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Die Kaffeekapseln, die auf den Komposthaufen gehören

Der Bremer Kapsel-Anbieter verkauft seit kurzem auch Bio-Kaffee.

Das Bremer Startup Velibre stellt biologisch abbaubare Kaffeekapseln her. Das Material soll sich einfach zersetzen. In die Biotonne sollte es trotzdem nicht kommen.

Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen: Auf durchschnittlich 650 Tassen bringt es ein einzelner Verbraucher im Jahr. Doch der hohe Kaffeekonsum belastet die Umwelt: Millionen Menschen trinken ihre Cappuccinos aus To-Go-Bechern, die einmal benutzt und anschließend weggeworfen werden. Dazu kommen Tausende Tonnen Kaffee-Kapseln aus Alu oder Plastik, die jedes Jahr in der Tonne landen. Die kleinen Behälter sollen das Aroma besonders gut schützen.

Inzwischen verzichten einige Verbraucher lieber auf den Kaffee aus der Kapsel – der Umwelt zuliebe. Auf sie hat es das Bremer Unternehmen Velibre abgesehen: Die Kapseln des Startups passen in die Maschinen des Marktführers Nespresso, werden in Südafrika produziert und sollen „biologisch abbaubar“ sein. Der Engländer David Wolf-Rooney gründete das Unternehmen im Herbst 2013 – ein Jahr bevor Nestlé das Patent auf seine Kapseln verlor. Wolf-Rooney, der vorher bei Öl- und Gasunternehmen beschäftigt gewesen war, sah einen großen Markt vor sich: Er wollte mit biologisch abbaubaren Kapseln dem beliebten, aber ökologisch bedenklichen Nespresso-Kaffee Konkurrenz machen.

Wolf-Rooney ist nicht der einzige mit dieser Idee: Auch die Ethical Coffee Company, Tropical Mountains oder Fabico Coffee versprechen, ihre Kapseln seien „biologisch abbaubar“. Doch Einrichtungen wie die Deutsche Umwelthilfe oder das Umweltbundesamt kritisieren so deklariertes Plastik. Der Grund: Es braucht lange, bis es verrottet. Für die Betreiber von Kompostieranlagen lohnt es sich nicht, diese Rottezeit einzuhalten, denn das Material gibt bei der Kompostierung nur Wasser und Kohlendioxid frei, aber keine Nährstoffe oder Mineralien, die etwa in Dünger von Bedeutung sind. Auch weil es optisch gar nicht erst von regulärem Plastik zu unterscheiden ist, wird das Bio-Plastik also vorher aussortiert – und verbrannt.

Wolf-Rooney sagt dazu, dass die Velibre-Kapseln in industriellen Kompostieranlagen zwar auch aussortiert werden würden, im Unterschied zu den Kapseln anderer Anbieter aber nicht aus Polymilchsäure (PLA) bestünden, die nur bei sehr hohen Temperaturen verrotten. Velibre verwende einen Cellulose-basierten Biokunststoff, der bereits im heimischen Biomüll, im Komposthaufen oder im Garten – mithilfe von Bakterien – zersetzt werde. Temperaturen von bis zu 60 Grad Celsius, die normalerweise nur in Industrieanlagen erreicht werden, seien nicht notwendig. Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass die Velibre-Kapseln am Ende doch im Hausmüll landen und dann in Verbrennungsanlagen verbrannt werden, weil sie nicht von herkömmlichem Plastik zu unterscheiden sind. Wolf-Rooney sagt dazu: „Die meisten unserer Kunden wissen, wie sie mit den Kapseln umzugehen haben.“

Kapseln

Die Velibre-Kapseln sind für den Hauskompost bestimmt.

Velibre finanziert sich über Investorengelder und den Verkauf seines Kaffees im eigenen Onlineshop und Denns Biomärkten. Bis Ende des Jahres werde Velibre insgesamt zwei Millionen Euro eingesammelt haben, so Wolf-Rooney. Beteiligt sind nach Angaben des Gründers 56 Investoren und private Geldgeber aus sieben verschiedenen Ländern. Von zwei Crowdfunding-Kampagnen war 2013 nur eine erfolgreich, 100.000 Euro kamen dabei zusammen. Hauptmarkt von Velibre ist derzeit Deutschland. Acht Mitarbeiter beschäftigt Velibre in Deutschland. Eine Velibre-Kapsel ist mit rund 40 Cent pro Stück ähnlich teuer wie die Nespresso-Behälter.

Nach Angaben von Wolf-Rooney plant Velibre, in den nächsten Monaten ein eigenes Recycling-System für seine Kapseln ins Leben zu rufen. Vor allem B2B-Kunden sollen die leeren Kapseln dann abholen lassen oder abgeben können, damit der gesammelte Müll in Biogas-Anlagen verbrannt werden kann. In der Schweiz hat Nespresso bereits ein Rückgabesystem für seine Kapseln gestartet.

Eine Alternative zu Alu und Bio-Plastik sind Mehrweg-Kapseln. Sie bestehen etwa aus Edelstahl und kosten um die 40 Euro.

bild: Velibre Screenshot

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