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„Wir haben von der ersten Minute an Geld verdient“

Abonauten vertreibt Gin-Abonnements – nach eigenen Worten sehr erfolgreich. Derzeit suchen die Gründer einen Investor. Denn sie haben eine größere Vision.

Zu wenig Startkapital? Woher Geld für nötige Investitionen nehmen? Die finanziellen Sorgen vieler Startups in der Anfangsphase kennt Marco Tunger nicht. „Wir hatten praktisch keine Investitionskosten zum Start“, erzählt der Gründer im Gespräch mit NGIN Food. „Vielleicht 1.000 Euro, wenn es hoch kommt.“ Und damit nicht genug. „Wir haben von der ersten Minute an Gewinn gemacht“, sagt Tunger. Was ist das für ein Geschäftsmodell, das fast ohne Investitionen sofort Geld abwirft? 

Tunger und Christian Schumm sind die Gründer von Abonauten, ein Abo-Service für Gin. Für 29,90 Euro pro Monat kann man sich zwölf Gin-Boxen pro Jahr zuschicken lassen – jeden Monat eine. In jeder Box sind drei verschiedene Gins. Der Kunde muss sich jedes Mal aufs Neue überraschen lassen, welche Marken diesmal dabei sind. Eine einmalige Bestellung ohne Abo kostet 39,90 Euro. Das Startup aus Bad Tölz in Bayern gibt es seit Sommer 2017.

Grund für den finanziell reibungslosen Start ist vor allem der berufliche Hintergrund der beiden Gründer. Schumm hat ein Spirituosenlabel, das seinen eigenen Namen trägt, Tunger betreibt die Werbeagentur ichunddu. „Christian hat die Kontakte, das Branchenwissen und die Logistik, wie etwa eine Abfüllmaschine oder einen Etikettierer“, erzählt Tunger begeistert. „Ich habe die Brand entwickelt und die Homepage erstellt.“ 

Die Gin-Hersteller zeigen Interesse

Eine „unheimlich gute Konstellation“, wie Tunger es nennt – und die scheint zu funktionieren: Die beiden Abonauten wurden von der Nachfrage förmlich überrannt, erzählt er. „Unser Ziel war, nach einem Jahr 150 Abonnenten zu haben“, berichtet er. „Wir haben bereits nach acht Monaten 600. Und jeden Monat steigt unsere Abo-Zahl.“ Die größte Herausforderung sei es aktuell, die Nachfrage überhaupt bedienen zu können. Im ersten Jahr haben die beiden Gründer zwei Mitarbeiter und peilen einen Umsatz von 250.000 Euro an. 

Jede Abonauten-Box soll eine Überraschung für den Kunden sein.

Jede Abonauten-Box soll eine Überraschung für den Kunden sein.

Das Konzept stößt auch bei Gin-Herstellern auf Interesse, wie Tunger berichtet: „Wir müssen inzwischen kaum noch Ware ankaufen.“ Abonauten bekäme von Gin-Produzenten aus der ganzen Welt Flaschen zugesandt mit der Bitte, sie doch in die Abo-Box zu legen. „Für die Hersteller ist das natürlich auch eine Art PR“, erklärt der Gründer. „So bekommen sie eine Reichweite, die man gerade als kleine Firma sonst nur schwer erreicht.“ 

Doch verliert die Kuratierung der Abo-Box nicht an Wert, wenn sich Hersteller in die Box „einschenken“ können? Tunger weiß um die Gefahr, sieht sie aber nicht bestätigt. Er achte weiterhin sehr genau darauf, nur kleine, unbekannte Marken in die Boxen zu legen. „In unserer Box wird man keine Gins finden, die es auch beim Supermarkt um die Ecke gibt“, stellt er klar. „Es gibt weltweit rund 6.200 Gin-Marken. Im Prinzip könnten die alle mal in unserer Box landen.“ Diese Vielfalt ist ihm wichtig. Genauso wie die Tatsache, dass die Kunden nicht wählen können, welche Marken in ihren Abo-Boxen liegen. „Wir wollen den Horizont erweitern“, sagt er. „Wir wollen unseren Kunden etwas zeigen, was sie von selbst nie ausprobieren würden.“ Man könne Sorten, die einem besonders gefallen, ja außerhalb des Abos einzeln bestellen. 

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In Japan, wo Sake seinen Ursprung hat, trinkt man den Reiswein seit 1.500 Jahren. Das Kappelner Startup Île Four will ihn jetzt in unsere Cocktailgläser bringen.

Auf der Suche nach dem passenden Investor

Für Tunger ist das Spirituosen-Startup aber nur der Anfang. „Wir sind mit einem Gin-Abo gestartet, weil Christian durch seinen eigenen Gin in der Materie zuhause ist und wir beide Gin lieben. Aber das Konzept lässt sich ja auf beliebig viele Produkte ausweiten“, ist er sich sicher. Er zählt auf: „Kaffee, Öle, Schokolade, Gewürze, Salz, Essig – alle Produkte, die regelmäßig verzehrt werden und bei denen man eine gewisse Qualität schätzen lernen kann, taugen für diese Idee.“ Kochboxen wie HelloFresh hätten bei den Kunden das Bewusstsein für dieses Konzept geschaffen. Das Ziel der Abonauten steht damit fest: In fünf Jahren wollen sie das größte Genuss-Lieferabo im deutschsprachigen Raum sein. 

Für eine Vision dieser Größenordnung sind die beiden Gründern längerfristig aber doch auf Kapitalgeber angewiesen. Das sieht auch Tunger so. Deshalb kann er sich inzwischen gut vorstellen, mit einem Investor zusammenzuarbeiten. Am besten einer mit einem guten Netzwerk, findet Tunger: „Natürlich ist finanzielle Hilfe gut, aber das wichtigste wären für uns Kontakte und inhaltlicher Input.“

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Schon einmal haben die Abonauten Geld von externen Geldgebern erhalten. Zum Start im vergangenen Sommer hat das Startup über Kickstarter innerhalb eines Monats 10.000 Euro eingesammelt. Doch auch hier war für den Werber Marco Tunger vor allem der Marketingeffekt wichtig: „Die anfängliche Unterstützung sowie die Reichweite waren natürlich Gold wert.“ 

 

Bilder: Abonauten

 

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