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Wie Donald Trump die deutschen Brauereien glücklich macht

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Gedacht ist sie dabei vor allem für die kleinen Brauereien – aber auch für Destillerien und Weinkeller. Denn nicht nur die Biersteuer sinkt. Im Fall harter Spirituosen beträgt der Steuerrabatt sogar 80 Prozent, bei Wein sind es immerhin noch 40 Prozent. 4,2 Milliarden Dollar werden dem amerikanischen Staat in dieser Zeit entgehen, wie der entsprechende Kongressausschuss errechnet hat, der sich mit dem Thema Steuern befasst. Den Bezug zum Mittelstand soll dabei die Mengenbegrenzung herstellen, schließlich betrifft die Reduzierung nicht alles, was an Bier, Wein und hartem Alkohol produziert wird, sondern nur die ersten Fässer.

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Tatsächlich aber, sagt Ökonom Looney von Brookings Institution, gewinnen vornehmlich die großen Hersteller. Denn das neue Gesetz macht es ihnen leichter als bisher, Getränke unter dem Schlagwort „craft“ zu verkaufen, also als irgendwie handgemacht – und auf diese Weise in den Genuss der hochprozentigen Steuersenkung zu kommen. Es genüge zum Beispiel, einen Geschmack hinzuzufügen. Und wer es ganz simpel wolle, brauche den Alkohol einfach nur altern zu lassen. „Es stimmt nicht, dass das neue Gesetz zuerst den kleinen Brauereien hilft“, glaubt Looney. „Im Gegenteil, es beschert ihnen einen Wettbewerbsnachteil.“

„Eine Frage von Tradition und des Selbstbilds“

Profitieren kann indes Jägermeister. Für den Schnapsproduzenten aus dem niedersächsischen Wolfenbüttel sind die USA vor Deutschland und Großbritannien der wichtigste Absatzmarkt. 2016 wurden in Amerika allein 22,4 der weltweit 91,4 Millionen verkauften Flaschen abgesetzt.

Als Treiber des Erfolgs erweisen sich dabei zum einen die Jägerettes, wie die Armada der Promotion-Leute genannt wird, die durch die Kneipen ziehen und dort unter anderem T-Shirts und Mützen verschenken. Zum anderen steht Jägermeister nicht im Schnapsregal hinter oder gar unter der Theke, sondern gut sichtbar auf dem Tresen. Denn das Unternehmen hat Bars mit Zapfmaschinen ausgestattet, deren Durchlaufkühler das Getränk auf minus 18 Grad runterkühlt.

Doch trotz der großen Bedeutung des US-Markts – eine Produktion vor Ort ist nach Aussage eines Sprechers nicht geplant. „Das ist eine Frage von Tradition und Selbstbild.“ Und nicht zuletzt auch des Marketings. „Wir können mit unserer deutschen Herkunft werben“, erklärt der Sprecher. Und das beinhaltet nicht nur die Kennzeichnung „Made in Germany“. In der aktuellen Werbekampagne in den USA kommen tatsächlich auch deutsche Begriffe vor, etwa bei „Be the Meister“ oder „Drink it eiskühl“.

Auch die Winzer hoffen auf die US-Trinker

Wichtig ist Herkunft aber auch für die deutschen Winzer. Auch sie genießen einen guten Ruf in Amerika, vor allem beim Riesling. 190.000 Hektoliter Wein für umgerechnet 80 Millionen Euro wurden zwischen November 2016 und Oktober 2017 in die USA exportiert, meldet das Deutschen Weininstitut. Das entspricht allein einem Viertel des Exportumsatzes.

Riesling dominiert dabei das deutsche Sortiment in Restaurants und Handel in Amerika. „Mittlerweile werden dort aber auch unsere Burgundersorten entdeckt, angefangen bei Weißburgunder über Grauburgunder bis hin zum Spätburgunder“, sagt Ernst Büscher vom Weininstitut. Von der Steuerreform erhofft er sich nun einen zusätzlichen Effekt, zumal die USA auch finanziell spannend sind für die deutschen Winzer. Immerhin beträgt der durchschnittliche Literpreis dort 4,22 Euro.

Zum Vergleich: Das Mittel für alle Exportmärkte liegt bei gerade mal 2,90 Euro. Die Branche wäre dementsprechend froh, wenn sich die Exporte in die USA noch mal ausweiten. „Jede Steuersenkung wirkt sich positiv auf den Markt aus“, hofft Büscher nun. Ein Problem aber gibt es: Die Ernte war 2017 vergleichsweise klein. „Hoffentlich haben wir überhaupt genug Menge.“

Dieser Text erschien zuerst auf welt.de.

Bilder: Getty Images / Matt Cardy, Stringer (oben) / Scott Olson, Staff (im Text)

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