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Nach Startup Nummer vier: „Gründen ist wie Dating“

Nachdem sie mehrere Projekte einstellen musste, startete Chanyu Xu im Sommer 2017 ihr viertes Unternehmen Ono Labs – für eine sehr spezielle Zielgruppe.

Chanyu Xu ist in ihrer Gründerkarriere oft gescheitert. Nach drei Pleiten wagte sie sich dennoch an ein neues Projekt. Im Sommer 2017 baute sie gemeinsam mit der Unternehmerin Ramona Milcheva das Startup Ono Labs aus dem Company Builder Rheingau Founders heraus auf. Der Seedinvestor hält 45 Prozent an dem Berliner Startup, Chanyu Xu 47 Prozent. Ono Labs produziert Kapseln mit pulverisiertem Gemüse und Pflanzen, die auf Frauen mit Kinderwunsch, während der Schwangerschaft und der Stillzeit abzielen. Das Unternehmen stellt seine Nahrungsergänzungsmittel ausschließlich in Deutschland her und verkauft die Produkte über den eigenen Onlineshop und in Apotheken.  

Im Interview mit Gründerszene und NGIN Food spricht die 31-Jährige über ihr neuestes Unternehmen, ihre gescheiterten Startups und die Gründerinnen-Szene.

 

Xu, du hast jahrelang Foodtech-Startups geführt und mit Ono Labs jetzt eine ganz andere Food-Richtung eingeschlagen. Warum?

Für mich ist es eigentlich gar keine neue Richtung, sondern wir haben uns mit Ono Labs jetzt dem Thema Frauengesundheit verschrieben. Im Lieferservice hat es mir immer in der Seele wehgetan, wenn ich gesehen habe, wie viel Essen dort weggeschmissen wird. Ich wollte gern im Food-Bereich bleiben, aber Produkte entwickeln, die länger haltbar sind. Von daher kam nur alles in Frage, was nicht leicht verderblich ist.

Eure Nahrungsergänzungsmittel sprechen nur eine kleine Zielgruppe an. Hindert das das Wachstum von Ono Labs?

Das kann man so oder so sehen. Wir sprechen immerhin die Hälfte der Weltbevölkerung an. Keine Frau würde sich mit schwangerschaftsrelevanten Themen beschäftigen, wenn sie nicht plant, ein Kind zu bekommen. Von daher sind es im Marketing und Targeting klare Aussagen für eine klare Zielgruppe. Das sehen wir als Vorteil. Unsere Produkte decken ungefähr zwei Jahre im Leben einer Frau ab: Vom Kinderwunsch bis nach der Stillzeit.

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Schränkt euch dieser Zeitraum nicht weiter ein?

Wir entwickeln für 2019 weiterführende Produkte, die Frauen nach der Stillzeit und im Alltag nehmen können. Das soll auch das Ziel von Ono Labs sein: Produkte, die gesundheitsrelevant sind und Frauen über verschiedene Lebensphasen hinweg begleiten.

Wie schwierig ist es, mit einem reinen Frauenprodukt Investoren anzusprechen?

Das Thema wird zwar von Frauen und Männern unterschiedlich verstanden, aber: Viele VCs und Investoren sind bereits oder werden Vater und können sich daher sehr gut in Frauen hineinversetzen. Auch wenn sie nicht zur Zielgruppe gehören, haben sie es miterlebt. Außerdem hat jeder von uns eine Mutter.

Nach einem erfolgreichen Exit ihres ersten Unternehmens Customer Alliance launchte Chanyu Xu 2013 gemeinsam mit Tobias Köpcken den Essenslieferdienst EatÜber, der eineinhalb Jahre später wieder eingestellt wurde. Über ein Jahr lang versuchte die Berlinerin dann Rockets Lieferservice EatFirst in Deutschland aufzubauen, musste aber auch das Projekt aufgeben. Im September 2015 gründete Chanyu Xu gemeinsam mit dem ehemaligen StudiVZ-CEO Clemens Riedl und Jochen Wolf das Kochboxen-Startup Eating With The Chefs, das nach monatelangen Turbulenzen Anfang 2018 ebenfalls aufgelöst wurde.

Was hast du aus deinen Erfahrungen aus EatÜber, EatFirst und Eating With The Chefs für Ono Labs mitnehmen können?

Keine Gerichte verkaufen, die warmgehalten oder gekühlt werden müssen. (lacht) Die Lebensmittelbranche ist überall auf der Welt eine sehr große Herausforderung. In Deutschland vielleicht noch ein bisschen mehr. Berlin ist auf logistischem Level eine große Herausforderung, weil die Stadt sehr großflächig und nicht so dicht besiedelt ist wie London beispielsweise. Bei Eating With The Chefs war die größte Schwierigkeit die Produktion. Das ist auch eines der Learnings für Ono Labs. Ich wollte bewusst in einen Bereich gehen, in dem es gute Industriepartner gibt, die die Produktion auch mitverantwortlich übernehmen können.

Du hast über Rheingau Founders nach einem Co-Founder gesucht und so auch deine Mitgründerin Ramona Milcheva kennengelernt. Hättest du auch einen männlichen Mitgründer genommen?

Es waren auch männliche Kandidaten in der engeren Auswahl. Im Endeffekt ist Gründen etwas sehr Persönliches. Mir ist es immer sehr wichtig, jemanden an meiner Seite zu haben, mit der oder dem ich mich privat verstehe, und dass es eine persönliche Wellenlänge gibt. Am Ende zählt auch das Bauchgefühl. Das ist wie Dating.

Du hast vorher ausschließlich mit Männern gegründet, jetzt mit einer Frau. Welche Unterschiede hast du da erlebt?

Es gibt keine gravierenden Unterschiede, das wäre ja auch schlimm. Ich als einzige Frau in einem Dreiergründungsteam ist bis jetzt genauso gut gelaufen wie in einem rein weiblichen Gründungsteam. Ich glaube, der Hauptunterschied ist der zwischenmenschliche Umgang miteinander. Wichtig ist eine enge Abstimmung und die Vertrauensbasis. Das ist meiner Erfahrung nach unabhängig vom Geschlecht.

 

Wie wird man vom Model zur Gründerin, Sara Nuru?

2009 war sie Heidis Mädchen. Heute macht Sara Nuru ihr eigenes Ding und ist Unternehmerin. Mit Mode hat ihr Startup nichts zu tun.

Du hast vor rund zehn Jahren dein erstes Startup Customer Alliance gegründet. Wie hat sich seitdem die Wahrnehmung gegenüber Gründerinnen verändert?

Einige VCs sind in der Vergangenheit schon auf mich zugekommen und wollten wissen, wie sie mehr Frauen nicht nur auf Gründerinnen-Level, sondern auch auf VC-Level bringen können. Ich glaube, da gibt es kein Erfolgsrezept. In den vergangenen Jahren hat sich das Gründerinnen-Level massiv geändert und ich finde es toll, dass auch mehr Frauen den Schritt ins Unternehmertum wagen – sei es mit einem Restaurant oder eben im Tech-Startup Bereich. Aber auf Veranstaltungen werden leider immer noch selten die weiblichen Erfolgsgeschichten erzählt.

Woran liegt das deiner Meinung nach?

Ich glaube, das liegt an der Einstellung. Das sehen wir auch: Wir schreiben Führungspositionen aus und kriegen Bewerbungen von Männern, auch wenn sie ein oder zwei Voraussetzungen nicht ganz erfüllen. Männer schicken das einfach kommentarlos ab. Wenn eine Frau die Anforderungen nicht ganz erfüllt, zweifelt sie meistens, ob sie für die Position geeignet ist, und überlegt, ob sie sich überhaupt bewerben soll.

Welche Tipps hast du: Wie können sich Gründerinnen in der Startup-Szene durchsetzen?

Sei authentisch und verkaufe nichts, wofür du nicht brennst. Hör‘ auf dein Bauchgefühl, vertraue dir selbst, deiner Intuition und zeige es nach außen. Lass dich nicht verunsichern, denn Fehler passieren und sind zum Glück geschlechtsneutral.

Mehr über ihre Gründerkarriere erzählt Chanyu Xu am 25. August 2018 auf dem Female Future Force Day.

Bild: Ono Labs

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