Wie die Limonade eines Berliner Gründers ihren Weg nach Asien findet

Ohne es zu planen, wurde Joris van Velzen mit Wostok zum Gründer eines erfolgreichen Getränke-Startups. Sein Crowdfunding-Ziel hat er nun in nur fünf Tagen erreicht.

Mit Joris van Velzen einen Termin zu finden, ist nicht einfach. Er sei gerade auf Geschäftsreise in Asien, lässt seine PR-Firma ausrichten. Als wir ihn schließlich doch per Skype erwischen, sitzt er gerade in einer Hotellobby in Peking. Es ist halb eins in der Nacht bei ihm und sein Akku hat nur noch 12 Prozent. „Aber das reicht noch“, beruhigt er gleich zu Beginn des Gesprächs. Hätte man ihm vor zehn Jahren erzählt, was ihn in diese Hotellobby in China verschlagen würde, hätte er es wohl nicht geglaubt. Denn es war Limonade, die ihn hierhin geführt hat.

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Joris van Velzen ist der Gründer von Wostok, einem Getränk, das es seit mittlerweile rund acht Jahren gibt. „Weder Bio noch nade“ beschrieb der Gründer sein Produkt einst in der taz. Nur ehrlich und lecker sollte es sein. Dabei hatte van Velzen bis dahin mit Limonade beruflich nichts zu tun. „Ich war Werbefotograf und hatte nur den Wunsch, mein Lieblingsgetränk wieder aufleben zu lassen“, sagt der 48-Jährige.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs war van Velzen nach Russland gezogen. Dort wurde eine Brause namens Baikal zu seinem Lieblingsgetränk. „Ich habe 20 Jahre dort gelebt“, erzählt der gebürtige Niederländer. Als er 2008 in seiner neuen Heimat Berlin mal wieder Sehnsucht nach Baikal verspürte, beschloss er, dieses Problem einfach selbst zu lösen. Einen Kredit wollte er nicht aufnehmen „Der Businessplan und alles kam erst viel später“, berichtet er. „Ich hab da nichts durchgerechnet, sondern erstmal nur mit dem Geld gearbeitet, das ich mit meinen Fotoaufträgen verdiente.“

Wostok-Gründer Joris van Velzen (unten) und sein Team

Wostok-Gründer Joris van Velzen (vorn) und sein Team

Inzwischen gibt es von Wostok sechs Sorten: von Tannenwald bis Pflaume-Kardamon. 2016 betrug der Umsatz 834.000 Euro, knapp zwei Millionen Flaschen produzierte das Unternehmen 2017. In vielen Berliner Spätis darf die Brause aus Kreuzberg nicht mehr fehlen. Doch nun will Joris van Velzen mehr: „Ich bin gerade in Asien unterwegs, um neue Märkte für Wostok zu erschließen“, sagt er. Gerade war er mit der EU Gateway Mission in Südkorea, jetzt ist er auf einer Geschäftsreise der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). „Da werden Treffen mit potentiellen Geschäftspartnern und Distributoren organisiert. Die Reisen sind so gefördert, dass der Firma wenig Kosten entstehen.“

In Südkorea war er bereits erfolgreich. Dort hat er einen Distributor gefunden. Noch gibt es keinen Geschäftsabschluss, aber van Velzen hofft, im Frühling die ersten Flaschen verschicken zu können. „Ein 20-Fuß-Container, etwa 16.000 Flaschen, müsste idealerweise zusammenkommen, damit die Transportkosten nicht zu hoch werden“, rechnet er vor.

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Neben der Erschließung neuer Märkte in Fernost hat van Velzen im Moment noch etwas anderes im Kopf. Denn Ende Oktober hatte Wostok auf Seedmatch eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. 300.000 Euro wollte das Startup einsammeln. Nach fünf Tagen waren bereits 450.000 Euro zusammen gekommen. Die Kampagne wurde geschlossen. „Ich bin überwältigt”, sagt van Velzen. „Und erstaunt über das Tempo. Mit dem Geld wollen wir ein bis zwei Mitarbeiter einstellen, den Vertrieb in Berlin professionalisieren, größere Mengen abfüllen und endlich etwas in Werbung stecken.“

Speziell am letztgenannten Punkt hängt merklich das Herz des gelernten Werbefotografen. „Im Regal springt es zwischen den ganzen US-Marken förmlich hervor“, schwärmt van Velzen mit Blick auf das Design der Flaschen, das an den sozialistischen Realismus angelehnt ist. Es ist ein Teil des Markenauftritts, der eine Mischung aus Berliner Derbheit und Ostalgie ist und schon beim Namen beginnt. Denn Wostok ist schließlich das russische Wort für Osten.

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Bild: Wostok

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