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Atlantic Food Labs’ neue Ausgründung will Käse im Labor herstellen

Legendairy Foods hat ein Verfahren entwickelt, um Protein in der Petrischale heranwachsen zu lassen. Daraus soll Käse werden, wohl aber nicht für den deutschen Markt.

Viele Startups arbeiten derzeit daran, Fleisch im Reagenzglas zu züchten. Das Berliner Jungunternehmen Legendairy Foods stellt seine Lebensmittel auch im Labor her, will aber kein Fleisch, sondern Milchprodukte produzieren. Im Januar hat der Schweizer Raffael Wohlgensinger gemeinsam mit der Wissenschaftlerin Britta Winterberg die Firma mithilfe von Atlantic Food Labs gegründet. Dem Berliner Frühphaseninvestor gehören derzeit 60 Prozent an dem Biotech-Startup. Wie viel Kapital für den Start geflossen ist, will Wohlgensinger im Gespräch mit Gründerszene und NGIN Food nicht sagen. Im Oktober beteiligte sich Atlantic Food Labs bereits am In-Vitro-Startup Meatable.

Legendairy Foods hat mit der Universität Graz ein Verfahren entwickelt, um die Milcheiweiße Casein und Molkenprotein künstlich heranzuzüchten. Dafür hat das Forschungsteam bei Kühen die Gene identifiziert, die für die Produktion dieser Milchkomponenten zuständig sind, und sie auf Hefezellen nachgebaut. Den Zellen wurde auf diese Weise der Befehl mitgegeben, Casein beziehungsweise Molkenprotein zu produzieren, wenn sie wachsen. Die Eiweiße werden anschließend vom Hefeorganismus getrennt und liegen entweder als weißes Proteinpulver oder in einer Flüssigkeit vor. Im nächsten Schritt werden dem Casein und Molkenprotein pflanzliche Fette und Kohlenhydrate untergemischt, damit die Masse zu Käse heranreift. Als erstes will das Startup damit Mozzarella erschaffen.

Prototyp soll 2020 kommen

Künstliches Proteinpulver hab Legendairy Foods schon in geringer Menge herstellen können, sagt Wohlgensinger. Allerdings sei es noch zu wenig, um daraus Käse entstehen zu lassen. Nach dem jetzigen Forschungsstand reichen die Proteine lediglich für einen Mozzarella, der gerade einmal halb so groß ist wie ein Fingernagel. Der Gründer rechnet damit, im kommenden Jahr einen größeren Prototyp vorstellen zu können. Dann dauere es noch mindestens zwei Jahre, bis der Labor-Mozarella reif für den Markt sei. Und das wird kosten: „Bestimmt werden wir noch Investments in zweistelliger Millionenhöhe brauchen.“

Ob der Käse von Legendairy Foods in Deutschland erhältlich sein wird, ist unklar. „Noch überlegen wir, ob Europa überhaupt der erste Markt sein wird oder wir lieber nach Asien oder Amerika gehen“, sagt der Chef. Grund seien die strengen EU-Regulierungen für neuartige Lebensmittel.

Käse in der Petrischale heranwachsen zu lassen, dauere etwa zwei Wochen länger als die traditionelle Herstellung, so Wohlgensinger. Am Ende soll der Legendairy-Mozzarella etwa doppelt so teuer sein. Außerdem könne das Laborprodukt beliebig modifiziert werden: „Wir können auch komplett neue Aromaprofile und Texturen herstellen, wie wir sie heute noch gar nicht kennen. Beispielsweise ohne Laktose oder komplett allergiefrei.“

Wenn Legendairy Foods es geschafft hat, Käse heranzuzüchten, möchte das Startup auch Milch, Joghurt und andere Milchprodukte künstlich produzieren. Käse sei derzeit aber einfacher als Milch, da beispielsweise keine Molke nachgebaut werden muss, die bei der Herstellung von Käse ohnehin entsorgt wird. Und: „Für Käse gibt es schlechtere Alternativen als für Milch, da ist die Nachfrage größer“, sagt der Gründer, der selbst seit mehreren Jahren vegan lebt.

Bild: MassanPH / Getty Images

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