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Dieses Startup will Zucker überflüssig machen

Xucker-Gründer Christian Weiten

Schokolade ohne zusätzlichen Zucker, die trotzdem süß schmeckt? Das Berliner Unternehmen Xucker verwendet zwei natürliche Süßstoffe und setzt damit Millionen um.

Zucker sei der neue Tabak, schimpfte damals die ehemalige Verbraucherschutzministerin Renate Künast. Die Zuckerindustrie wehrt sich gegen solche Vorwürfe mithilfe von als Studien getarnten Kampagnen, wird ihr Image aber einfach nicht los. Seither versuchen sich immer mehr Menschen an einer zuckerfreien Ernährung. Das Berliner Unternehmen Xucker hat diese Entwicklung schon vor acht Jahren erkannt und setzt auf Süßungsmittel wie Xylit und Erythrit. Schokolade, Kaugummi und Bonbons schmecken damit wie gewohnt süß, haben aber keinen zugesetzten Zucker.

Xylit wird aus nachwachsenden Rohstoffen wie Maispflanzen oder Holz gewonnen und ist ein natürlich vorkommender Zuckeralkohol. Erythrit hingegen ist letztlich vergorener Traubenzucker. „Aus bösem Zucker wird der Gute“, fasst Xucker-Gründer Christian Weiten das Produktionsverfahren des Stoffs zusammen. Am Ende der Herstellungsprozesse sehen beide Süßstoffe aus wie weißer Kristallzucker, haben aber deutlich weniger Kalorien. Bei Xucker aus Xylit sind es 40 Prozent weniger, Xucker light aus Erythrit hat so gut wie gar keine Kalorien mehr, ist dafür aber auch nicht ganz so süß wie Zucker.

„Reines Xylit in Pulverform hilft, die Zähne zu remineralisieren. Xylit treibt den Speichelfluss voran, der für das Gebiss wichtig ist“, sagt Weiten. Im Gegensatz zu Zucker habe Xucker keinen Suchtfaktor und lasse den Blutzuckerspiegel nur gering ansteigen, so der Gründer. Sind die zwei Zuckeralternativen also die Wundermittel, auf die alle gewartet haben?

Xucker-Schokoladen

Xucker-Schokolade in verschiedenen Geschmacksrichtungen

Mit Vorsicht zu genießen

Xylit und Erythrit wirken in größeren Mengen abführend. Die Langzeitwirkungen wurden bislang noch nicht umfassend untersucht. Das Startup empfiehlt deshalb, den Körper langsam an den Zuckerersatz zu gewöhnen. Anfangs nur drei bis vier Teelöffel Xylit pro Tag, später nicht mehr als 100 Gramm. Eine Tafel Xucker-Schokolade hat zwischen 30 und 40 Gramm Xylit, so das Unternehmen. Wer also schon mehrere Tage zuvor auf den Süßstoff umgestiegen ist, kann auch mal eine ganze Tafel vernaschen.

Xucker-Einsteiger sollten sich lieber auf einige Stückchen beschränken. Ein Kilo Xylit-Xucker kostet rund 12 Euro und ist daher deutlich teurer als handelsüblicher Haushaltszucker, den man im Supermarkt für weniger als einen Euro bekommt. Kuchenbacken nach Omas Rezept ist mit den Süßungsmitteln zudem auch nicht immer möglich, da sich die Struktur der Stoffe in der Hitze verändert. Das Startup hat deswegen eigene Backrezepte entwickelt.

Ein Blick auf die Nährwerttabelle der Xucker-Produkte verrät dennoch, dass gewisse Mengen Zucker in den Süßigkeiten enthalten sind. „Unsere Schokoladen enthalten teilweise Zucker, der in den anderen Zutaten natürlich vorkommt“, heißt es vom Unternehmen. Milchpulver oder Reispulver beispielsweise, deren Zucker nicht künstlich reduziert werden könne und deshalb auf der Verpackung deklariert werden muss.

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„DM ist ein Traumkunde“

Xucker-Gründer Christian Weiten hat schon während seiner Studienzeit nach Alternativen für Zucker gesucht, wollte aber nicht auf künstliche Süßstoffe zurückgreifen. Bis ihm 2009 der Begriff Xylit in der Zutatenliste von Kaugummis ins Auge fiel. „Ich war total verwundert, dass das trotz seiner Eigenschaften noch unbekannt war. Studien über Xylit gibt es immerhin schon seit den Sechzigern“, erzählt der Berliner. In der Apotheke hat sich Weiten dann Xylit gekauft, angefangen zu experimentieren und Marmelade gekocht, um den Süßstoff schließlich über Ebay zu verkaufen.

Im Mai 2010 gründete Weiten die Xucker GmbH. Mittlerweile arbeiten 33 Angestellte daran, kalorienarme Produkte wie Schokodrops, Pistazien-Kokos-Aufstrich und Zimt-Kaugummis herzustellen. Verkaufsschlager ist das Light-Süßungsmittel aus Erythrit. „Das ist das Produkt, von dem wir leben“, so der Xucker-CEO.

Aufgebaut hat Weiten das Business mit Kapital aus seiner Werbeagentur. Rund zwei Jahre nach dem Start schrieb Xucker bereits Gewinne. Im vergangenen Jahr setzte das Berliner Startup nach eigenen Angaben 8,5 Millionen Euro um, im Jahr davor fünf Millionen. Für das Geschäftsjahr 2017 rechnet der Xucker-Geschäftsführer mit 12 Millionen Euro Umsatz. Die Hälfte des Umsatzes soll Xucker über das Online-Geschäft machen, vor allem über Amazon.

Im Offline-Handel ist der Zuckerersatz in Reformhäusern, Bioläden und Drogerien gelistet. „DM ist ein Traumkunde. Würden die wegfallen, ginge uns viel Geld verloren“, so der Geschäftsführer. Anfragen von Investoren hat der Berliner bisher immer abgelehnt. „Das ist noch viel zu früh“, sagt Christian Weiten dazu. „Ich habe keine Lust, mich nach deren Werten zu richten.“

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Bilder: Xucker

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