Trends, Innovationen und Digitales aus der Lebensmittelbranche

Das steckt hinter dem plötzlichen Interesse von Drogerien an Food-Startups

Bei dm gibt es jetzt den Babybrei des Schweizer Startups Yamo zu kaufen. Das ist gleich in zweierlei Hinsicht ein großer Schritt für die Food- und Drogeriebranche.

Seit kurzer Zeit gibt es bei der Drogeriekette dm den Babybrei des Schweizer Startups Yamo zu kaufen. In 48 Filialen werden die Gläser, deren Inhalt per Hochdruckbehandlung haltbar gemacht wird, in zehn Geschmacksrichtungen angeboten. Auf den ersten Blick mag diese Neuerung nicht allzu ungewöhnlich wirken. Doch sie steht stellvertretend für zwei entscheidende Entwicklungen in der Food- und der Drogeriebranche.

Der erste Trend macht sich daran fest, dass Yamo ein Startup ist. Denn dass Food-Startups die Attraktivität des Sortiments erhöhen, haben nach den Supermärkten nun auch die Drogerien bemerkt. Zuletzt hatte dm einen eigenen Startup-Wettbewerb ausgelobt. Die Hamburger Kette Budni wiederum ist Partner beim Food Innovation Award in der Hansestadt und versprach dem Gewinner eine Listung in 180 Filialen. 

Der zweite Trend betrifft die Tatsache, dass der Babybrei von Yamo gekühlt wird. Denn mit dem Schweizer Startup nimmt dm zum ersten Mal – abgesehen von zwei Bahnhofsfilialen mit Sonderbedingungen – Lebensmittel ins Sortiment auf, die kühl gehalten werden müssen. Ein großer Schritt, denn die Logistik-Abläufe von dm sind nicht auf die Einhaltung von Kühlketten ausgerichtet. Yamo wird bislang in Kühlpaketen geliefert.

In der Branche wird bereits spekuliert, ob das nur ein Testlauf dafür ist, dass dm künftig noch mehr frische Food-Produkte ins Sortiment aufnimmt. Auch die Drogerien Rossmann und Müller führen bislang nur Lebensmittel, die nicht gekühlt werden müssen und lange haltbar sind.

Babybrei – die ultimative Herausforderung für Food-Startups

Wollen Unternehmen Babybrei oder Frucht-Quetschies herstellen, müssen sie einen Berg von Richtlinien beachten. Gerade für Startups eine immense Herausforderung.

Beide Trends passen gut zusammen. Seit Jahren liegt der Drogerie-Anteil des Umsatzes des Lebensmitteleinzelhandels zwischen acht und neun Prozent. Werden die Drogerien in Zukunft zu kleinen Supermärkten?

Dm wiegelt ab. „Wir sind kein Supermarkt und wollen unser Profil nicht verwässern“, sagte Sebastian Bayer, dm-Geschäftsführer für Marketing und Beschaffung der Lebensmittelzeitung. Trotzdem müsse man situativ auf Kundenbedürfnisse reagieren. Und genau zu diesen Bedürfnissen scheinen Startups sehr gut zu passen. Denn gerade junge Food-Gründer richten häufig den Fokus auf gesunde Ernährung und Nachhaltigkeit. Das wiederum passt auch gut zu dm, das sich gern als gesunder Konterpart zu Rossmann gibt, wo man auch Zigaretten und Schokolade von Ferrero findet.

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Doch so mancher wittert hinter dms Lust auf Startups eine andere Strategie. Hinter vorgehaltener Hand hört man mitunter, so ein Startup-Wettbewerb sei ja auch eine hervorragende Chance, neue Produktideen kennenzulernen, die man dann als Eigenmarke umsetzen kann. Bisher sind derlei Machenschaften allerdings nie öffentlich bekannt geworden

Zudem befeuert die geplante Expansion von Budni den Wettbewerb. Das Unternehmen will in Kooperation mit Edeka 50 neue Läden pro Jahr eröffnen. Bei den Hamburgern ist es schon lang an der Tagesordnung, dass gekühlte Lebensmittel wie Eier und Milch oder auch Tiefkühlkost von Alnatura angeboten werden. So werden immer mehr Kunden daran gewöhnt, dass es bei der Drogerie auch Lebensmittel gibt. Es wäre nur folgerichtig, wenn dm hier nachziehen wollte.
 

Bild: Getty Images / Michele Tantussi / Stringer

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