Trends, Innovationen und Digitales aus der Lebensmittelbranche

Ein Startup aus San Francisco will Dich zum Übermenschen machen

Ein neues Getränk soll Sportler besonders leistungsstark machen. Der Gründer glaubt, er könne mit Biohacking Menschen verbessern. Aber stimmt das auch?

Die seltsamsten Essenstrends werden im Silicon Valley gehyped: fermentierter Kombucha-Tee, die Astronautennahrung Soylent oder auch Kaffee mit Kokosnussöl und Butter. Wer in Sachen Technologie fortschrittlich sein will, probiert eben auch bei der Ernährung einiges aus. Bio-, glutenfreie und vegane Lebensmittel sind sowieso längst Standard.

Gesunde Ernährung allein reicht einigen Menschen allerdings nicht mehr aus. Die Anhänger einer aktuellen Bewegung, dem sogenannten Biohacking, sind der Meinung, dass sie den menschlichen Körper wie Computersysteme hacken und damit verbessern können. Dafür nehmen sie zum Beispiel verschiedene Ergänzungsmittel, die unter anderem die Konzentration steigern sollen – auch Fasten ist äußerst angesagt.

Verschiedene Regimes zum Fasten finden bekannte Anhänger – zum Beispiel den Autor Tim Ferriss (Die 4-Stunden-Woche), Y-Combinator-Partner Daniel Gross oder den ehemaligen Evernote-CEO Phil Libin. Ihre große Hoffnung? Ein gesünderes und längeres Leben. Sie glauben, dass das Kaloriendefizit, in welches sie ihre Körper durch den Nahrungsverzicht bringen, positive Effekte auf ihre Gene hat.

Ein Essenstrend? Nichts essen.

Zu den erklärten Fans des Biohacking-Trends gehören auch die Hvmn-Gründer (sprich: Human) Geoffrey Woo und Michael Brandt. Sie haben nach eigenen Angaben die größte Online-Community fürs Fasten gestartet – WeFast – und begannen bereits 2014 damit, Pillen zu verkaufen, die die eigene Leistung steigern sollen. Solche Tabletten werden Nootropika genannt. „Wir glauben, dass der Mensch ein System ist, das optimiert werden kann“, schreiben die beiden auf ihrer Webseite. Hvmn entwickle daher Produkte, die die kognitive und körperliche Performance sowie die Leistung des Stoffwechsels steigerten.

Daran glauben auch bekannte Geldgeber: Der große Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz und die damalige Yahoo-CEO Marissa Mayer haben vor zwei Jahren 2,6 Millionen US-Dollar in das gehypte Hvmn investiert. Dabei ist umstritten, welche Wirkung Tabletten zur Konzentrationssteigerung tatsächlich haben.

Die Neurowissenschaftlerin Martha Farah der University of Pennsylvania zeigt auf, dass es keine Studien mit großen Grundgesamtheiten gibt – und so auch keine klaren Aussagen getroffen werden können. Es ist offen, ob es Gesundheitsrisiken gibt. Gerade in den USA ist der freie Verkauf bestimmter Mittel erlaubt, die in Deutschland verschreibungspflichtig sind.

Das Getränk von Hvmn

Für Hvmn ist bei Nootropika allerdings längst nicht Schluss. Das Startup bringt bald ein weiteres Produkt auf den Markt: ein Getränk namens Hvmn Ketone. Es enthält Ketonkörper, die laut Startup ein „Super-Treibstoff“ für den Körper sein sollen. Nach Unternehmensangaben schaffen Sportler nach dem Trinken in 30-minütigen Trainings zwei Prozent mehr Leistung. Für Leistungssportler wäre das ein entscheidender Unterschied.

Was ist dran am Versprechen des Startups?

Ergänzungsmittel mit Ketonkörpern sind nicht neu und im Fitnessbereich schon länger verbreitet. Ketone sind natürlich und entstehen normalerweise im menschlichen Körper, wenn die Leber Fett zersetzt. Üblicherweise ist die Konzentration im Blut aber niedrig. Sie steigt, wenn ein Mensch hungert – oder bewusst auf Kohlenhydrate verzichtet. Ketone dienen dann als effiziente Energiequelle. Der Glaube von Hvmn ist nun, dass ihr neues Getränk die Möglichkeit gibt, schnell diese Energiequelle zu sich nehmen zu können, wenn Leistung gefordert ist und so besonders gut zu performen.

Was ist aber am Versprechen des Startups dran? Die Gründer können für ihre eigene positive Studie namhafte Forschungspartner wie die University of Oxford vorweisen. 60 Millionen US-Dollar sollen dort bereits in die Forschung zu der Wirkung der Ketonkörper geflossen sein.

Eine neue Studie aus Australien zeigt allerdings, dass Keton-Ergänzungsmittel Leistungssportler verschlechtert haben. Alle elf teilnehmenden Radler berichteten außerdem, Magen- und Verdauungsprobleme bekommen zu haben. Jeder der Sportler bekam einmal das Ergänzungsmittel und einmal ein Placebo vor dem Training.

„Es schmeckt wie Hustensaft, der in eine Mülltüte gegossen und in der Sonne stehen gelassen wurde“

Grund für ihre Probleme kann sicherlich sein, dass die Athleten nicht an die Ergänzungsmittel gewöhnt sind. Es wird aber deutlich, dass auch dieser Bereich der Nahrungsergänzungsmittel noch nicht ausreichend erforscht ist.

„Mit ärztlicher Aufsicht kann eine ketogene Diät sicher sein, aber die Ergänzungsmittel sind nicht auf ihre Sicherheit getestet“, sagt John Morton, Leiter der Adipositaschirurgie bei Stanford Health Care zur Zeitung Mercury News. „Sie befinden sich in einer Grauzone, sind keine Medizin und unterliegen nicht der Regulierung, weswegen es keine wirklichen Beweise für ihre Wirkung gibt.“

Dieses Startup verspricht dir einen Turbo für die Konzentration

Die Mittelchen von Braineffect sollen für mehr Energie, Leistung und Wohlbefinden sorgen. Dahinter steht ein VC, der vor allem chronisch Gestresste anlocken will.

Hvmn plant für Anfang 2018 die ersten Lieferungen seines Getränks, Vorbestellungen sind bereits möglich. Drei kleine Fläschchen kosten dabei 99 US-Dollar. Ein stolzer Preis – besonders gut schmeckt das Getränk aber nicht. Wie Alkohol gemischt mit Nagellackentferner, beschreibt es Gründer Woo selbst. Eine Testerin schreibt: „Ich dachte, ich würde kotzen.“ Ähnliches empfindet eine Autorin von Atlantic: „Es schmeckt wie Hustensaft, der in eine Mülltüte gegossen und in der Sonne stehen gelassen wurde.“

Gründer Woo aber scheint das nicht als Problem zu sehen – und hat die größere Vision im Blick. „Wir wollen bessere Menschen machen“, wirbt er. Die Ketonforschung eröffne Möglichkeiten, um das Altern, bestimmte Krankheiten und Vieles mehr aufzuhalten. „Das hier ist erst der Anfang.“

Bilder: Hvmn/Screenshots YouTube

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