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Aus Kaffeesatz können Pilze und Startups erwachsen

Das Startup Chidos nutzt Kaffeesatz als Nährboden für Speisepilze. Die Fungi werden als Zucht-Sets verkauft – so soll jeder eigene Ernte einfahren können.

Pro Jahr bleiben in Deutschland 20 Millionen Tonnen Kaffeesatz übrig. Ein Berliner Unternehmen rettet einen Teil davon vor der Mülltonne: Bei Chidos wird Kaffeesatz als Nährboden für Pilze genutzt. Das Startup züchtet darauf Austernpilze und Saitlinge vor, die Kunden anschließend im Onlineshop erwerben und zuhause weiter wachsen lassen können.

Anne-Kathrin Kuhlemann gründete ihr Pilzzucht-Startup 2010. Sie habe damals nach nachhaltigen Geschäftsideen gesucht und sei dabei auf die alternative Nutzung von Kaffeesatz gestoßen, so die Unternehmerin. Anfangs bauten sie und ihr Team die Kaffeeboden-Pilze an, um sie an Gastronomiebetriebe in der Umgebung zu verkaufen. Als Gewächshaus diente damals ein Keller. „Das haben wir vor vier Jahren eingestellt, weil wir für die große Nachfrage zu klein waren“, erzählt Kuhlemann. Seitdem hat sie sich auf die Pilzzucht-Sets für Zuhause fokussiert. Inzwischen ist Chidos für sie ein Fulltime-Job.

Gründerin Anne-Kathrin Kuhlemann

Gründerin Anne-Kathrin Kuhlemann

Jeden Tag holt das Chidos-Team 50 bis 100 Kilogramm Kaffeesatz von einem Berliner Krankenhaus ab. Danach muss es schnell gehen: Der Kaffeesatz soll möglichst frisch sein, wenn er mit den Pilzsamen gemischt wird. In einen Plastiksack gefüllt muss die Kaffeemasse anschließend einen Monat im Keller stehen – in dieser Zeit beginnen die Samen zu sprießen. Dieser mit vorgezüchteten Pilzen durchzogene Kaffeesatz kommt im Ein-Kilo-Format beim Kunden an. 

Auf einem Kilo Kaffeesatz wächst ein halbes Kilo Edelpilze

Über den Umsatz möchte die Gründerin nichts verraten, sie sagt aber, die Nachfrage nach den Pilzen für den Heimanbau sei hoch: „Die meisten wissen zu wenig über Pilze, als dass sie sie im Wald sammeln könnten“, sagt Kuhlemann. Mit Chidos solle jedem die Möglichkeit gegeben werden, frische Fungi selbst zu ernten. Für den Anbau braucht man weder Vorwissen noch einen grünen Daumen. Das Paket mit den vorgezüchteten Pilzen müsse zuhause lediglich geöffnet und mit Wasser besprüht werden, nach sieben bis zehn Tagen könne man mit einer Ernte von bis zu 500 Gramm rechnen, so Kuhlemann. Rund zehn Euro kostet eine Austerpilz-Zucht, Rosa- oder Limonensaitlinge sind mit 13 Euro etwas teurer. Ihren Nährboden soll man den Pilzen übrigens nicht anmerken: Sie sollen weder nach Kaffee schmecken noch Koffein enthalten.

Blaue Ökonomie: Aus Abfall wird ein neues Produkt

Die Verwendung von Kaffeesatz für den Pilzanbau basiert auf dem Blue Economy-Prinzip: Dabei soll, ähnlich wie beim Upcycling, der Abfall eines Produktes die Grundlage eines neuen Produktes sein. Zwar wachsen Pilze auch auf anderen organischen Abfällen, Kaffeesatz stelle aber eine besonders gute Grundlage für Edelpilze dar, heißt es auf der Chidos-Website. Davon profitiert nicht nur das Berliner Startup. In Rotterdam etwa haben zwei junge Unternehmer einen verlassenen Wasserpark gekauft und zu einem Riesen-Gewächshaus für Kaffeesatz-Pilze umfunktioniert, die sie an Restaurants verkaufen.

Bild: Chidos / Bild im Text: Bestimmte Rechte vorbehalten von boellstiftung

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