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Kalter Kaffee kommt nicht aus der Nische

Vor drei Jahren brachten erste deutsche Startups Cold Brew auf den Markt. Da verdienten US-Firmen längst Millionen mit dem kalten Kaffee. Woran hapert es hierzulande?

Kaffee ist zur neuen Kunst geworden, und Cold Brew eine Gattung für sich. Das Kaffeegetränk wird nicht aufgebrüht, das Pulver zieht üblicherweise mehrere Stunden in kaltem Wasser, je nach Rezept mal acht oder gar 24 Stunden. Danach wird das Konzentrat gefiltert und abgefüllt. In den USA verdienen Startups damit Millionen. Das texanische Unternehmen Chameleon Cold Brew setzte 2015 beispielsweise rund 8,3 Millionen Euro um, 2017 wurde es für eine unbekannte Summe von Nestlé aufgekauft. In Deutschland stehen Cold-Brew-Hersteller hingegen noch ganz am Anfang. Vom Millionenumsatz sind junge Unternehmen wie Karacho oder Philosoffee weit entfernt.

„Cold Brew ist eine Nische. Das braucht in Deutschland noch mindestens zwei Jahre“, sagt Philosoffee-Mitgründer Benjamin Thies im Gespräch mit Gründerszene und NGIN Food. Ähnlich sehen es seine Konkurrenten von Karacho, Lycka und Motel. Das Berliner Startup Philosoffee ist seit Mitte 2017 auf dem Markt, verkauft seine Flaschen in rund 400 Bio-Supermärkten und 200 Cafés für etwa drei Euro. Im vergangenen Jahr setzten Thies und sein Team einen niedrigen sechsstelligen Betrag um. Für 2019 habe sich Philosoffee ein hohes Ziel gesetzt und wolle eine knappe Million Euro anpeilen.

„Es läuft zu gut, um nicht weiterzumachen“

Während Philosoffee und das Berliner Nitro-Coffee-Startup Motel ihren Fokus vermehrt auf die Gastronomie setzen, sieht Karacho seine Kunden vor allem im Einzelhandel. Die Aschaffenburger sind vor drei Jahren gestartet, verkaufen ihren kalten Kaffee in 1.900 DM-Filialen und bei Rossmann, wie Gründer Jonas Braun erzählt. Seit der Gründung 2016 habe sein Startup mehr als eine Million Dosen verkauft. Eine kostet rund zwei Euro. Wie viel Karacho konkret eingenommen hat, will der CEO aber nicht verraten.

Das Social-Startup Lycka hat seinen Cold Brew erst im vergangenen März eingeführt. Neben Kaffee verkaufen die Hamburger noch Eis und Powerriegel. 2018 hat Lycka nach eigenen Angaben allein mit dem Eiskaffee einen mittleren sechsstelligen Umsatz geschrieben. Die Kategorie mache zwar nur etwa zehn Prozent des Gesamtumsatzes aus, sagt Lycka-Gründer Felix Leonhardt gegenüber Gründerszene und NGIN Food. Doch: „Es läuft zu gut, um nicht weiterzumachen.“

Auch wenn das Geschäft der Cold-Brew-Startups wächst, erfolgreich könne kalter Kaffee auf lange Sicht nicht werden, sagen die Onlinehändler Coffee Circle und Roast Market. Das Berliner Unternehmen Coffee Circle vertreibt seit 2011 Kaffee und Zubehör über seinen Onlineshop. Chef Martin Elwert ist sich sicher: „Ich kenne keine Marke, die sowohl einen starken Fokus auf Qualität als auch die finanzielle Macht hat, um ihren Cold Brew in die deutschen Supermärkte zu bringen.“ Er glaubt, dass Händler vor allem Produkte von bekannten Konzernen wie Tchibo und Melitta ins Regal stellen. „Die einzige Möglichkeit, die ich sehe, ist der Weg in die Gastronomie“, schreibt er weiter. 

Allein auf die Gastronomie als Absatzkanal würde Karacho-Gründer Braun hingegen nicht vertrauen. Cafés würden oftmals ihren eigenen Cold Brew ansetzen und keine Produkte von Startups anbieten, meint der Gründer. Das glaubt auch Boris Häfele, CEO des Kaffee-Onlineshops Roast Market. Jeder Kaffeeröster produziere seinen eigenen kalten Kaffee. Häfele sieht in Cold Brew daher kein Alleinstellungsmerkmal, Startups sollten lieber mehr Produkte im Sortiment haben als nur kalten Kaffee.

Lycka-Gründer Leonhardt glaubt einen anderen Grund dafür zu kennen, warum es das Getränk nicht aus der Nische schafft: „Ich glaube, dass die Deutschen kalten Kaffee bisher nicht verstanden haben.“ Philosoffee-Mitgründer Thies sagt: „Cold Brew ist für den deutschen Markt zu teuer.“ Zumal werde der kalte Kaffee eher in Großstädten getrunken, der Trend sei nicht flächendeckend.

Um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, haben die Berliner Philosoffee zwei neue Projekte angestoßen: einen Cold-Brew-Shot in Kooperation mit Jägermeister für die Gastronomie – ähnlich der Jägerbomb – und einen Kaffee mit dem trendigen Hanfwirkstoff CBD. Der CBD-Cold-Brew soll im April erscheinen und bis zu 15 Milligramm des Cannabinoids enthalten. Auch diese Zutat ist ähnlich wie Cold Brew in den USA längst ein Hype, steckt in Deutschland aber noch in den Kinderschuhen.

Diese Startups setzen auf kalten Kaffee

Wer schwarzen kalten Kaffee trinkt, wurde früher eher skeptisch beäugt. Doch Cold Brew ist salonfähig geworden. Auch Startups haben das erkannt.


Bild: Matelly / Getty Images

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