Wie Großschlachter Tönnies die Branche wechseln will

Bislang ist der Schlachterbetrieb vor allem für Massentierhaltung und Familienstreits bekannt. Jetzt hofft Robert Tönnies auf ein besseres Image – mit E-Auto-Leasing.

Immer wieder streifen ihn neugierige Blicke. Der knallblaue VW-Käfer vor dem Bahnhof in Bielefeld fällt auf. Besitzer des E-Käfers ist Unternehmer Robert Tönnies. Zuletzt dominierte der Ostwestfale die Schlagzeilen mit dem erbitterten Streit mit seinem Onkel Clemens. Jahrelang hatten sich die beiden um die Anteile an dem milliardenschweren Fleischkonzern gestritten. Seit einigen Monaten ist der Streit beigelegt, Journalisten will Robert Tönnies dazu keine Fragen mehr beantworten. Umso lieber spricht er dafür über seine neuen Projekte: E-Autos.

Gleich mit zwei Unternehmen ist er in diesem Bereich aktiv: Zum einen hat er kräftig in Retrokäfer GmbH investiert. Die stattet die alten Fahrzeuge mit E-Motor aus – der blaue Käfer ist einer von bisher vier Fahrzeugen. Schon Anfang des Jahres 2016 hat Tönnies zudem die Electrify GmbH gegründet, über die er gebrauchte E-Autos an Firmen verleast. Ende des Jahres rechnet Tönnies mit einem Umsatz von mehr als 450.000 Euro, im nächsten Jahr soll die Millionengrenze erreicht werden. Wir haben den Unternehmer in Bielefeld getroffen und mit ihm über seine neuen Unternehmen, seinen Tesla und sein Image gesprochen.

Herr Tönnies, hauptsächlich hat Ihre Familie mit Fleisch und Lebensmitteln Geld verdient. Sie setzen jetzt zusätzlich auf E-Autos. Woher kommt Ihre Begeisterung für den Antrieb?

Es macht mir einfach Spaß, diese Autos zu fahren. Das wird mir jeder bestätigen, der mal hinter dem Steuer eines solchen Fahrzeugs gesessen hat. Außerdem ist die Elektromobilität eine riesige volkswirtschaftliche Chance. Eines Tages kam mir und meinem Partner, Dennis Murschel, der Einfall, alte VW-Käfer Cabrios aufwendig zu restaurieren und mit E-Antrieb auszurüsten. Diese „Retrokäfer“ bieten wir Hotels zur Vermietung an ihre Gäste an. Mittlerweile rüsten wir rund 10-15 Käfer im Jahr um.

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Worin liegt die volkswirtschaftliche Chance?

Bisher ist unsere Wirtschaft hierzulande stark abhängig von den Erdöl exportierenden Ländern. Wenn wir Strom statt Benzin oder Diesel als Antrieb für unsere Autos verwenden, sind wir nicht mehr im heutigen Umfang auf dieses Öl angewiesen, was die volkswirtschaftliche Leistung für Deutschland dann erhöhen würde. Nicht zu vernachlässigen sind außerdem die bessere Luftqualität in den Innenstädten und die vergleichsweise positive Klimabilanz von E-Autos.

Ja, E-Autos gelten als klimafreundlich – zumindest, wenn man ausschließlich die Emissionen während der Fahrt betrachtet. Sie halten neben Ihrem Engagement bei E-Autos aber auch 50 Prozent an Deutschlands führendem Fleischunternehmen. Wie passt das zusammen? Fleischkonsum wirkt sich ja nachweislich negativ auf das Klima aus.

Was das Thema Fleisch angeht, habe ich eine klare Auffassung: Solange Fleisch gegessen wird, bedienen wir die Nachfrage, müssen die Produktion aber bestmöglich hinbekommen. An dieser Stelle haben wir noch viel zu tun, sowohl was die Massentierhaltung und die Arbeitsbedingungen unserer Mitarbeiter angeht, als auch, was den Umweltaspekt betrifft.

Inwiefern eignet sich das Thema E-Mobilität, um das eigene Image aufzupolieren?

Es tut schon mal ganz gut, wenn in diesem Zusammenhang etwas Positives berichtet wird. Bisher bin ich ja eher negative Berichterstattung in den Medien gewohnt (lacht).

 

Der E-Motor steckt im Kofferraum des Käfers

Welche Vorteile bietet das Leasing-Konzept denn für Ihre Kunden?

Für sie ist es ein Komplett-Paket inklusive der Versicherung und Wartung. Sie fahren pro Kilometer vergleichsweise günstig, weil wir als Unternehmen eine ganze E-Auto-Flotte besitzen. Wir können mit unseren Partnern günstigere Konditionen aushandeln, die wir an die Kunden weitergeben.

Und Sie persönlich? Besitzen Sie neben dem VW-Käfer noch weitere E-Autos?

Ja. Vor zwei Jahren habe ich mir einen Tesla gekauft. Den Käfer fahre ich vor allem im Sommer, am Liebsten als Cabrio.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Tönnies!

Bild: Jana Kugoth / NGIN Food

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