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Beyond Meat drängt nach Europa – doch die Aktie stagniert

Bislang produziert die gehypte Fleischersatz-Firma ausschließlich in den USA. Das soll sich ändern. Zudem sollen zwei weitere Beyond-Meat-Produkte in deutsche Regale kommen.

„Wir suchen nach einem Standort für eine eigene Produktion“, sagt Chuck Muth, der Chief Growth Officer des US-Unternehmens Beyond Meat, das hinter dem extrem gehypten Fleischlos-Patty „Beyond Burger“ steht, im WELT-Gespräch. Bislang werden sämtliche Produkte von Beyond Meat nach Europa exportiert und dort von drei Kooperationspartnern vertrieben. Dazu zählt die PHW-Gruppe aus Deutschland, zu der unter anderem die Marke Wiesenhof gehört.

Ein weiterer Partner ist der niederländische Fleischlieferant Zandbergen. An dessen Stammsitz in Zoeterwoude in Südholland entsteht derzeit schon eine Fabrik für Beyond Meat. Eröffnet wird sie nach bisheriger Planung noch im ersten Quartal 2020. „Dort werden wir künftig unsere Produkte formen und verpacken“, kündigt Muth am Rande der weltgrößten Lebensmittelmesse Anuga in Köln an. Der Rohstoff dafür kommt derweil weiterhin aus den USA. „Die genaue Zusammensetzung ist ein Geschäftsgeheimnis. Diese Daten geben wir nicht aus der Hand.“

Dass dagegen Teilaufgaben sehr wohl ausgelagert werden, begründet Muth mit Finanzvorteilen für Beyond Meat. „Durch das Partner-Modell ist die Expansion weniger kapitalintensiv. Dadurch können wir schneller wachsen.“

Denn die Nachfrage ist groß: Mehr als 200 Millionen US-Dollar wird Beyond Meat im laufenden Jahr umsetzen, kündigt das seit Mai börsennotierte Unternehmen an. Das ist dreimal so viel wie noch im Vorjahr, meldet Marketing-Chef Will Schafer. Größter Markt sind dabei zwar mit Abstand die USA. An zweiter Stelle folgt aber schon Deutschland vor Großbritannien auf Platz drei, heißt es bei dem Unternehmen. „Europa wird zunehmend wichtig für uns. Deshalb investieren wir dort auch in Kapazitäten.“

Getrieben wird die Nachfrage dabei vor allem von den jungen Generationen, wie Schafer berichtet, allen voran von den Millennials und der Generation Z. „Die haben eine ganz andere Herangehensweise an das Thema Fleisch“, sagt der Marketing-Chef. Oder in diesem Fall: an das Thema fleischlos. Denn die Produkte der Firma enthalten nicht eine einzige tierische Zutat.

Drei Gründerszene-Kollegen haben den Beyond-Meat-Burger probiert – ohne zu wissen, was sie vorgesetzt bekommen. Wie sie die vegane Alternative bewerten, seht ihr hier im Video.

Beyond Meat arbeitet am fleischlosen Hühnchen

Grundlage der Burger-Patties sind Erbsenproteine, dazu sind unter anderem Rapsöl und Kokosöl enthalten. Dennoch wendet sich Beyond Meat weder an Vegetarier noch an Veganer. „Unsere Zielgruppe sind Fleischliebhaber“, sagt Schafer. „Und zwar diejenigen, die zugleich die Umwelt und ihre Gesundheit schonen und deswegen ihren Fleischkonsum eigentlich verringern wollen.“ Jeder solle weiterhin sein Barbecue machen können – nur eben ohne schlechtes Gewissen.

Dass ein Burger-Patty dafür allein nicht ausreicht, ist auch den Verantwortlichen bei Beyond Meat klar. Daher arbeiten die Amerikaner an der Erweiterung ihres Sortiments. Auf der Anuga wird nun zum Beispiel Beyond Sausage vorgestellt, ein Würstchen aus Erbsen-, Faberbohnen- und Reisproteinen, umhüllt von einer Pelle aus Algen. Weitere Produkte sollen folgen.

In den USA ist die Bratwurst schon länger auf dem Markt, nun kommt sie auch nach Europa. Gleiches gilt für veganes Hackfleisch, das in Übersee schon erhältlich ist und spätestens im Frühjahr 2020 auch von den Partnern aus Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien vertrieben werden soll.

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„Darüber hinaus arbeiten wir am Thema Hühnchen“, sagt Marketing-Mann Schafer. Nicht zum ersten Mal: Im Jahr 2012 hatte die Geschichte von Beyond Meat mit Hähnchen begonnen. Mittlerweile ist das Produkt aber nicht mehr auf dem Markt. „Weil es nicht mehr unserem Standard entspricht“, begründet Schafer. Der Burger habe eben alles verändert.

Experten zufolge hat er tatsächlich Bewegung in das Geschäft mit Fleischlos-Fleisch gebracht. Reihenweise Konkurrenten drängen derzeit in die Regale. Auf weltweit rund 14 Milliarden US-Dollar schätzen Analysten mittlerweile den Markt – und in zehn Jahren sollen es sogar 140 Milliarden sein.

Auch Deutschland spielt dabei eine wichtige Rolle. Noch vor einigen Jahren waren Fleisch- und Wurstalternativen ausschließlich in ausgewählten Bioläden zu finden, heute gehören sie in jedem Supermarkt und Discounter zum Standardsortiment.

Als Pionier hierzulande gilt der Wursthersteller Rügenwalder aus dem niedersächsischen Bad Zwischenahn. Ende 2014 hat das Familienunternehmen ohne Rücksicht auf Warnungen selbst aus dem eigenen Haus Veggie-Wurst auf den Markt gebracht. Mit Erfolg: Schon rund ein Drittel des Umsatzes entfällt heute auf dieses Segment, das Branchenexperten in Deutschland auf mittlerweile über 200 Millionen Euro schätzen. Rügenwalder will seinen Weg weitergehen. „Das Beispiel Beyond Meat bestätigt, dass wir mit unserem Kurs genau richtig liegen“, sagt Geschäftsführer Godo Röben.

Beyond-Meat-Aktie stagniert

Die Amerikaner sind zwar nicht die größten am Markt. Als Spitzenreiter gilt die Kellogg-Tochter Morningstar Farms. „Wir sind aber die am schnellsten wachsende Lebensmittelfirma in diesem Bereich“, sagt Expansionsmanager Muth. Und die eine der bekanntesten. Wohl auch, weil etliche Fast-Food-Ketten mit Beyond Meat zusammenarbeiten, darunter Subway, KFC und Dunkin Donuts oder Carl’s und Del Taco. Und nun möchte auch McDonald’s die veganen Burger testen.

Der Aktie von Beyond Meat hat diese Ankündigung derweil nicht geholfen. Seit Anfang August stagnieren die Papiere bei 140 bis 150 US-Dollar, kommend von zeitweise sogar über 200 Dollar. Trotzdem liegt der Wert noch immer deutlich über dem Ausgabepreis von 46 Dollar. Langfristig sehen die Analysten der Investmentbank JP Morgan auch wieder steigende Kurse. In einer Studie bezeichnen sie die Wachstumsaussichten des Unternehmens zumindest als „außergewöhnlich“.

Dahinter steht die Annahme, dass sich die Lebensmittelbranche und insbesondere der Fleischmarkt komplett wandelt. „Wir stehen vor nichts weniger als dem Ende der Fleischproduktion, wie wir sie kennen“, glaubt Carsten Gerhardt, Partner und Landwirtschaftsexperte bei der Beratungsgesellschaft A.T. Kearney. „Bereits 2040 werden nur 40 Prozent der konsumierten Fleischprodukte von Tieren stammen.“ Auf lange Sicht würden neue Fleischalternativen und kultiviertes Fleisch aus dem Labor das klassische Fleisch verdrängen.

9 statt 250.000 Euro für einen Burger – Kosten für Laborfleisch sinken

In spätestens zwei Jahren wollen Startups wie Mosa Meat und Biotech Foods Fleisch aus dem Reagenzglas auf den Markt bringen – falls die EU die Produkte zulässt.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Welt.de.

Bild: Beyond Meat

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