Warum Babys keinen Lieferdienst für Superfood brauchen

In den USA setzt nun ein Startup auf Superfood im Babybrei – zum hohen Preis. Brauchen Kinder das wirklich? Unsere Redakteurin findet nicht.

Babys machen eigentlich nicht so viel: Sie schlafen, essen, verdauen und lernen – und wenn sie das gemacht haben, fangen sie damit wieder von vorne an. Der Tag der Eltern dreht sich darum, dem Nachwuchs genau das zu ermöglichen. Man schleppt ihn stundenlang herum, schuckelt, wickelt, tröstet, füttert, pflegt, bespaßt. Man wäscht, kocht, räumt auf. Und ganz nebenbei kümmern sich Eltern auch noch um sich selbst, zumindest im Idealfall. Es gibt immer genug zu tun.

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Genau hier setzt ein junges Unternehmen aus Los Angeles an. Yumi heißt es, es bietet einen Lieferdienst für exklusiven Babybrei an. Quinoa, Chia, Datteln, Ingwer sind nur einige der Zutaten, die die Firma auf ihrer Webseite nennt. Ein Team aus Kinderärzten, Ernährungsberatern und Köchen nickt ab, welche von ihnen im Brei gut zusammenpassen. Und für alle, die es einfacher mögen, gibt es auch klassische Varianten wie Möhren- oder Spinatbrei. Frisch zubereitet soll das Ganze sein, bio und frei von Nüssen, Gluten und Milch. Die Eltern können sich die Breie dann selbst zusammenstellen und sie sich gekühlt in Gläschen bis an ihre Haustür bringen lassen. Zwischen vier und sieben Euro kostet so ein Glas dann.

Die beiden Unternehmerinnen Angela Sutherland und Evelyn Rusli haben die Firma in diesem Jahr gegründet und konnten mit dem Konzept bereits einige Investoren überzeugen. Mehr als vier Millionen US-Dollar sammelten sie in einer ersten Finanzierungsrunde in diesem Sommer ein, unter anderem vom WordPress-Entwickler Matt Mullenweg und dem Gründer der Matratzenfirma Casper, Philip Krim.

Dabei gibt es bereits einige Konkurrenz auf dem Markt – beispielsweise Little Spoon aus New York, das ebenfalls an einem Lieferdienst für Babybrei arbeitet. Oder das kalifornische Startup Raised Real, das geschnippelte Zutaten zum Selbstpürieren verkauft. Im deutschsprachigen Raum versuchen sich Firmen wie Frohkost aus Düsseldorf oder Yamo aus der Schweiz an dem Geschäft – hier allerdings weitgehend ohne Superfood. Laut Statista ist Babykost ein Milliardenmarkt. Aber braucht es solche Superfood-Lieferdienste wirklich?

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Unbestritten ist, dass Eltern dank der bereits fertigen Kost Zeit sparen. Sie müssen nicht mehr erst im Biomarkt die Zutaten kaufen, sie waschen, schälen, kosten oder – was ja viel vitaminschonender sein soll – dünsten und pürieren. Das ist dann aber auch der einzige erwiesene Vorteil der Gläser. Und den teilen sich die US-Startups mit etlichen Anbietern von Bio-Gläschen, die zwar das Essen nicht frisch verkaufen, aber sich doch auf ein sehr schonendes Einweckverfahren berufen. Preislich liegen diese Gläser hierzulande bei etwa einem Euro pro Stück – also ein Vielfaches unter dem von Yumi und Co.

Außerdem gibt es derzeit keine verbindlichen Quellen, die Auskunft darüber geben, was das sogenannte Superfood wirklich bringt und ob es dem Körper ab einer gewissen Dosierung nicht sogar schadet. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung spricht aus diesem Grund derzeit beispielsweise keine Empfehlung für Quinoa, Amaranth und Buchweizen im Babyessen aus. Hebammen empfehlen, dass man sein Kind in den ersten Monaten sachte an die Welt der Lebensmittel heranführt. Zum Einstieg eigne sich Gemüsebrei. Empfohlen werden zunächst einmal Breis einer Sorte, zum Beispiel Pastinake oder Karotte. Von der Mischung verschiedener Zutaten wird abgeraten. Danach sollen nach einigen Wochen Brei-Mixe aus Getreide, Fleisch, Fisch und Obst folgen.

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Die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin schlägt dagegen vor, mögliche Allergene nicht gänzlich aus der Babykost auszuschließen. Damit könne man spätere Allergien möglicherweise verhindern, wobei auch das nicht endgültig erwiesen sei. Heißt: Ein allzu vorsichtiger Umgang mit diesen Stoffen kann unter Umständen genau das bewirken, was man verhindern möchte – eine spätere Unverträglichkeit.

Und: Da die Yumi-Gläschen gekühlt geliefert werden, wie das US-Startup auf der Webseite angibt, ist anzunehmen, dass eine Menge Verpackungsmüll für den Versand anfällt. Für manche vielleicht auch ein Grund, lieber mit Jutebeutel und Kinderwagen in den Biomarkt zu gehen und sich dort mit Obst und Gemüse zum Selbstdünsten und -pürieren zu versorgen. Das kann auch mit dem Kind Spaß machen. Frischluft-Garantie inklusive.

Sicher, wer genug Geld hat, um es für Superfood-Babybrei auszugeben, und partout keine Lust, selbst zu kochen, für den ist das Angebot von Yumi eine gute Sache. Aber man sollte sich keine Illusionen machen, dass das Kind dadurch unbedingt gesünder aufwächst als andere.

Bild: Getty Images / Christine Schneider

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