Trends, Innovationen und Digitales aus der Lebensmittelbranche

Sind Ihre Drogeriemärkte die neuen Startup-Hubs, Herr Werner?

Händler kopieren bei Eigenmarken oft Produkte anderer Marken. Ist es da nicht gerade für junge Unternehmen gefährlich, ihre Ware für eine Listung zu präsentieren, wenn ein Händler wie DM sie schnell nachahmen kann?

Prinzipiell könnte es ein solches Szenario geben. Als Einzelhändler müssen wir uns aber fragen, wozu ein derartiges Verhalten dann führen würde. Denn das spricht sich herum. Es würde bedeuten, dass Menschen mit guten Ideen künftig nicht mehr zu uns kommen würden. Damit würden wir uns ins eigene Fleisch schneiden. Das gleiche Risiko hätten im Übrigen auch etablierte Marken, wenn sie uns ihre Produkte frühzeitig präsentieren. Deshalb werden Eigenmarken bei DM von einem eigenständigen Geschäftsbereich verantwortet, der nicht am Einkauf hängt.

Bei Startups steht aber doch viel mehr auf dem Spiel. Und ob sich ein solcher Vorwurf herumspricht, ist fraglich. Gründer trauen sich möglicherweise nicht, ihn öffentlich zu machen, aus Angst, den Kontakt zum großen Händler dauerhaft zu verbrennen.

Was Startups schützt, ist die Tatsache, dass sie vom Kunden als einzigartig erlebt werden. Wir möchten niemandem eine Innovation abgraben und klauen vor dem Markteintritt grundsätzlich keine Ideen. Gleichzeitig kann man nicht ausschließen, dass irgendwann auch eine ähnliche Eigenmarke kommt. Unsere Kunden erwarten ein attraktives Sortiment von uns. Wenn uns das nicht gelingt, sind wir schneller weg, als wir gucken können. Insofern sind wir nicht diejenigen, die über Wohl und Wehe eines Jungunternehmens entscheiden.

„Ein Rewe-Produktentwickler warnte mich davor, die Kette würde Ideen kopieren“

In Carsten Maschmeyers Gründershow Start Up! wollte Kerstin Weise ein Produkt entwickeln. Doch den Saft der Kakaofrucht fand der Investor nicht innovativ genug.

Influencer packen in Youtube-Videos Einkaufstüten voller DM-Produkte aus. Bianca Claßen alias Bibi durfte bei Ihnen eine eigene Produktlinie zum Start exklusiv listen. Mit der Youtuberin Dagi Bee haben sie sogar eigene Marke entwickelt. Warum sind Influencer wichtig für DM?

Sie sind vor allem wichtig für unsere Kunden. Ich glaube, dass das Fundament für den Influencer-Erfolg deren erlebte Unabhängigkeit durch die Fans ist. Influencer müssen daher frei bleiben und sich nicht von kommerziellen Interessen abhängig machen.

Bezahlen Sie Influencer, um Werbung für Sie zu machen?

Nein. Wir stellen Bloggern Informationen und teilweise Produkte zur Verfügung. Ähnlich einer Pressekonferenz, zu der wir Journalisten einladen, die dann vor Ort noch einen Kaffee bekommen. Wir bezahlen Influencer aber nicht für deren Reichweite.

Wie gut muss ein Startup im Laden performen, damit es in Ihrem Sortiment bleibt?

Das sind Dinge, die individuell besprochen werden. Es kommt dabei in erster Linie auf die Resonanz und die Nachfrage unserer Kunden an. Wir bei DM möchten unsere Regalplätze optimal bewirtschaften. Als „Bilou“ von Bianca Claßen 2015 in die Läden kam, war der Erfolg schon erstaunlich. Zumal die Produktart „Duschschäume“ davor mehrfach gescheitert war. Diesmal funktionierte sie, obwohl sie sich preislich in einer höheren Kategorie bewegte. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie stark die Kraft einer Marke sein kann. Weitere gute Beispiele für Startup-Produkte, die ausgesprochen gut laufen, sind Einhorn und Share.

Können Sie sich vorstellen, dass DM – wie Amazon Go – eines Tages kassenlos ist?

Die Realität in unseren Märkten sieht so aus: In hochfrequentierten Märkten nehmen Kunden zum Beispiel Schokoriegel aus dem Regal und legen sie bei den Haarsprays zurück. Ein ziemliches Durcheinander. Die Technik müsste in der Lage sein zu verstehen, dass ein anderer Kunde den Schokoriegel bei den Haarsprays wieder in den Einkaufskorb gelegt hat. Und das bei vielen parallelen Vorgängen und unter großer Last. Wenn es eine Technologie gibt, die das verlässlich leistet, dann könnte sie ein Mehrwert für unsere Kunden und somit interessant für uns sein. Nur nicht um jeden Preis: Wenn der Markt dafür komplett mit Kameras ausgestattet sein müsste und der Kunde dies nicht möchte, würde das Konzept für uns nicht funktionieren.

Wie wichtig ist das Online-Geschäft derzeit für Sie?

Im Gesamtkontext noch klein, es bewegt sich im einstelligen Prozentbereich gemessen am Gesamtumsatz. Aber es entwickelt sich stark. Das Wachstum liegt im hohen zweistelligen Bereich.

Geben Sie uns einen Ausblick auf 2019: Wird der Startup-Wettbewerb wiederholt?

Prinzipiell ist das denkbar. Die Frage ist nur, ob es das langfristig noch braucht. Wir kommen schon jetzt über viele andere Wege mit Startups in Kontakt. Das werden wir daher zu gegebener Zeit pragmatisch entscheiden.

Bild: DM-drogerie markt GmbH + Co.KG

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