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12 Millionen Euro für die virtuellen Restaurants von Keatz

Das Startup bereitet Burger, Salate und Suppen zwar in derselben Küche zu, verkauft die Gerichte aber im Namen mehrerer Marken. Für dieses Konzept gab es jetzt Kapital.

Keine Stühle, keine Tische, keine Kellner: Das Startup Keatz betreibt Ghost Restaurants – virtuelle Restaurants, die nur aus einer Küche bestehen, keinen Gastraum haben und Essen ausliefern. Jetzt haben die Berliner in einer Series A zwölf Millionen Euro eingesammelt. Das Geld kommt von den Altgesellschaftern Atlantic Food Labs, Project A, dem Madrider Frühphaseninvestor JME Ventures, dem spanischen Kapitalgeber K Fund sowie der italienische VC Ustart. Neu ist der russische Investor RTP Global, der bereits am indischen Ghost-Restaurant-Startup Faasos beteiligt ist. Die letzte Finanzierungsrunde über sechs Millionen Euro schloss Keatz vor rund einem Jahr ab. 

Das Kapital will Keatz für seine weitere europäische Expansion einsetzen. Derzeit betreibt das Startup insgesamt zehn virtuelle Restaurants in Berlin, München, Madrid, Amsterdam und Barcelona. In den nächsten zwei Jahren wolle das Unternehmen 100 weitere Küchen eröffnen – allerdings nicht in Deutschland, sondern nur im europäischen Ausland. Der Heimatmarkt der Berliner sei für Lieferessen nicht relevant, sagt Mitgründer Paul Gebhardt, da die Deutschen sehr sparsam leben und kaum Essen bestellen würden.

Außerdem wolle Keatz seine Küchen vollautomatisieren, das heißt, sämtliche Geräte wie beispielsweise Konvektoren an das WLAN anschließen, von Robotern bedienen lassen und den Lebensmittelabfall von Maschinen erkennen lassen, um so langfristig seine Mitarbeiter zu reduzieren. Aktuell beschäftigt das Startup nach eigenen Angaben 200 Angestellte. 

Keatz gibt es seit 2015. Angefangen haben die Gründer Dimitrios Ploutarchos und Gebhardt mit einem Salatlieferdienst unter dem Namen Green Gurus. Wie viel das Startup umsetzt, möchte Gebhardt nicht sagen. Nur so viel: Jede seiner Delivery-only-Küchen setze jährlich rund eine Million Euro um. „Wir sind mit jedem Kauf profitabel. Im Idealfall verdienen wir zwischen fünf und 20 Prozent an einer Bestellung“, sagte der Gründer schon Ende 2017.

Das Modell verspricht niedrige Kosten und ruft immer mehr Wettbewerber auf den Markt. Uber Eats, der Essenslieferservice des Mobilitätsdienstleisters, testet solche Küchen derzeit in Paris. Deliveroo breitet sein Editions-Konzept immer weiter aus und berät seit diesem Jahr deutsche Restaurants dabei, eigene virtuelle Marken aufzubauen. Und auch das Berliner Startup Honest Food setzt mittlerweile Millionen mit Ghost Restaurants um. Der Unterschied zu Keatz ist hier, dass Honest Food die Gerichte tiefgekühlt zu seinen Gastropartnern schickt und diese dann fertig zubereitet an den Lieferservice weitergeben.

Ghost Restaurants: Die virtuellen Lokale der Lieferwelt

Nach den USA und Großbritannien testen auch in Deutschland Gastronomen das Konzept von Delivery-Only-Küchen. Was steckt hinter dem Konzept der Ghost Restaurants?

Bild: Keatz. Text in Zusammenarbeit mit Lisa Ksienrzyk

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