„Wenn ich gute Lebensmittel bekommen möchte, muss ich als Deutscher umdenken“

Welche Trends gibt es gerade bei der Lebensmittel-Produktion? Das haben wir Experten auf der Future of Food Konferenz gefragt. Hier sind drei Kernaussagen.

Regionales, Handgemachtes, Molekulares: Das sind nur einige Trends, von denen man derzeit oft in der Lebensmittel-Branche hört. Manche dieser Modeerscheinungen erreichen bereits jetzt Tausende Kunden, andere sind bislang eher für eine Minderheit zugänglich. Auf der diesjährigen Future of Food Konferenz haben wir drei Gründer aus der Branche gefragt, welche Lebensmittel-Trends ihrer Meinung nach längerfristig Bestand haben werden – und welche Probleme auf Hersteller zukommen. Bei dem Panel sprachen Christian Vagedes von Bedda, Annemarie Heyl von Kale&Me und Daniel Podmirseg vom Vertical Farm Institute. Das sind drei der Kernaussagen.

Über Nachhaltigkeit:

Gründerin Heyl sagte, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein großes Trend-Thema derzeit sei, sondern vor allem zwei Aspekte seien langfristig wichtig: Zum einen sei Nachhaltigkeit bei der Verarbeitung wichtig. Also dass man beispielsweise auf frische Produkte zurückgreift, die möglichst komplett – von der Wurzel bis zum Stängel – verarbeitet werden. „Wichtig ist, dass wir die Produktion weiterentwickeln zu einem geschlossenen System, das in sich selbst zukünftig funktionieren muss“, so Heyl. Zum anderen ist es laut der Gründerin wichtig, das Produkt selbst nachhaltig zu machen – also haltbar. Wie erhalte ich Geschmack ohne viele Zusatzstoffe ist da beispielsweise eine zentrale Frage.

Über Vertical Farming:

Laut Podmirseg sind in Deutschland bereits jetzt rund 15 Prozent der Fläche verbaut für Städte und Straßen – Tendenz steigend dank der rasanten Urbanisierung. 73 Prozent würden benötigt für den Anbau landwirtschaftlicher Produkte. Eine riesige Fläche. „Wir müssen so schnell wie möglich versuchen, einen Großteil der Lebensmittel wieder selbst zu produzieren und das beginnt vor allem in den Städten“, sagt Podmirseg. Seine Lösung dafür: Intensivierung der Landwirtschaft, in der Stadt, vertikalisiert, neben dem Konsumenten. (Ein Beispiel dafür ist das Vertical-Farming-Restaurant Good Bank.)

Eine der Hürden für das Vertical Farming sind nach Angaben von Podmirseg, dass nicht alle Lebensmittel in einem Gebäude angebaut werden können. Denn dort gebe es je nach Stockwerk und Lage unterschiedliche Klimazonen – und nicht jede Pflanze könne überall gleich gut wachsen.

Über handgemachtes Essen – und seinen Preis:

Da ihr Unternehmen klein gestartet sei, mit einer geringen Anzahl an Produkten, seien die Preise auch höher als wenn ein Konzern einen Saft herausgibt, so Heyl. Ihr Startup beziehe Rohstoffe zum großen Teil aus Deutschland, aus der Region Altes Land. „Wenn ich gute Lebensmittel bekommen möchte, muss ich als Deutscher umdenken, wie viel Prozent ich von meinem Einkommen in gute Lebensmittel investieren will“, sagt die Gründerin. Es sei für ihr Unternehmen wichtig, eine bestimmte Marge einzubehalten, auch wenn über einen Supermarkt verkauft werde. „Ja, wir haben ein Frischeprodukt, da hat man keine gute Marge“, sagt Heyl. Aber nichtsdestotrotz könne sich ihre Firma mit dem derzeit festgelegten Preis für die Säfte immer noch erlauben, sie selbst zu produzieren – und in Deutschland Arbeitsplätze zu schaffen.

Bild: Chris Marxen

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