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Ein Berliner Startup versorgt Amerikaner mit Vitaminen im Abo

Das Startup Baze Labs verschickt personalisierte Vitaminpakete – und hat dabei viel Konkurrenz. Bisher sind die Berliner damit nur in den USA aktiv.

Selbstoptimierung ist Trend und Abonnements sind ein beliebtes, weil gut planbares Geschäftsmodell. Baze Labs kombiniert beides: Das Berliner Startup bietet personalisierte Vitaminkapseln im Abo an. Sie sollen dafür sorgen, dass Personen mit Vitaminmangel ausreichend mit den essenziellen Stoffen versorgt sind.

Um herauszufinden, an welchen Vitaminen es mangelt, schickt das Startup seinen Nutzerinnen und Nutzern einen Bluttest. Mit einem kleinen Gerät können sie am Oberarm Blut entnehmen und dieses an das Startup zurückschicken. In einem Labor in der Schweiz wird die Probe analysiert. Das Ergebnis bekommen die Kunden per App. Bei wem Mängel festgestellt werden, dem liefert das Startup die mutmaßlich fehlenden Vitamine in Kapselform alle vier Wochen nach Hause. 

Kostenpunkt: 99 US-Dollar für den Bluttest und mindestens 20 Dollar monatlich für das Abo. Etwa alle drei Monate wird außerdem ein weiterer kostenpflichtiger Bluttest fällig, um herauszufinden, ob sich die Werte verbessern. Das US-Magazin Wired hat das Konzept bereits getestet. Beim Autor des Artikels verbesserten sich die Vitaminwerte trotz dreimonatiger Einnahme der Baze-Labs-Vitamine nur marginal.

Dreistellige Kundenzahl in den USA

Der ehemalige Deloitte-Manager Philipp Schulte und Isam Haddad, Doktor der Bioinformatik, haben Baze Labs 2014 gegründet. Nach zwei Jahren Produktentwicklung starteten sie ihr Geschäft 2018, bisher sind sie nur in den USA aktiv. Einer der Gründe sei, dass neun von zehn US-Amerikanern einen Vitaminmangel hätten, sagt Thomas Kuchling, Marketingchef des Startups. Eine dreistellige Zahl Kunden habe man in den Staaten schon.

Haben diese Gründer die nächste Wunderpille entwickelt?

Die Gründer des Startups Veluvia komprimieren Obst und Gemüse, damit es in kleine Kapseln passt. Das Geschäft läuft: Bei den Gründerszene Awards belegen sie Platz 2.

Zumindest in Deutschland ist aber fraglich, ob das Geschäft von Baze Labs berechtigt ist. Die Expertenmeinung zu Vitaminpräparaten ist eindeutig: Wer ausgewogen isst und generell gesund ist, hat keinen Vitaminmangel. „Wer sich abwechslungsreich ernährt, braucht keine Nahrungsergänzungsmittel“, sagte etwa der Ernährungsmediziner Martin Smollich vergangenes Jahr im Gespräch mit Gründerszene. Trotzdem steigen zahlreiche Startups in den Markt ein, teils sehr erfolgreich. Rocka Nutrition etwa, ein Berliner Startup, das sich auf Nahrungsergänzungsmittel für Sportler fokussiert und mit Omega-3-Kapseln und Co. nach eigenen Angaben jährlich achtstellige Umsätze erzielt.

Nächster Schritt: Expansion nach Europa 

Wie Kuchling sagt, hat Baze Labs kürzlich eine Finanzierungsrunde mit Kapitalgebern aus den USA abgeschlossen. Nähere Details möchte das Startup noch nicht kommunizieren. Mit dem Geld werde das Team ausgebaut. Aktuell seien je zehn Personen in Büros in Berlin und Boston für das Startup tätig. Außerdem wolle man die Expansion nach Europa finanzieren.

In Deutschland wird Baze Labs auf mehrere Wettbewerber treffen: Die Berliner Startups Made for und Hi me verschicken ebenfalls personalisierte Vitaminpakete im Abo. Sie ermitteln den Vitaminbedarf der Kunden über Fragebögen, nicht über Bluttests. Vitamino aus Lindau will etwaige Mängel hingegen an den Haaren der Kunden feststellen. Auch in den USA hat Baze Labs direkte Konkurrenten, allen voran das New Yorker Startup Care of. Dieses beweist, dass die Geschäftsidee Potenzial hat: Mehr als 130 Mitarbeiter hat die Firma drei Jahre nach dem Start, Investoren finanzierten sie bislang mit umgerechnet 37 Millionen Euro (42 Millionen Dollar).

Bild: Baze Labs 

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