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Pharmakonzern kauft Tee-Startup Fitvia

Fitvia verkauft teure Tees mit hippen Namen – und setzt damit achtstellige Beträge um. Jetzt hat der Gründer sein Startup, das er über Instagram groß machte, verkauft.

Das börsennotierte Pharmaunternehmen Dermapharm hat angekündigt, das Wiesbadener Tee-Startup Fitvia zu übernehmen. Insgesamt 70 Prozent der Unternehmensanteile kauft die Firma, den Rest der Anteile behält Gründer Sebastian Merkhoffer. Über die geflossene Summe wurde Stillschweigen vereinbart.

Mit hochpreisigen Teesorten, verpackt in braune Papiertüten mit schlichtem Firmenlogo, ist Fitvia erfolgreich geworden. Zum Vergleich: Im Supermarkt kostet der Minztee rund vier Euro. Ein Paket Minztee mit Orangenschalen und Brennesselblättern ist bei Fitvia für 24,90 Euro zu haben. „Fit Mint Puretox Tea“ nennt die junge Firma aus Wiesbaden den Aufguss. Die speziellen Zutaten würden dabei den Preis rechtfertigen, heißt es vom Gründer.

Das Konzept kommt bei den Kunden an: 2018 setzte das Startup nach Gründerszene-Informationen mehr als 18 Millionen Euro um. Profitabel wirtschaftet es laut Gründer Sebastian Merkhoffer schon seit Woche vier nach der Gründung 2014. In diesem Jahr will das Unternehmen 20 Millionen umsetzen, mit einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von etwa 3,5 Millionen Euro. Große Wagniskapitalgeber sind nicht an Bord, die einzigen Gesellschafter sind Lesara-Gründer Roman Kirsch und Business Angel Pascal Zuta. Sie stiegen gleich zu Beginn ein, wie viel sie investierten, ist nicht bekannt.

Zusammen mit dem Käufer Dermapharm will Fitvia sein Sortiment erweitern. Das Pharmaunternehmen verfüge über eine eigene Produktion, die Fitvia nutzen soll, um schneller neue Angebote auf den Markt zu bringen. Der Gründer will weiter an Bord bleiben.

Dermapharm gehört zu den führenden Herstellern von patentfreien Markenarzneimitteln. Im vergangenen Jahr machte es eine halbe Milliarde Euro Umsatz. Zuletzt ist es auch in den Markt für medizinisches Cannabis eingestiegen – und hat sich an mehreren Cannabis-Firmen beteiligt.

Eine halbe Million Kunden 

Fitvia startete vor fünf Jahren unter dem Namen Fittea. Den ersten Onlineshop baute Merkhoffer nach eigenen Angaben noch selbst, er meldete ihn damals über das Einzelunternehmen seiner Mutter an. Erst als das Geschäft angelaufen war, gründete er seine eigene GmbH. Den Namen änderte der Gründer 2017, weil er neben Tee auch Müsliriegel verkaufen wollte. Inzwischen bietet das Startup unter der Marke Bellavia auch Kosmetikprodukte an.

Bikini-Influencer und Detox - so setzt das Tee-Startup Fitvia Millionen um

Der Gründer von Fitvia startete sein Geschäft im Haus seiner Eltern. Jetzt erwirtschaftet er mit Tee einen achtstelligen Betrag – und ist von Anfang an profitabel.

Eine halbe Million Kunden, die meisten weiblich und zwischen 18 und 35 Jahren alt, erwerben seine Produkte jährlich, sagt Merkhoffer. Pro Monat verkaufe man eine sechsstellige Zahl Produkte in Deutschland, Spanien, Frankreich, Österreich und der Schweiz – ausschließlich über den eigenen Onlineshop. Demnächst solle Fitvia auch in Polen starten. Nach der Übernahme soll nun die Expansion beschleunigt werden.

Immer noch erfolgreich mit Influencer-Marketing

Bei der Expansion, so Merkhoffer, werde man dieselbe Werbestrategie fahren wie schon seit Beginn: Influencer-Marketing. Fitvia lässt seine Tees auf Instagram von Bekanntheiten wie Sarah Lombardi vermarkten. Insgesamt arbeite man mit knapp 1.000 Influencern zusammen, so der Gründer. „Wir haben pro Tag mehrere Dutzend Posts aus fünf verschiedenen Ländern.“ Es sei durchaus ein Risiko, auf Instagram als einzigen Marketingkanal zu setzen, gibt er zu. Aber bislang sei man mit dieser Strategie nun einmal extrem erfolgreich, ein Abschwung sei nicht in Sicht.

Die Instagram-Stars bringen der Zielgruppe wohl überzeugend rüber, wieso sie für 100 Gramm Tee mehr als 20 Euro bezahlen sollte. Merkhoffer selbst begründet den Preis mit dem besonderen Geschmack: Fitvia verwende im Gegensatz zu anderen Tee-Anbietern besondere Zutaten wie ganze getrocknete Kirschen oder Tamarinde. Außerdem habe es, als Fitvia startete, noch keine Marke gegeben, die „Tee als Lifestyle-Getränk für junge Leute“ verkauft habe. Diese Lücke sei für Fitvia frei gewesen – und Merkhoffer hat sie nun erfolgreich besetzt.

Der Fitvia-Gründer Sebastian Merkhoffer hat das Unternehmen ohne große Geldgeber aufgebaut.

Bild: Fitvia; Mitarbeit: Caspar Tobias Schlenk; Details zum Tee wurden nachträglich ergänzt.

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