Unilever-Digitalchef: „Ich freue mich auf Blockchain in der Lebensmittelbranche“

Harald Melwisch ist bei einem der größten Konzerne für Verbrauchsgüter für Digitalisierung zuständig. Er hält künftig auch Essen aus dem Drucker für möglich.

Wir wollen's ganz genau wissen: Wie sieht die Zukunft der Lebensmittelbranche aus? In der Rubrik „What's Cooking?“ fragen wir die Entscheider der Food-Industrie nach ihrer persönlicher Meinung. Diese Woche: Harald Melwisch, Unilever-Digitalchef für die DACH-Region.

  • Name: Harald Melwisch
  • Alter: 49
  • Konzern: Unilever
  • Position: General Manager Austria und Chief Digital Officer DACH
  • Mitarbeiter: Im Konzern über 160.000, in seiner Abteilungen ca. 300
  • Lieblingsessen: italienische und asiatische Küche

Wie häufig lassen Sie sich im Monat Lebensmittel nach Hause liefern? Wann war das letzte Mal?
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Ich lasse mir etwa einmal pro Monat Lebensmittel nach Hause liefern, meine Frau kocht gerne und exzellent. Wenn es mal schneller gehen soll, bestelle ich aber auch mal beim Lieferdienst – neulich gab es zum Beispiel abends Sushi.

Wer wird den Food-Markt nachhaltiger umkrempeln: Amazon oder regionale Anbieter?

Amazon.

Was bedeutet Digitalisierung für Ihr Unternehmen? Und wie wird das Thema bei Ihnen in die Praxis umgesetzt?

Im Prinzip befassen wir uns mit zwei wesentlichen Themen: Zum einen beschäftigen wir uns mit der Digitalisierung des bestehenden Geschäfts an der Schnittstelle zum Kunden und Konsumenten: Das beinhaltet den gesamten und sehr breiten Bereich E-Commerce, die digitale Kommunikation und Interaktion mit Verbrauchern sowie Data & Analytics, aber auch den kulturellen Wandel im Unternehmen. Zum anderen experimentieren wir auch mit neuen Geschäftsmodellen und bauen diese auf. Zu diesem Teil gehört das Schaffen von digitalen Bedürfnisplattformen, Direct-to-consumer Businesses, Kooperationsmodellen oder internen Startups.

Zu Unilever gehören Lebensmittelmarken wie Magnum oder auch Knorr, Ben & Jerry's oder Lipton

Zu Unilever gehören Lebensmittelmarken wie Magnum oder auch Knorr, Ben & Jerry's oder Lipton

Welche Trends aus der Gastronomie beeinflussen ihr Unternehmen?

Vor allem der Trend rund um Delivery beeinflusst uns momentan stark, da es sich um ein neues Geschäftsfeld handelt, welches es zu erforschen gilt. Daneben sind aber auch Themen wie vegane Ernährung, vegane Lebensmittel und die internationale Küche, mit der damit einhergehenden Erweiterung der Geschmackspalette, für uns sehr spannend.

Welches Food-Startup finden Sie aktuell besonders interessant?

Ich bewundere Unternehmen, die es schaffen, eine breite Bedürfnisplattform zu besetzen, ohne dafür groß in eigene physische Assets oder Infrastruktur investieren zu müssen – zum Beispiel Reservierungsdienste wie OpenTable. Außerdem beeindrucken mich Startups, die es durch hohe Qualität und Fokussierung schaffen, erfolgreich eine Nische in umkämpften Märkten zu besetzen. Das hat zum Beispiel Kitchen Stories in der Rezeptideen-Landschaft geschafft.

Noch macht der Anteil von Online-Einkäufen im Lebensmittelhandel nur etwa ein Prozent der Einkäufe aus. Wie groß wird dieser Anteil in Ihren Augen in zehn Jahren sein?

Ich denke, dass der Anteil in drei Jahren bei fünf Prozent und in zehn Jahren bei 20 Prozent liegen wird.

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Auf welche Entwicklung im Lebensmittelbereich freuen Sie sich ganz besonders?

Ich freue mich vor allem auf eine extreme Transparenz durch Blockchain-Technologien, mit der Rohwaren zu 100 Prozent nachverfolgbar gemacht werden.

Wovon werden wir uns Ihrer Meinung nach in 50 Jahren ernähren?

50 Jahre sind eine lange Zeit, in der viel passieren kann. Vielleicht kommt unser Essen dann sogar schon aus dem Drucker!

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Bild: Unilever (oben), Getty Images/Michael Loccisano/Staff (unten)

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