Wie es dieser Gründer schaffte, Coca-Cola Konkurrenz zu machen

Mirco Wiegert gründete vor 14 Jahren die Marke Fritz-Kola. Am Anfang lachten alle über seine Idee, Coca-Cola anzugreifen. Heute tut das niemand mehr.

Es gibt diese Gründer, die wollen, dass man ihnen den Erfolg sofort ansieht. Sie tragen Rolex am Handgelenk oder maßgeschneiderte Hemden inklusive eingestickter Initialen. Dazu ein besonders aufrechter Gang und ein auffallend fester Händedruck. Mirco Wiegert, Erfinder und Gründer von Fritz-Kola, gehört nicht zu diesem Typus. Zum Interview erscheint er mit ausgeleierter Jeans, grauem Kapuzenpulli, einem grünen Rucksack und Turnschuhen ohne Label. „Ich hasse Statussymbole, ich kann mit dicken Autos oder teuren Uhren absolut nichts anfangen“, stellt Wiegert klar. „Deswegen veranstalte ich den ganzen Zirkus hier ja. Um Freiheiten zu haben. Wenn ich mit dem Trainingsanzug zur Arbeit fahren will, dann mache ich das eben.“

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Wiegert und sein Pfadfinder-Kumpel Lorenz Hampl starteten 2003 ihr Unternehmen Fritz-Kola. Mit 7.000 Euro. Beide studierten zu dieser Zeit an der Hamburger Universität, waren gerade Mitte zwanzig. Wiegert hatte zuvor eine Ausbildung zum Speditionskaufmann gemacht, die er jedoch langweilig fand. Die Selbstständigkeit schien ihm der einzige Ausweg zu sein.

Sie hätten auch eine Putzkolonne gründen können, sagt Wiegert, aber am Ende sei eben ein Getränk namens Fritz-Kola dabei herausgekommen. Die ersten 170 Kisten ließen sich die Gründer in einer kleinen Brauerei abfüllen. Das Prinzip: Weniger Zucker, mehr Koffein, abgefüllt in Glasflaschen. Verboten für Kinder und Schwangere. „Das Zeug soll knallen“, sagt Wiegert.

Bei einer Party im Keller des Studentenwohnheims testeten ihre Freunde zwei verschiedene Sorten, eine mit weißen Kronkorken, die andere mit grünen. Grün gewann. „Wir wurden schon ein bisschen belächelt damals“, gibt Wiegert zu. „Es war ja auch eine völlig verrückte Idee, ausgerechnet gegen diesen riesigen Coca-Cola-Konzern anzutreten.“

Wiegert muss schmunzeln, wenn er über die Anfangsjahre erzählt. Er ist heute 41 Jahre alt, ein selbstbewusster Typ mit viel Humor. Am liebsten lacht er über sich selbst. Die Zeitung „taz” habe ihn mal als „stino“ bezeichnet, also stinknormal, erzählt er und nimmt es gelassen: „Ich habe mit stinknormal kein Problem.“ Der Fritz-Kola-Gründer ist ein Macher, aber nicht so effizient, dass es unangenehm ist. Ein Schanze-Typ eben, der früher viel in Kneipen auf dem Hamburger Schulterblatt oder der Reeperbahn herumlungerte. So erzählt er selbst es jedenfalls.

Etwa vier Jahre lang arbeiten Mirco Wiegert und Lorenz Hampl zu zweit an Fritz-Kola. Erst 2007 konnten sie sich den ersten Mitarbeiter leisten. „Damals gab es noch keine Startups, Gründen war nicht cool“, erzählt Wiegert. Die Arbeit in einem großen Konzern wie Beiersdorf sei viel angesehener gewesen. Er widerstand der Verlockung. „Geld und Sicherheit waren mir schon damals komplett egal. Es erschien mir ohnehin sicherer, mein eigener Herr zu sein.“

Doch wie erfolgreich ist Fritz-Kola heute, 14 Jahre nach dem Start? Wie groß ist das Team? „Ihr könnt von 30 Mitarbeitern schreiben, aber das stimmt eh nicht“, sagt Wiegert und schmunzelt. Diese Antwort hat er schon in anderen Interviews gegeben. „Wir kommunizieren keine Zahlen und zünden lieber viele Nebelkerzen, denn der Markt ist beinhart. “

Auch den Umsatz verrät der Gründer nicht. Im Jahr 2015 machte Fritz-Kola laut Bundesanzeiger 2,57 Millionen Euro Gewinn. 2016 soll das große Erfolgsjahr gewesen sein, heißt es in vielen Medienberichten. Stimmt das? Wiegert grinst nur. „Ja, ja. Kann sein.“ Auch über sein Privatleben will der Firmenchef nicht sprechen. „Ich würde nie so eine Homestory machen oder so einen Quatsch“, sagt der 41-Jährige.

Er habe viele Kritiker, die ihren Unmut am liebsten über die sozialen Medien wie Facebook äußerten. Sie richten sich gegen den Gründer persönlich oder die Strategie von Fritz-Kola. Wiegert nimmt das gelassen, ignoriert die Hater aber nicht. Im Gegenteil: „Kritik gehe ich nach. Dafür telefoniere ich sogar Leuten aus der Schweiz hinterher. Ich stehe auf offene Kommunikation.“

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Für die Zahlen und Fakten zu seinem Unternehmen gilt das allerdings nicht. Seit einigen Monaten ist Wiegert alleiniger Chef von Fritz-Kola, Mitgründer Hampl ist Ende 2016 ausgestiegen. Seine Anteile hat Wiegert ihm abgekauft. „Mit Anfang 40 feiert man Bergfest und überlegt, was noch so kommt im Leben“, erklärt Wiegert. Hampl sei nach seinem Aus erst mal in den Urlaub gefahren. Im August wird ein neuer zweiter Geschäftsführer bei Fritz-Kola anfangen, der Name ist bisher nicht bekannt. Einige Anteile hat Wiegelt kürzlich an Florian Rehm, Miteigentümer von Jägermeister, und Dirk Lütvogt, Geschäftsführer der Auburg Quelle, verkauft. Die Mehrheit hält weiterhin der Gründer.

13 verschiedene Getränke gibt es mittlerweile von Fritz-Kola. Neu im Sortiment ist Anjola, eine Ananas-Brause, die in den 1950er Jahren schon beliebt war und dann vom Markt genommen wurde. Will Wiegert einen Kult wiederbeleben? „Kult, Szene, Trend, hip. Das sind alles schreckliche Begriffe“, sagt er. „Das Ziel ist es einfach, die beste Kola und die besten Limonaden zu machen.“ Das ist ausnahmsweise mal keine Nebelkerze.

Dieser Text erschien zuerst im gedruckten Magazin von NGIN Food.

Foto: Fritz Kola

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