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Flaschenpost setzt trotz Kritik weiter auf Wachstum

In einem Medienbericht wird dem Liefer-Startup vorgeworfen, unseriös zu arbeiten. Flaschenpost reagiert mit Expansionsplänen und will bald den Break-even erreichen.

Mehr als 20 Millionen Euro hat das Münsteraner Startup Flaschenpost seit der Gründung 2016 eingesammelt, darunter von prominenten Investoren wie Cherry Ventures und Vorwerk Ventures. Nun steht der Getränkelieferservice in der Kritik. Spiegel Online berichtet (Paywall) von defekten Klimaanlagen, unzufriedenen Mitarbeitern und genervten Kunden. 

Rund 1.700 Fahrer, Lagerkräfte und Büromitarbeiter seien derzeit bei dem Startup beschäftigt, wie die Geschäftsführer Stephen Weich und Christopher Huesmann im Gespräch mit Gründerszene und NGIN Food erzählen. Probleme wie eine kaputte Heizanlage im Lager sowie fehlende Kühlgeräte in einigen der Fahrzeuge seien den Chefs bewusst gewesen und wurden nach eigenen Angaben sofort behoben. Für Logistikunternehmen ist es oft eine Herausforderung, genügend Fahrer zu finden und sie zu halten. Flaschenpost könne sich daher nicht erlauben, seine Kuriere auszubeuten, sagen Weich und Huesmann. 

Flaschenpost in Köln – Wie gut funktioniert das Liefer-Startup?

Das Liefer-Startup Flaschenpost verspricht, Getränke innerhalb von anderthalb bis zwei Stunden zu liefern. Wir haben das Angebot in Köln getestet.

Auf Bewertungsportalen wie Trustpilot häufen sich negative Bewertungen von Flaschenpost-Nutzern: Der Service habe sich plötzlich aus ihrem Hamburger Liefergebiet zurückgezogen, auf Nachfragen, was mit dem übrig gebliebenen Pfand passiere, reagiere das Unternehmen nicht. Acht Regionen beliefern die Münsteraner aktuell. In Hamburg musste Flaschenpost eine „temporäre Zwangspause“ von zwei Monaten einlegen, so Weich. Da das Startup nicht genügend Kuriere gefunden hätte, musste Flaschenpost Teile des Liefergebiets schließen, sagt er. Das habe vor allem die Randbezirke von Hamburg betroffen, sagt Weich. Und: Die Kunden seien über die Pause benachrichtigt worden. 

Bis zu zehn neue Städte in 2019

Im Januar firmierte sich das drei Jahre alte Unternehmen in eine SE, also eine europäische Aktiengesellschaft um. Im Zuge dessen ist der Gründer Dieter Büchl als Vorsitzender in den Aufsichtsrat gewechselt. Das solle vor allem internationale Investoren auf den Plan rufen und die Expansion in andere Länder vereinfachen, so die Manager zu Gründerszene und NGIN Food. Allerdings wäre das auch ohne SE möglich. Aktuell ist der Getränkeservice vor allem im Westen Deutschlands aktiv. „Wir haben das gesamte Bundesgebiet im Blick“, sagt Weich mit Blick auf die nationale Expansion. Österreich und die Schweiz seien ebenfalls zwei potenzielle neue Märkte.

Acht bis zehn neue Standorte will Flaschenpost in 2019 eröffnen. „Am liebsten in jedem Monat ein neues Gebiet“, sagen die Manager. Für Flaschenpost sei eine Stadt groß genug, wenn sie mindestens 150.000 Einwohner hat. Das Startup richtet an jedem Standort ein neues Lager ein und stellt ein Team zusammen. Auch Berlin sei für die Münsteraner interessant. Dort musste der Konkurrent Trinkkiste nach zahlreichen Problemen seinen Dienst vor knapp einem Jahr komplett einstellen, wie der ehemalige Trinkkiste-CEO Laurent Kaestli gegenüber Gründerszene und NGIN Food bestätigt. Der Berliner Markt rechne sich kaum noch, sagt er heute. Die Fahrer würden oftmals mehr Gehalt verlangen als in anderen Städten und der Wettbewerbsdruck sei zu hoch. Auch Durstexpress, ein Projekt von Dr. Oetkers Digitaleinheit, ist auf den Berliner Straßen unterwegs.

Flaschenpost lässt sich von den Problemen der Konkurrenz nicht beirren, setzt weiter auf Wachstumskurs. Profitabel sei das Startup aber noch nicht. Einige Städte würden bereits Gewinne schreiben, sagen Weich und Huesmann. Welche und wie hoch die Erlöse sind, wollen sie aber nicht verraten. Ihr Ziel sei klar der Break-even. „Ein Geschäftsmodell ist nur nachhaltig, wenn es profitabel werden kann“, sagen die beiden.

Bild: Christoph Papsch/Flaschenpost

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