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Von-Floerke-Gründer: „Die Sanierung ist nicht möglich“

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Insolvenzverschleppung, doch David Schirrmacher setzte seine Hoffnung auf ein rettendes Investment. Die Chancen stehen schlecht.

Seit Oktober steckt das Bonner DHDL-Startup Von Floerke in einer tiefen Krise. Der Herrenausstatter erweiterte damals spontan sein Angebot und nahm günstige Spirituosen in sein Sortiment auf. Doch die hohe Nachfrage überforderte das junge Unternehmen, das die bereits bezahlten Produkte nicht liefern konnte. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugsverdacht in mehreren Fällen, seit einem Monat auch wegen Insolvenzverschleppung.  

Noch im Januar hieß es in einem Medienbericht, ein Investor wolle das angeknackste Startup für einen sechsstelligen Betrag sanieren. Zu den Gläubigern zählen unter anderem die Stadtsparkasse Remscheid, zahlreiche Kapilendo-Anleger und Ladenvermieter. Zu den Geldgebern des Startups gehören Frank Thelen, der Juror aus der TV-Show Die Höhle der Löwen, und Mytaxi-Gründer Niclaus Mewes.

Facebook-Tiraden gegen Kunden und Gesellschafter

Am Freitagabend machte Gründer David Schirrmacher dann in einem öffentlichen Facebook-Beitrag seinem Ärger Luft: „Ihr fragt Euch was die Insolvenz macht? Mit Ablauf gestern 17:00 Uhr hat leider die Stadtsparkasse Remscheid insgesamt vier Angebote zur Sanierung abgelehnt. Keine Chance zur Verhandlung.“ Die Bank will sich auf Nachfrage von Gründerszene und NGIN Food nicht dazu äußern.

Der Schweizer Unternehmer Ruben Welsch wollte die Mehrheit des Startups übernehmen, heißt es von Schirrmacher. Welsch leitete die Business-Development-Abteilung des Getränkestartups Weinclub bevor er zu Sevenventures wechselte, er hat also Erfahrung im Onlinehandel mit Spirituosen. „Ich kann bestätigen, dass ich mit einer Gruppe erfahrener Investoren nach Kontaktaufnahme durch einen Gesellschafter Ende Dezember 2018 das Unternehmen Von Floerke für ein eventuelles Investment angeschaut habe“, teilt Welsch auf Nachfrage von Gründerszene und NGIN Food mit.

Doch die Chancen für den Gründer Schirrmacher stehen schlecht. „Zu Von Floerke laufen zwar noch Gespräche, nach den Facebook-Tiraden gegen Kunden, Gesellschafter, Gläubiger und Anleger der Crowd in den letzten Tagen sehen wir eine Rettung aber nochmals stärker gefährdet als zuvor“, sagt Welsch weiter. In einem Kommentar nannte das Unternehmen seinen Investor Thelen beispielsweise einen Praktikanten und beschimpfte einen verärgerten Kunden als „Troll“. Auch die Crowdinvestoren, die mehr als 1,2 Millionen Euro gaben, kamen nicht gut weg: „Also wenn 1,5 Millionen für Dich eine Menge sind ... dann wissen wir auch nicht weiter“.

Schoenberger wollte 600.000 Euro zahlen

Schirrmacher hat derweil die Hoffnung verloren, Welsch oder andere Geldgeber könnten sein Startup sanieren. „Der Investor hat sein Angebot zurückgenommen“, sagt der Von-Floerke-Gründer zu Gründerszene und NGIN Food. „Da keine Einigung mit der Sparkasse existiert, ist die Sanierung nicht möglich und auch das Angebot an die Kapilendo-Anleger obsolet.“ In einer Crowdinvesting-Kampagne nahm das Unternehmen 2017 Kapital ein, konnte die ausstehenden Raten aber nicht zahlen. Den Anlegern droht der Totalverlust.

Auch der verurteilte Stardrinx-Gründer Christian Lutz Schoenberger will dem Bonner Onlinehändler nach eigenen Angaben ein Angebot über 600.000 Euro gemacht haben, kam aber nicht zum Zug. CEO Schirrmacher bestätigt, dass der Hamburger Unternehmer in Von Floerke investieren wollte. Schoenberger führe im Auftrag des Bonner Onlinehändlers sogar Gespräche mit anderen Investoren, so der Stardrinx-Gründer. „Ich berate David beim Einkauf und im Marketing und stehe ihm in der schweren Zeit als Freund zur Seite.“ Der Geschäftsbetrieb laufe seit vergangener Woche „wieder normal“, schreibt Schoenberger.

Laut Insolvenzregister gibt es bislang keinen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Wie Schirrmacher weiter handeln möchte, auch wenn der Investor tatsächlich wegbricht, wollte er auf Nachfrage nicht sagen.

Von Floerke hofft auf Sanierung und setzt auf eigenen Amazon-Shop

Seit Januar ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Insolvenzverschleppung gegen das DHDL-Startup Von Floerke. Der Gründer baut derweil seinen Vertrieb aus.

Bild: Lisa Ksienrzyk / Gründerszene; Mitarbeit: Caspar Tobias Schlenk

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