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Warum Delivery Hero sein Indien-Geschäft verkauft, um dort Fuß zu fassen

Der Essenslieferdienst verkauft Foodpanda Indien an den Mobilitätsdienst Ola. Im Gegenzug erhält Delivery Hero Anteile an dem Unternehmen. Was bringt der Deal?

Blickt man auf die Zahlen des dritten Quartals 2017, ist Delivery Hero auf Wachstumskurs. In allen Teilen der Welt stieg der Umsatz zuletzt an. So auch in Asien, hier wurde allein zwischen Juli und September ein Plus von 47 Prozent verzeichnet. Indien trug in den ersten neun Monaten mit 1,9 Prozent zum Gesamtergebnis bei – angesichts der Bevölkerungszahl von über 1,3 Milliarden ein kleiner Anteil. Auch wenn Essenslieferungen für große Teile der Bevölkerung zu teuer sein dürften, machen die Zahlen doch deutlich, dass der indische Markt für Delivery Hero zwar ein riesiges Potential bietet, aber noch nicht gut erschlossen ist. Mit einem Deal will das Rocket-Startup das nun ändern.

Wie heute bekannt wurde, stößt Delivery Hero sein Indien-Geschäft ab. Das Unternehmen verkauft Foodpanda Indien an den Mobilitätsdienst Ola. Im Gegenzug erhält Delivery Hero allerdings kein Geld, sondern Anteile an Ola, das sich gleichzeitig verpflichtet, 200 Millionen Dollar in Foodpanda Indien zu investieren. Über weitere Details zum Verkauf wurde nichts bekannt. Am Ende des Deals steht in jedem Falle ein Investment in den indischen Markt für Essenslieferungen – den Delivery Hero nun nicht mehr hauptamtlich koordinieren muss, aber dennoch daran beteiligt ist.

Ola ist nach eigenen Angaben die populärste Mobilitätsplattform Indiens. Vereinfacht könnte man sagen, es ist das indische Uber. Über die Ola-App können Nutzer nach Unternehmensangaben in 110 Städten mehr als 800.000 Fahrzeuge buchen. Das Unternehmen wurde 2011 von den Absolventen der Universität IIT-Bombay Bhavish Aggarwal und Ankit Bhati gegründet. Inzwischen beschäftigt Ola Berichten zufolge in Indien 100.000 Fahrer mehr als Uber und ist auf dem Subkontinent in vier Mal so vielen Städten verfügbar als der US-amerikanische Konkurrent. 2016 sammelten die Ola-Gründer in Finanzierungsrunden rund 800 Millionen Euro ein, in diesem Jahr soll eine ähnliche Summe hinzugekommen sein.

Die neue Kooperation ergibt für Delivery Hero durchaus Sinn. Denn der indische Markt gilt als schwierig. Allein die Tatsache, dass Kreditkarten-Zahlungen in Indien nicht an der Tagesordnung sind, stellt ausländische Startups häufig vor Probleme. Dass Ola von Anfang an Barzahlung anbot, ist wohl ein Grund, weshalb es Uber überflügeln konnte.

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Mit seinem Netzwerk an Fahrern verfügt Ola über eine Infrastruktur, die aufzubauen Delivery Hero wohl viel Geld und Zeit gekostet hätte. Ähnlich wie Uber mit dem Angebot Uber Eats damit experimentiert, Mahlzeiten von seinen Fahrern zu den Kunden bringen zu lassen, könnte Ola in Indien neben dem Personentransport auch Essenslieferungen übernehmen. 

Niklas Östberg, CEO von Delivery Hero, nannte es mit Blick auf das Geschäft mit Ola „strategisch sinnvoll, mit führenden lokalen Akteuren zu kooperieren“. Ola-CEO Bhavish Aggarwal betont in der Pressemitteilung die „einzigartigen lokalen Kenntnisse“ seines Unternehmens. Delivery Hero hatte Foodpanda 2016 von Rocket Internet gekauft. Laut dem Unternehmen gehört der aktuelle Deal zur Unternehmensstrategie, „Führungspositionen auszubauen und Märkte zu konsolidieren“.

Bild: AFP Contributor / Contributor

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