Trends, Innovationen und Digitales aus der Lebensmittelbranche

Wie KI gegen Lebensmittelverschwendung helfen kann

Marktleiter hätten damit deutlich weniger zu tun.

Was wir bei unseren Kunden beobachten, ist, dass sich Aufgaben nur verschieben. Niemand wird entlassen, im Gegenteil. Viele Kunde haben Fragen, zum Beispiel, wo sie die Kekse finden, die sie in der Werbebroschüre gesehen haben, finden aber keinen Ansprechpartner, weil die Laden-Mitarbeiter häufig in ihren Büros beschäftigt sind oder zwischen Einräumen und Kasse hin und her hetzen. Zumindest die Arbeit des Abschätzens, wie viel Ware benötigt wird, können wir den Mitarbeitern abnehmen.

Das haben Sie so in der Realität schon beobachten können?

Ja, bei einem unserer Kunden aus England, der Supermarktkette Morrisons. Das Unternehmen ist börsennotiert und muss daher alle Vierteljahre an die Öffentlichkeit berichten. Wir haben gesehen, dass die Kundenzufriedenheit deutlich gestiegen ist, dadurch, dass die Mitarbeiter in den Filialen mehr Zeit für die Betreuung der Kunden hatten. Auch die Mitarbeiterzufriedenheit hat sich verbessert, weil ihnen die Automatisierung komplizierte Aufgaben abgenommen hat. Am Ende des Tages möchte sich jeder, der etwas verkauft, besser auf den Kunden konzentrieren können.

Wie viel wissen Sie über die Verbraucher?

Wenn es keine personalisierten Kundendaten gibt, also etwa über eine Rabattkarte, dann wissen wir über den Kunden gar nichts. Wir können nur gewisse Rückschlüsse auf Kundengruppen ziehen.

Supermärkte gibt es nicht erst seit gestern. Wieso ist Künstliche Intelligenz hier noch nicht Alltag?

Der Prozess ist immer noch verbesserungswürdig. Für nicht-frische Lebensmittel haben die Verantwortlichen bereits in der Vergangenheit brauchbare regelbasierte Technologien einsetzen können, die aber jetzt an ihre Grenzen gekommen sind. Für die frischen Lebensmittel gibt es nach wie vor nur manuelle Lösungen. Das hat sich in den vergangenen 20 Jahren tatsächlich nicht geändert. Bis jetzt, denn nun tritt im stationären Handel tatsächlich eine radikale Veränderung ein. 

Sie verkaufen Ihre Software derzeit an europäische und nordamerikanische Kunden. Denken Sie in Sachen Kundenzuwachs schon weiter, zum Beispiel in Richtung Asien?

Nein. Wir sind in Europa und den USA präsent, wo wir im vergangenen Jahr die ersten Kunden gewonnen haben – ein Erfolg, den wir in diesem Jahr ausbauen wollen, da wir mit den größten Händlern des Landes in Gesprächen stehen. Vielleicht schauen wir uns Asien in 2019 oder 2020 an.

Inwiefern unterscheiden sich die Märkte in Deutschland und den USA?

Die Amerikaner entscheiden schneller und risikofreudiger, wenn es um den Einsatz neuer Technologien geht. Dennoch haben die Amerikaner im stationären Lebensmittelbereich insgesamt weniger in Technologien investiert als die Deutschen. Sie versuchen dies nachzuholen, indem sie mit Entscheidungsfreude auf den Technologie-Zug aufspringen. Erst Ende des vergangenen Jahres war eine Delegation von einem der drei größten Händler der USA bei uns in Karlsruhe zu Gast, um sich Projekte mit uns anzuschauen. 

Sie arbeiten in Europa bereits mit vielen großen Ketten wie Kaufland zusammen. Welche Ziele hat sich Blue Yonder für dieses Jahr gesteckt?

Wir werden ein bis zwei neue Produkte einführen und die Internationalisierung vorantreiben.

Was sind das für Produkte?

Wir werden Blue Yonder um Produkte im Supply-Chain- und im Warenversorgungsbereich erweitern, damit wir tiefer in Richtung der tatsächlichen Produktion und Warenverteilung über die Verteilzentren vordringen können. Wir wollen für unsere Kunden Absatz, Distribution und Produktion optimieren: Also, was wird in den nächsten drei, zehn, 14 Tagen gebraucht? Hersteller sollen noch besser planen können, um nicht am Bedarf vorbei zu produzieren oder zu wenig oder zu viel zu liefern. Wir haben in diesem Bereich viel investiert und sehen das jetzt an unseren Wachstums- und Nachfragezahlen: Das letzte Quartal 2017 war das erfolgreichste der Unternehmensgeschichte. Eingekauft wird zum Glück immer.

Bild: Getty Images / Denise Taylor

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