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Ex-Fahrer von Deliveroo haben ihren eigenen Lieferdienst gestartet

Was tun, wenn der Arbeitgeber das Land verlässt? Selbst gründen. So wie ein paar ehemalige Deliveroo-Kuriere, die in Berlin ihre eigene Lieferfirma aufziehen wollen.

Seit vergangenem Freitag ist Deliveroo in Deutschland vorerst Geschichte. Kein Grund für drei ehemalige Berliner Kuriere des Unternehmens, mit dem Essenausfahren aufzuhören. Sie haben einfach ihren eigenen Lieferdienst gestartet, mit minimalistischer Website, Bestellung per Whatsapp und bislang zwei Restaurants – einem Burgerladen und einem Lokal mit asiatischer Küche. „Kolyma 2“ heißt er, nach einem in Russland spielenden Agententhriller, aber das soll nicht der finale Name sein. Mehr Fahrer und Restaurants kämen bald hinzu, sagen die Initiatoren. Zum Konkurrenten Lieferando zu wechseln, komme für sie nicht in Frage. Gründerszene hat mit Christopher M. gesprochen, einem der Initiatoren, die lieber anonym bleiben möchten.

Christopher, warum habt ihr euren eigenen Essenslieferdienst gegründet?

Seit letztem Freitag hat sich für viele der Berliner Fahrerinnen und Fahrer eine große Lücke aufgetan. Einige haben sich getroffen und darüber beraten, vielleicht ein Kollektiv zu gründen. Am Wochenende haben wir dann im kleinen Kreis versucht, Aufmerksamkeit für diese Idee zu erzeugen: Wir haben einfach am Freitag, Samstag und Sonntag weiter unsere Dienste als Fahrradkuriere angeboten.

Und, wie ist es gelaufen?

Ingesamt hatten wir fünf Bestellungen. Aber wir sind auch mit geringen Erwartungen herangegangen, das war das einzig Vernünftige.

Aktuell seid ihr drei Fahrer und arbeitet mit zwei Restaurants. Wie weit möchtet ihr das Geschäft ausbauen?

Im kleinen Kreis werden wir uns wahrscheinlich erst mal aufs Wochenende beschränken. Und momentan sind wir mit den zwei Restaurants auch ganz gut bedient. Parallel diskutieren wir aber weiter in einer größeren Gruppe über die Gründung eines Kollektivs, mit dem wir für viele Restaurants mehr ausliefern würden. Welche Form das am Ende annimmt, ob wir eine Gesellschaft gründen oder lose organisiert bleiben, muss sich zeigen.

Wie organsiert ihr euch aktuell?

Wir drei sind per Whatsapp verbunden. Eine Person macht dabei den Dispatch, nimmt also die Bestellungen entgegen, leitet sie ans Restaurant weiter und beauftragt die Fahrer. Die anderen beiden übernehmen die Lieferung.

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Was soll euer Lieferdienst anders machen als Deliveroo?

Am Sonntag hatten wir ein Treffen mit rund 30 Personen und haben diskutiert, welche Werte wir vertreten wollen. Am meisten genannt wurden: Freiheit, Nachhaltigkeit, Arbeiterrechte, Gesundheit und Würde. Aber auch Geld. Darauf bauen wir jetzt unsere Vision auf, und wenn wir die geschrieben haben, werden wir alles weitere konkret planen.

Stichwort Geld: Einige ehemalige Deliveroo-Fahrer versuchen jetzt sicher, bei Lieferando unterzukommen. Warum ihr nicht?

In der Runde am Sonntag war die einheitliche Meinung, dass wir ungern im Angestelltenverhältnis bei Lieferando arbeiten würden. Weil dadurch einer der wichtigsten Werte für uns nicht mehr gegeben wäre: die Freiheit und Flexibilität. Die Schichtplanung bei Lieferando ist sehr strikt, das ist der Hauptgrund dagegen, neben der schlechteren Bezahlung.

Also wollt ihr bei eurem Lieferdienst auch keine Leute fest anstellen?

Momentan sieht es nicht danach aus, aber ich würde es auch nicht ausschließen.

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Deliveroo-Fahrer sollen einen Brief unterschreiben, mit dem sie alle Ansprüche ans Unternehmen als erledigt anerkennen. Nur dann bekommen sie die volle Entschädigung. Wie steht ihr dazu?

Es spaltet sich in zwei Gruppen: Die einen überlegen, Deliveroo zu verklagen, also nicht zu unterschreiben. Und die anderen finden, dass das keine Aussicht auf Erfolg hat, weil das Angebot ja auch zeitlich begrenzt ist (bis zum 26. August, Anm. d. Red.). Ich persönlich bin kurz davor, den Brief einfach zu unterschreiben, um das Geld zu bekommen.

Bild: Getty Images / Jacques Demarthon

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