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Wie die Startups Besserfleisch und Kaufnekuh Crowdbutchering etablieren

„Die Direktvermarktung ist bisher ein sehr standortbezogenes Geschäft. Wessen Betrieb nicht in bevölkerungsreichen Regionen liegt, hat es oft schwer“, erklärt Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Verbands. Dazu kommen strenge Hygienevorschriften bei der Schlachtung. Die Kosten würden sich vor allem für große Betriebe rechnen – für kleine lohne es sich kaum.

So ist aktuell die Zahl der Direktvermarkter unter den Bauern eher überschaubar. Nur knapp 15.000 bis 20.000 von 275.000 Betrieben suchen laut Bauernverband den direkten Draht zum Kunden. In den vergangenen Jahren stagnierte der Verkauf über diesen Vertriebskanal – auf Wochenmärkten ging der Umsatz sogar leicht zurück, von 1,5 auf 1,4 Milliarden Euro.

Als Hoffnungsträger sieht man nun auch den Absatzkanal Internet, von dem auch abgelegenere Bauern profitieren könnten. Zudem hofft man auf einen größeren Einstieg von Amazon in das deutsche Lebensmittelgeschäft, um nicht nur von den Big Four abhängig zu sein – Deutschlands größten Lebensmittelketten.

Rasantes Wachstum bei den Portalen

Noch müssen sich aber Besserfleisch und Kaufnekuh nicht mit dem Onlinehändler messen und wachsen weiter. Teilweise schneller, als es den Portalen lieb ist: „Wenn wir ein Rind auf unsere Seite stellen, ist es teilweise in weniger als drei Stunden komplett verkauft“, erklärt Brian Lettkemann von Besserfleisch. Noch mehr Rinder könne man aber gar nicht zum Verkauf anbieten. Denn dafür gibt es wiederum zu wenige Bauern.

„Wir wollen pro Hof pro Monat eigentlich nur zwei Rinder abnehmen. Sonst ist das aus unserer Sicht nicht nachhaltig.“ Mehr Tiere können die kleinen Betriebe meist sowieso nicht abgeben. Bauer Olaf Tretow hält zum Beispiel Galloway-Rinder, die knapp drei Jahre aufwachsen, bis sie geschlachtet werden. Also braucht er auch eine gewisse Vorlaufzeit, um entsprechende Mengen zu halten.

Doch Besserfleisch und Kaufnekuh wollen ihre Bauern gar nicht zu einer Massentierhaltung bringen, sondern vor allem einen fairen Betrag für ihre Rinder bezahlen und so eine nachhaltige Landwirtschaft unterstützen.

Crowdbutcher wollen eine Alternative zu Großschlachtereien bieten.

Crowdbutcher wollen eine Alternative zu Großschlachtereien bieten.

Also müssen die Start-ups weiter regional wachsen und neue Schlachtbetriebe finden und dann Bauern aufnehmen. Per Facebook-Anzeige suchte Kaufnekuh im Dezember bereits Metzger für den eigenen Partnerschlachtbetrieb bei Überlingen am Bodensee. „Von 2016 zu 2017 haben wir unseren Umsatz verdoppelt“, sagt Dorit Sonnert zur Entwicklung von Kaufnekuh.

Auch andere Fleischsorten kommen dazu

Vor allem nach Medienberichten kann das Unternehmen die Nachfrage durch die Nutzer nicht mehr befriedigen. Mittlerweile hat man nun einen neuen Schlachtbetrieb im fränkischen Aub eröffnet. In der Region nimmt man jetzt weitere Bauern auf, um das Angebot zu vergrößern. Bisher arbeitet man mit 30 Betrieben zusammen.

Und auch der kleinere Konkurrent Besserfleisch handelt: „Wir wollen nachhaltig wachsen und denken gleichzeitig auch über neue Fleischsorten nach, die wir ins Programm aufnehmen können“, so Brian Lettkemann. Vor Kurzem ist das mit einem Lämmerhof bereits geschehen, und man ist im Gespräch mit Höfen, die Schweine in Freilandhaltung aufziehen.

Schweine und Gänse gibt es bei Kaufnekuh.de schon länger. Die Seite, die eigentlich aus den Niederlanden kommt, hat in seinem Heimatmarkt sogar bereits Puten und Ziegen im Angebot. „Wir spüren, dass die Menschen immer mehr wissen wollen, wo ihr Fleisch herkommt“, erklärt Dorit Sonnert den Trend. Und dieser Markt werde noch weiter wachsen. Das liege auch daran, dass das Bewusstsein für gute Lebensmittel in Deutschland im europäischen Vergleich geringer ist. Noch würden die Verbraucher zuallererst auf den Preis achten. Doch das ändere sich nach und nach. Auch das ist ein Ziel der neuen Fleisch-Start-ups.

Dieser Text erschien zuerst auf Welt.de.

Bilder: Getty Images / Frank Bienewald / Contributor (Oben), JEAN-SEBASTIEN EVRARD / Stringer (unten)

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