Trends, Innovationen und Digitales aus der Lebensmittelbranche

Dieses Startup aus Sachsen produziert essbare Trinkhalme

Strohhalme sind allgegenwärtig – und ein Problem für die Umwelt. Drei Gründer aus Sachsen wollen mit einer essbaren Variante eine Alternative zu Plastik schaffen.

Es gibt Erfindungen, über die macht man sich selten Gedanken, weil sie nun mal zum Alltag gehören. So wie der oftmals unnötige Strohhalm, der auf dem Kindergeburtstag genauso wie in der Cocktailbar zu finden ist. Milliarden Plastikröhrchen landen so weltweit jedes Jahr im Müll – oder einfach auf der Straße und am Strand. Umweltschützer versuchen daher, die Nutzung mit Kampagnen einzudämmen, die Stadt Seattle will die Halme gar verbieten.

Dieser Beitrag erschien bereits am 23. November 2017. Da Eatapple bei der TV-Show „Die Höhle der Löwen” teilnimmt, veröffentlichen wir ihn hier erneut.

Ein Startup aus Sachsen will nun eine Alternative zum Kunststoff-Halm entwickelt haben. Unter dem Namen Eatapple vertreibt das junge Unternehmen einen Trinkhalm, der unter anderem aus Apfelresten besteht und somit essbar ist. Die Hauptzutat sind gepresste Rückstände aus der Apfelsaftproduktion, sogenannte Trester, die auch als Futtermittel für Tiere genutzt werden. Schmecken soll der Halm laut Startup wie ein Fruchtriegel.

Auf die Idee gekommen ist eine Gruppe Studenten, die sich an der Uni mit Lebensmitteln beschäftigten. Der 21-Jährige Konstantin Neumann führt das Unternehmen Wisefood, das seit April dieses Jahres hinter Eatapple steht. „Man sitzt gemütlich mit seinen Kollegen in einer Bar und trinkt genüsslich seinen Cocktail“, erinnert sich Neumann an die Hintergründe zur Erfindung. „Und nahezu jeder kaut dabei auf dem lieblosen Plastikhalm herum.“ 

Bis zu acht Monate haltbar

Die ersten Varianten produzierten die Kommilitonen noch mit einer Nudelmaschine, erzählt Neumann. Mittlerweile habe das Startup jedoch 10.000 Trinkhalme beim Deutschen Institut für Lebensmittel produziert und auch verkauft. Das Apfel-Trinkröhrchen ist bis zu acht Monate haltbar und löst sich in einem Getränk nach circa einer halben Stunde auf, erklärt er. Trotz des Apfels schmecke man nur in geschmacksneutralen Getränken wie Wasser ein leichtes Fruchtaroma.

Um ihre Produktion voranzutreiben, sammeln Neumann und seine Mitgründer Philipp Silbernagel und Danilo Jovicic nun auf der Crowdfunding-Seite Startnext Geld von Unterstützern ein. In den ersten Wochen der Kampagne kamen bisher mehr als 4.000 Euro zusammen. Einsammeln wollen die drei am Ende mehr als 10.000.

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Der essbare Halm ist teurer als die Kunststoff-Variante: Im Rahmen der Kampagne zahlen Unterstützer zwischen 20 Cent und ein Euro pro Apfel-Halm, der Preis hängt von der Menge der Röhrchen ab. Plastikhalme liegen teilweise bei weniger als zwei Cent pro Stück. „Wir beziehen alle unsere Rohstoffe aus Deutschland und setzen natürliches Apfel-Aroma ein, welches preislich deutlich teurer ist als die chemische Variante“, sagt Neumann. Gastronomen erhielten Eatapple bereits günstiger und langfristig wolle man auch für Endkunden auf einen Preis von unter zehn Cent pro Stück kommen. Doch derzeit produziere man noch zu kleine Mengen.

Die jungen Gründer konkurrieren nicht nur mit den günstigen Plastikvarianten, sondern auch mit Herstellern von Papier- oder Glashalmen wie das Startup Halm, die ebenfalls versuchen, den Plastikgebrauch einzuschränken. Aber ist der Trinkhalm nicht oft gänzlich unnötig, weil man das Getränk auch ohne trinken kann? „Die Vermeidung von Trinkhalmen, wo es geht, ist sinnvoll“, gibt Neumann zu. „Aber viele Gastronomien benutzen einfach Trinkhalme aus Gewohnheit und da wird es schwierig, den Halm komplett abzuschaffen.“

Bild: MG RTL D / Bernd-Michael Maurer

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