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Liebe Edeka-Händler, ersetzt die Nestlé-Marken doch durch Food-Startups!

Edeka und andere Supermärkte nehmen Marken von Nestlé aus dem Sortiment, um bessere Einkaufskonditionen zu erzwingen. Wäre da nicht jede Menge Platz für neue Produkte?

Alle rund 4.000 selbstständigen Edeka-Einzelhändler in Deutschland bekamen in dieser Woche Post. In einem insgesamt fünf DIN-A4-Seiten dicken Brief listeten die Großhändler der Märkte 163 Nestlé-Produkte auf, die in den kommenden Wochen aus den Regalen der Filialen verschwinden sollen. So berichtete es jedenfalls die Lebensmittelzeitung. Der Hintergrund ist ein Machtkampf zwischen dem Lebensmittelgiganten aus der Schweiz und der Händlerallianz Agecore: Dieser Verbund besteht aus den Einzelhandelsgruppen Edeka und anderen Ketten wie Intermarché oder Coop Schweiz und will mit der drohenden Auslistung Druck auf Nestlé erhöhen, um bessere Konditionen auszuhandeln. 

Update vom 5. April 2018: Nach Informationen der Lebensmittelzeitung weitet Edeka den Nestlé-Boykott aus. Bislang seien 163 Produkte betroffen gewesen, die 20 Prozent des Umsatzes ausgemacht hätten, den Edeka mit Nestlé-Artikeln erwirtschaftet. Jetzt werde der Bann auf 30 Prozent der Erlöse ausgeweitet. 

Nicht bekannt ist allerdings, ob noch ein zweiter Brief an die Edeka-Filialen der Nation verschickt wurde. Ein Brief, in dem steht, welche Produkte das Vakuum füllen sollen, das die Auslistung vieler Nestlé-Marken hinterlassen würde. Doch es ist klar, wie die erste Zeile dieses Briefes lauten müsste: Liebe Händler, ersetzt die im vorigen Brief genannten Nestlé-Produkte doch bitte mit Food-Startups!

Unter den Nestlé-Namen, die aus dem Sortiment fliegen sollen, sind prominente Namen. Etwa die Tiefkühl-Pizzen von Wagner, Mineralwasser von Vittel und San Pellegrino oder verschiedene Cerealien wie Cini Minis. Marken, die dem ein oder anderen Kunden vielleicht zunächst fehlen werden. Doch der Einkaufsfrust wird sich in Grenzen halten, wenn der Supermarkt reizvolle Alternativen bietet. Und davon gibt es in der Startup-Welt genug. Vielleicht greift der Pizza-Liebhaber dann einfach zu Low-Carb-Pizzen wie Lizza, der Wasser-Sommelier zu den Wasserflaschen von Joyce und der Frühstücksfreund zu Müsli von Hafervoll.

Dieser Schritt liegt auch deshalb nahe, weil sich Edeka auch bisher schon sehr aufgeschlossen für die Listung von Food-Startups gezeigt hat. Seit dem vergangenen Sommer betreibt der Supermarktverbund die Plattform Foodstarter, auf der aufstrebende Produkte und der Lebensmitteleinzelhandel unkompliziert und schnell verbunden werden sollen, wie es auf der Homepage heißt. Wann, wenn nicht jetzt, wäre dafür der richtige Zeitpunkt? 

Und auch wenn der Einkauf vieler kleiner, nicht in einem Konzern organisierter Marken Mehraufwand bedeuten würde, könnte sich das Geschäft für Edeka gleich in mehrfacher Hinsicht lohnen. Erstens würde die Abhängigkeit gegenüber Nestlé verringert und die Verhandlungsposition gestärkt werden. Zweitens würde das Fehlen der gewohnten Marken den Kunden nicht vor den Kopf stoßen, wenn stattdessen neue Produkte präsentiert werden. Und drittens wäre ein solcher Schritt auch das Image Edekas wohl nur förderlich. Denn wer unterstützt nicht lieber junge Gründer als den größten und oft kritisierten Lebensmittelkonzern der Welt?  

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Es ist zwar kaum realistisch, dass die gesammelte Startup-Landschaft Deutschlands Nestlé nun plötzlich aus den Supermarkt-Regalen verdrängt. Aber dennoch ist der aktuelle Machtkampf eine Chance für junge Unternehmen. Und dass Food-Startups auch für den Massenmarkt interessant sind, hat Nestlé selbst erst in jüngster Vergangenheit gezeigt. In den USA hat der Konzern im vergangenen Jahr ein Startup nach dem anderen gekauft. Mit einer Aufnahme solch junger Unternehmen würde Edeka Nestlé mit den eigenen Waffen schlagen.

 

Bild: Getty Images / Karl Johaentges / LOOK-foto

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