Die Gründer von Vadoli wollen einen Gourmet-Pizza-Lieferdienst aufbauen

Seit Kurzem gibt es in Berlin einen neuen Lieferdienst. Die Gründer wollen ihn zu einer Kette aufbauen – mit Pizza, die wie im Restaurant schmecken soll.

Um einen Lieferdienst für Pizzen zu eröffnen, muss man nicht vorher an einer renommierten Universität studiert haben. Der 30-jährige Beschir Hussain hat es trotzdem gemacht. Er studierte Philosophie und Volkswirtschaftslehre an der Columbia Universität und an der WHU. Danach baute er unter anderem für Rocket Internet Hellofood im Nahen Osten auf, bis er im vergangenen Jahr nach Deutschland zurückkam.

Er wusste von seiner bisherigen Arbeit: Wenn Kunden Essen bestellen, dann überdurchschnittlich oft Pizza. „Laut Euromonitor gehen bei Pizza-Lieferdiensten in Deutschland etwa 80 Millionen Bestellungen im Jahr ein“, sagt er. Der Markt sei über einer Milliarde Euro groß.

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In Berlin probierte er sich mit Kumpel Vincenzo Ferrera durch die Angebote der gängigen Pizza-Lieferketten wie Domino's, Joey's und Hallopizza. „Das Angebot war nicht überzeugend“, erklärt Hussain. Die meisten Bestellplattformen seien veraltet, die Mehrheit der Gerichte langweilig und nicht selten warte man lange auf die Lieferung.

„Pizza ist nicht Sushi: Es ist ein Gericht, das weiterarbeitet, wenn du es auslieferst“, sagt Hussain. Deshalb würden sie auf dem Weg zum Kunden oft ihre Konsistenz verlieren.

Im Sommer 2016 gründeten Hussain und Ferrera, der bis dahin bei Immobilienscout arbeitete, die Firma Vadoli. Die beiden mieteten einen 120 Quadratmeter großen Laden im Berliner Bezirk Charlottenburg an und bauten ihn zu einem Restaurant um. Hussain nennt es seine Flagship-Kitchen: „Es ist unser erster Standort, weitere sollen folgen.“ In dem Lokal können Kunden Pizza vor Ort essen. Sie können sie aber auch zu sich nach Hause bestellen, sofern sie dort in der Nähe wohnen. Der Lieferradius beträgt laut der Gründer 2,5 Kilometer.

Doch die Konkurrenz ist riesig. Etliche Restaurants haben sich in Berlin auf Pizza spezialisiert – und viele Lieferdienste ebenso. „Wir sehen Lieferdienst-Vermittler wie Deliveroo und Lieferando nicht als Wettbewerber, mit einigen arbeiten wir sogar zusammen“, betont Hussain. Wie unterscheidet sich sein Unternehmen also von anderen Lieferdiensten?

Hussain nennt mehrere Punkte: „Zum einen decken wir die komplette Wertschöpfungskette ab, von der Zubereitung bis zur Auslieferung.“ Dadurch könnten sie die Qualität der Leistung durchgängig kontrollieren.

Anbieter wie Lieferando, Pizza.de und Lieferservice stellten nur die Plattform für Restaurants bereit, kochten aber nicht selbst. Auch Premium-Marktplätze wie Deliveroo oder Foodora lieferten lediglich aus. Ein Nachteil, findet Hussain.„Durch die Zubereitung der Gerichte können wir relativ hohe Deckungsbeiträge erzielen“ sagt er. Das heißt: Wenn sie die Rohstoffe zu einem Gericht weiterverarbeiten, können sie sie teurer verkaufen, als sie sie eingekauft haben – und mit den Einnahmen bereits einen großen Teil der festen Kosten decken.

Diese Möglichkeit fehle Deliveroo oder Foodora, so Hussain. Deshalb müssten sie hohe Mindestbestellwerte und Liefergebühren und Provisionen von ihren Partnerrestaurants fordern, um bestehen zu können. „Da kommen schnell mal 15 Euro für ein Mittagessen zusammen“, rechnet der Gründer vor. Für einen Singlehaushalt lohnt sich das seiner Meinung nach nicht.

Pesto-Presto_Vadoli

Eine Vadoli-Pizza mit Pesto

Pizza mit Aprikosengelee und Kastanienhonig

Ein weiterer Unterschied: Während Kunden bei Deliveroo und Foodora nur online bezahlen können, ist bei Vadoli Barzahlung möglich. „Nicht jeder möchte seine kompletten Bezahldaten im Internet eingeben“, so Hussain.

Bei Vadoli heißen die Pizzen Chicken Kikiriki, Findet Nemo und Jiggy Jerky und sie werden, zum Teil zumindest, auch mit außergewöhnlichen Zutaten wie Aprikosengelee, Walnüssen, Currycreme oder Kastanienhonig verfeinert.

Um auf den Geschmack zu kommen, arbeiteten die Gründer mit preisgekrönten Pizzabäckern aus unterschiedlichen Ländern zusammen. Eine Pizza kostet bei dem Startup zwischen fünf Euro und 12 Euro. Eine Liefergebühr gibt es nicht.

„Bei uns ist die gesamte Infrastruktur auf Qualität und Schnelligkeit getrimmt“, sagt Hussain. Die Beiden schafften sich einen Ofen aus Italien an, der eine horizontal rotierende Steinplatte hat. Darauf könne man eine Pizza in 120 Sekunden backen, so Mitgründer Ferrera.

Ausgeliefert wird sie dann in speziellen Taschen, in denen eine Induktionsplatte eingebaut ist. Sie soll sich in 15 Sekunden auf 80 Grad erwärmen können und backt die Pizza auf dem Weg zum Kunden weiter. „Wenn man sie dort herausholt, schmeckt sie, als ob man sie direkt aus dem Ofen holen würde“, erzählt Ferrera. Von innen sei sie fluffig, von außen knusprig. Die durchschnittliche Lieferzeit liege bei 22 Minuten.

Das Startkapital kam von den Gründern

16 festangestellte Mitarbeiter beschäftigt das Startup mittlerweile, darunter sind sechs Auslieferer. Sie bringen die Pizzen mit dem Fahrrad zum Kunden, ähnlich wie es auch Deliveroo und Foodora machen. Sofern sie keinen Auftrag haben, helfen sie in der Küche mit. „Langweilig wird es hier nicht“, so Mitgründer Ferrera.

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Eine sechsstellige Summe stemmten die Gründer selbst als Startkapital. Wie hoch ihre Umsätze sind, wollen sie nicht verraten. Nur so viel sagt Hussain: „Nach drei Monaten haben wir den Break Even erreicht.“ Also den Punkt, an dem die Einnahmen die Ausgaben decken. Das Restaurant, das in der belebten Kantstraße liegt, sei von Anfang gut besucht gewesen.

Außerdem ging das Startup mit einigen Hotels im Umkreis Partnerschaften ein. „Die Gäste können sich die Pizzen aufs Zimmer bestellen“, sagt Ferrera. Und auch Geschäftskunden wie Porsche, WeWork oder Dawanda würden regelmäßig beliefert.

„Innerhalb des vergangenen halben Jahres sind unsere Umsätze um 20 Prozent pro Monat gestiegen“, sagt Hussain. Mittelfristig plant das Startup weitere Restaurants in Berlin und in anderen deutschen Städten – allerdings langsam. „Wir wollen den Markt erst besser verstehen, bevor wir uns vergrößern“, so der Gründer.

Bilder: Vadoli

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