gibt es mehrere Startups, die mit entsprechenden Ergänzungsmitteln ihr Geld verdienen, darunter Nu3, Vitafy oder Primal State.

5. Herzhaft trifft süß

Deftige Zutaten schaffen es 2018 häufiger in süßen Speisen, glauben Hoffmann und Song. Als Beispiele nennen sie Zwiebelkonfitüre und Gurkenlimonade. Letztere gibt es inzwischen nicht mehr nur von Startups, sondern beispielsweise auch von einer Mineralwassermarke des Getränkekonzerns Coca-Cola. Dazu passt auch der Avocado-Hype der letzten Zeit: Die Frucht, die als Hauptzutat von Guacamole bekannt geworden ist, wird mittlerweile – trotz mieser Ökobilanz – etwa zu Kuchen oder Schokolade verarbeitet. Smoothies mit normalerweise herzhaften Zutaten wie Spinat oder Grünkohl dürften wohl ebenso in die Kategorie fallen wie Chutneys.

6. Craft-Alkohol

„Ich bin zwar kein Biertrinker, aber ich bin gespannt, wie viele Craftbier-Sorten noch auf den Markt kommen werden“, sagt Instagram-Foodie Licht. Hoffmann und Song tippen darauf, dass es 2018 mehr „kleine Craft-Destillerien“ geben wird – für Gin, Korn und Co. Nachdem Gin zuletzt einen Boom erfahren hat, der anhalten dürfte, könnte Korn nun folgen. Dessen Image ist bisher nämlich nicht sonderlich gut, er gilt als Bauarbeiter-Schnaps. Junge Unternehmen wie Nork aus Bremen wollen das ändern.

7. Schüsseln als Evergreen

Sie sind das Instagram-Motiv schlechthin: Bowls. Gemeint ist Essen, das in Schüsseln angerichtet ist. Und darin irgendwie besser aussieht als auf faden Tellern. „Im Moment ist alles, was in Schüsseln passt, mega angesagt“, erklärt Licht. Das wird wohl auch vorerst so bleiben. Sogenannte Buddha-Bowls bestehen vor allem aus Gemüse und Hülsenfrüchten, Smoothie-Bowls sind meist mit Bananenscheiben und Chia-Samen garniert. Und über ursprünglich hawaiianische Poké Bowls, also Schüsseln mit Fisch, Reis und Gemüse, schrieb zuletzt auch „SupermarktGuru“ und Forbes-Lebensmittelredakteur Phil Lempert in seinen Trendprognosen für 2018.

8. Achtsamkeit

Forbes-Autor Lempert beschreibt in seinem Bericht auch die sogenannte „Mindfulness“, also die „Achtsamkeit“ beim Essen. Nach seiner Definition bedeutet diese Einstellung, dass Verbraucher – und insbesondere Millenials – sich zu jedem Zeitpunkt darüber bewusst sind, was sie essen. Anhänger wollten alles verstehen, was es zu einem Lebensmittel oder einem Getränk zu wissen gebe – und dann das dahinterstehende Unternehmen unterstützen, ob ideell oder durch den Kauf der Produkte. Diese „Verknüpfung von Körper und Geist“ schlage sich in lauteren sozialen, ökologischen und ethischen Forderungen bezüglich Lebensmitteln nieder, so die Botschaft des Redakteurs. Eine ähnliche Entwicklung sieht auch Food-Bloggerin Licht: „Ich beobachte den Trend weg von extremen Diäten hin zu Selbstliebe und intuitivem Essen schon länger. Es geht immer mehr darum, dem eigenen Körper zu vertrauen. Ich denke, das wird zunehmen.“

9. Es funkelt auf dem Tisch

Es ist mal wieder einer dieser fragwürdigen Trends: Glitzer-Essen. Glitzer in Cappuccinos, Kaffees und Bratensauce, Glitzer auf Kuchen und Burgern. Unter dem Hashtag #glitterfood finden sich auf Instagram schon einige Beispiele. Macht sich sicherlich gut im Newsfeed, aber auf dem Teller oder in der Tasse? Da würden wir andere Zutaten vorziehen. Überhaupt: Woraus besteht das Glitzer im Coffee Shop? Und wie gesund ist es? Bevor wir auf diese Fragen keine überzeugende Antwort bekommen haben, erinnern wir uns mit Schrecken an Einhorn-Klopapier und Co. – und bleiben skeptisch.

10. Comeback der bunten Blasen?

2018 könnte auch ein verloren geglaubter Food-Trend wieder aufkochen: Bubble Tea, ein Tee-Getränk mit gummiartigen Kügelchen, das zwischen 2010 und 2012 vor allem unter Jugendlichen verbreitet war. Damals war er in Verruf geraten, weil Wissenschaftler der RWTH Aachen in einem Medienbericht vor krebserregenden Stoffen in den Kügelchen gewarnt hatten. Ein Gesundheitsrisiko aufgrund von vermeintlich giftigen Inhaltsstoffen besteht nach heutigem Wissensstand aber offenbar gar nicht. In Berliner Bubble-Tea-Filialen ist das Getränk derzeit jedenfalls sehr gefragt. Ein bundesweites Comeback ist nicht ausgeschlossen.

Artikelbild: Getty Images/Souders Studios

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