Trends, Innovationen und Digitales aus der Lebensmittelbranche

Was macht den US-Lieferdienst Doordash so erfolgreich?

Drei Monate nach der 400-Millionen-Dollar-Finanzierung hat Doordash weitere 600 Millionen erhalten. Das Modell ähnelt dem von Foodora, läuft aber erfolgreicher.

Mehr als 12,6 Milliarden Dollar ist der knallrote Lieferdienst Doordash seit vergangener Woche wert. In einer neuesten Runde gab es 600 Millionen Dollar für das US-Unternehmen. Erst im Februar steckten Investoren 400 Millionen Dollar in Doordash. Somit summiert sich die Finanzierung auf zwei Milliarden Dollar – gerade einmal sechs Jahre nach der Gründung. 

Das Who is Who der VC-Szene ist an dem Lieferdienst aus dem Y Combinator beteiligt: Softbank, Sequoia, DST Global, Kleiner Perkins und viele mehr. Ähnlich wie Foodora, Ubereats und Deliveroo beschäftigt Doordash eigene Fahrer, die Essen von Partnerrestaurants zu Kunden nach Hause liefern. Doch was macht das US-Unternehmen so attraktiv für Investoren?

  • Bislang ist Doordash in mehr als 800 Städten in den USA und Kanada aktiv, sowohl in Ballungsgebieten als auch ländlicheren Regionen. Zum Vergleich: Ubereats ist weltweit in 600 Städten verfügbar. Im vergangenen Jahr konnte Doordash seinen Umsatz verdreifachen, nachdem es in Kleinstädte und Vororte expandiert ist, so die Financial Times (Paywall). Konkrete Umsatzzahlen nennt die US-Firma allerdings nicht. In den USA habe das Lieferunternehmen nach Grubhub den zweitgrößten Marktanteil, zeigt eine Auswertung.
  • Die Fahrer, sogenannte Dasher, müssen ihre eigenen Fahrzeuge nutzen. Sie können selbst wählen, ob sie mit dem Auto fahren, dem Fahrrad, Scooter oder gar zu Fuß gehen. Das Unternehmen übernimmt zwar die Versicherung bei Unfällen während der Arbeit. Für Reparaturkosten und Benzin kommt Doordash jedoch nicht auf. Ein Punkt weniger auf der Kostenseite. 
  • Doordash bietet seinen Kurieren attraktive Bonuszahlungen und flexible Arbeitszeiten an. Das motiviert mehr US-Amerikaner dazu, bei der Firma zu arbeiten und erhöht das Auftragsvolumen. Foodora kämpft dagegen mit niedrigen Fahrerzahlen und unbesetzten Schichten, und musste aus dem Grund Restaurants zeitweise aus dem Angebot nehmen, wie der ehemalige Deutschlandchef im Interview mit Gründerszene und NGIN Food erzählt hat. Für jeden Auftrag errechnet die Doordash-App einen Mindestlohn. Liegt dieser nach Abschluss der Bestellung inklusive Trinkgeld darunter, zahlt Doordash einen Aufschlag an den Fahrer. Ist der Kurier pünktlich beim Kunden, gibt es ebenso einen Aufschlag. Für weite Strecken in die Randgebiete und zu Stoßzeiten auch. Obendrein gibt es kostenloses Essen und Getränke für die Fahrer. Sie können selbst entscheiden, wann und für wie viele Stunden sie arbeiten wollen. Sie können ihr Liefergebiet frei wählen ihren Lohn auf Wunsch am selben Tag ausgezahlt bekommen.
  • Doordash hat in der Regel keinen Mindestbestellwert, was nutzerfreundlicher ist. Kunden können also auch ein Pastramisandwich für drei Dollar kaufen, ein Vorteil für Einzelpersonen. Hinzu kommen Steuern sowie Liefer- und Servicegebühren. Für ein monatliches Abo von rund zehn Dollar sparen Kunden zudem Liefergebühren ab einem bestimmten Wert, ein weiterer Anreiz häufiger zu bestellen. Außerdem gibt es die Option, Gruppenbestellung aufzugeben. Anstatt mehrere Gerichte über ein Profil zu kaufen, können Doordash-Nutzer eine Gruppe gründen und ihr Essen einzeln auswählen.
  • Doordash behält sich eine Provision von 20 Prozent des Auftragspreises ein und verlangt vergleichsweise hohe Lieferkosten von fünf bis acht Dollar. Die Gebühren variieren je nach Auftragshöhe, Uhrzeit und Strecke.
  • „Unser Wachstum ist nicht auf irgendwelche Rabatte zurückzuführen“, so Doordash-CEO Tony Xu zu Forbes. „Ich glaube, deswegen sind die Investoren seit Anfang 2018 auch immer wieder auf übertriebene Art und Weise auf uns zugekommen.“ Das Unternehmen sei nicht in die Werbeschlacht mit seinen Konkurrenten getreten, sondern habe sich auf sein eigenes Geschäft konzentriert, so der CEO. Lieferdienste geben häufig riesige Summen für Marketing aus, die Doordash auf diese Weise minimieren kann.
  • Und: Vor einem Jahr hat das Unternehmen der Stanford-Alumni Xu, Andy Fang, Stanley Tang und Evan Moore sein Liefergeschäft auf den Einzelhandel ausgeweitet. Seitdem können sich auch Walmart-Kunden ihre Einkäufe von den Doordash-Kurieren liefern lassen. Das Modell lockt mehr Kunden an und bringt durch die höheren Warenkörbe mehr Provisionen ein.
  • Und was sagen die Investoren? „Das schnelle Wachstum hat Doordash von einem ,Falls'-Unternehmen zu einem ,Wenn'-Unternehmen gemacht und wir freuen uns, seine bereits vorhandene Dynamik noch stärker zu beschleunigen“, sagte der Gesellschafter Coatue Management im vergangenen Sommer. „Wir sind beeindruckt vom kontinuierlichen Wachstum und Tonys Leidenschaft dafür, lokale Geschäfte zu unterstützen“, lobte auch DST Global im August. 


Bild: Smith Collection/Gado / Kontributor / Getty Images

Folge NGIN Food auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain