Trends, Innovationen und Digitales aus der Lebensmittelbranche

Selbst Facebook gefällt, was dieser Gründer aus dem Sauerland macht

An seiner Seite hat Schulte mittlerweile drei weitere Gesellschafter. Es sind keine namhaften Business Angels, sondern eine Marketing-Agentur und Unternehmer aus der Region. Einen größeren VC mit an Bord zu holen, könne er sich derzeit nicht vorstellen. Seit der Zeit beim Discounter habe er einfach keine Lust mehr, dass ihm andere zu viele Vorgaben machen. Bislang geht sein Konzept auf. Sein neuer Kassenschlager sind Geschenkboxen. Schulte nennt sie „Heimat-Boxen“, gefüllt mit deftigen Würsten und Bier oder auch mit veganen Aufstrichen und Bio-Ölen.

Geliefert werden sie mit dem Branding einer Firma oder mit lieben Grüßen von Familie und Bekannten. Erst wenn eine Bestellung auf der Seite eintrifft, werden die frischen Produkte von den Händlern und Produzenten bezogen. „Jeden Meter, den wir fahren, bedeutet: Wir nehmen etwas mit oder holen etwas ab.“ Damit sollen Leerfahrten vermieden und die Auslastung verbessert werden. Im Sauerland fährt das Team alles selbst aus. Außerhalb der Region kommt der Logistikanbieter DHL ins Spiel. Jeden Morgen werde die Tourplanung darum neu aufgestellt, sagt Schulte. Innerhalb des Sauerlands wird alles ab 59 Euro kostenlos versandt, außerhalb der Region fallen zumindest noch Kühl- oder Sperrgutzuschlag an. Von den Händlern bezieht er hingegen eine Listungsgebühr: Vertrieb, Logistik, Marketing und Social Media inklusive. Der Preis, beginnend bei 39 und bis 69 Euro monatlich, hängt von der Anzahl der Produkte ab.

Best Practice für Whatsapp-Business

„Die Händler schicken uns ein Regalbild und lösen damit die Bestellung aus.“ Geordert wird per Whatsapp – der Dienst kann sowohl von Händlern als auch von Kunden genutzt werden. Letztere sagen dann aber einfach per Messenger, was sie zugeschickt haben wollen. Damit ist Schulte weltweit Vorreiter für eine ländliche Region. Das ist der Grund, weshalb Whatsapp-Eigentümer Facebook bei ihm anklopfte und eine aufwendige Filmproduktion für ein Best-Practice-Beispiel für den Blog des Messengerdienstes in Auftrag gab.

42 – Hofladen-Sauerland.de

Score: 29,15
Gründungsjahr: 2015
Kategorie: Food
Webseite: www.hofladen-sauerland.de

Abgesehen von Amazon und einigen Online-Marktplätzen hat Schulte keinen ernst zu nehmenden Wettbewerber. Er selbst sieht sich als Dienstleister mit dem Ziel, es bis zur Rente durchzuziehen. Ein Exit komme auf keinen Fall infrage. Erist sich darüber im Klaren, dass er auf dem freien Markt mehr verdienen würde, aber das sei für ihn nicht der ausschlaggebende Punkt. „Was ich hier mache, hat eine andere Lebensqualität.“

Das nächste Ziel steht schon fest

In naher Zukunft sollen Abholboxen in Fußgängerzonen in ländlichen Regionen aufgestellt werden. Und zwar auf dem Prinzip von Open Source. Egal ob Paketdienstleister, Einzelhändler oder Optiker, jeder der angemeldet ist, kann einen QR-Code generieren und die Fächer für seine Kunden befüllen. Schulte ist sich bewusst, dass er damit kein Geld verdienen wird.

Dennoch ist er sich sicher, dass Kommunen daran interessiert sein werden. Aber auch das soll bloß der Anfang sein. Gerade konzipiert er eine Art modularen Container, der halb als Ladestation für stationäre Carsharing-Fahrzeuge dient, aber auch E-Bike-Stand, Leergutannahme, Vertical Farming und Shop ist. Schulte hat sich bereits auf Fördertöpfe der EU beworben, um die Riesenboxen im Sauerland aufzustellen. Am schwersten fällt es ihm gerade, das Konzept festzuzurren, da ihm ein Haufen Anwendungsfälle einfallen. Er wird deutlich mehr Leute in seinem Team brauchen, um seine Vision vom digitalisierten und smarten Land realisieren zu können. Aber er ist zuversichtlich, er fange ja schließlich jetzt erst an, über das Sauerland hinaus andere Regionen mit einzubeziehen. Sein nächstes Ziel: die ländlichen Regionen von Bayern.

Bild: Marco Weimer für Gründerszene

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