Trends, Innovationen und Digitales aus der Lebensmittelbranche

Selbst Facebook gefällt, was dieser Gründer aus dem Sauerland macht

Beim Discounter begann seine Karriere, heute vertreibt Christian Schulte über Hofladen-Sauerland.de Lebensmittel aus der Region. VC-Geld und Exit? Davon hält er wenig.

Bewaldete Berghänge und ein Kloster rahmen das Sauerland-Städtchen Meschede ein. Auf der Straße des nordrhein-westfälischen Städtchens wird man gegrüßt. Im Umland der Stadt leben rund 30.000 Menschen. Als Ende September ein 15-köpfiges Filmteam aus New York anreiste, um Christian Schulte in seinem Hofladen zu besuchen, war das eine Sensation. Drei Tage lang musste er für eine Werbekampagne der Facebook-Tochter Whatsapp vor der Kamera posieren. Wirklich Spaß gemacht habe es nicht, Dutzende Male den gleichen Satz zu wiederholen, sagt Schulte. Schließlich gebe es einen Haufen anderer Dinge anzupacken.

Im Gespräch mit dem 37-Jährigen zeigt sich schnell: Der Mann schäumt über vor Ideen. Dabei wollte er 2015 eigentlich nur eine Online-Plattform für regionale Lebensmittel und Selbstgemachtes aus dem Sauerland schaffen. Mittlerweile kümmert er sich zusammen mit seinem zwölf Mitarbeiter großen Team um den eigenen Onlineshop, zwei stationäre Läden, die gesamte Logistik, das Webdesign und Marketing für Einzelhändler – neuerdings auch um Geschenkboxen und bald um modulare Shop-Container fürs Land. Immer wieder fällt Schulte etwas Neues ein, woran er gerade schraubt und arbeitet.

15 Jahre Erfahrung beim Discounter

Für ihn, sagt Schulte, sei es eine Herzensangelegenheit. Auch mal sieben Tage die Woche zu arbeiten sei für ihn kein Problem, eher das Beste, was ihm hätte passieren können. Die meisten seiner Angestellten sind Freunde. Urlaub, Feierabend – alles flexibel, sagt er. Aufgebaut wurde Hofladen-Sauerland.de aus eigener Tasche: mit 500 Euro und seinen rudimentären Webdesign-Kenntnissen.

Die ersten zwei Jahre hat Schulte aufs Gehalt verzichtet. Als Vertriebsleiter bei einem großen Discounter habe er die Jahre zuvor ausreichend Geld verdient. Nach 15 Jahren beim Discounter wisse man, wie und wo man sparen könne. „Wenn wir eine Materialbestellung gemacht haben und zehn Kugelschreiber brauchten, dann kam aus der Zentrale ein Anruf, ob nicht auch die Minen ausreichen würden.“ Heute verkauft er Waren im hochpreisigen Segment, rund 15.000 Kunden sollen bereits bei seinem Shop bestellt haben, in seinen Läden mache er im Monat etwa 9.000 Verkäufe.

Im Laden zeigt Schulte stolz die selbst gemachten Liköre, Marmeladen und Wurstwaren oder handgefertigte Schlüsselanhänger, Fan-Tassen und Schnitzereien aus der Region. Überall stehen Sauerland-Schilder. „Der stationäre Handel wird nie aussterben. Es wird aber, wie bereits schon geschehen, weiterhin starke Verschiebungen geben.“ Und genau darin sieht er seine Chance. Für ihn sind die zwei Läden derzeit lediglich das Aushängeschild. Künftig sollen Franchise-Partner hinzukommen.

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Der Laden in Meschede ist zusammen mit dem örtlichen Kloster aufgebaut worden. Geld verdient wird nicht nur mit dem Endkunden, sondern auch damit, dass Schulte regionalen Produzenten und Händlern hilft, ihre Waren in die Geschäfte und online auf die Plattformen zu bekommen.

Dafür nutzt er Kontakte zu Supermärkten oder baut mit seinem Team Websites, etwa für eine regionale Metzgerei – natürlich mit Anbindung an seinen Shop. Jedes Jahr sei der Umsatz verdoppelt worden, so der Gründer. Die Bilanz aus dem vergangenen Jahr: dreistelliges Minus. Darüber kann Schulte nur schmunzeln: „Wir sind wahrscheinlich das einzige Lebensmittelunternehmen im Onlinegeschäft, das wirtschaftlich ist.“

Bild: Marco Weimer für Gründerszene

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