Wieso dieses Startup unbedingt nach Berlin ziehen will

Eigentlich ist der deutsche Hauptsitz von Too Good To Go in Düsseldorf. Warum jetzt die Niederlassung aber nach Berlin soll, erklärt der Deutschlandchef.

Bis zu einer Million Tonnen Lebensmittel schmeißen Restaurants, Bäckereien und Cafés jedes Jahr weg. Damit das aufhört, haben einige Startups Apps gebaut, die diese Verschwendung eindämmen sollen.

Neben Resq Club und Mealsaver, die kürzlich fusionierten, ist auch die dänische App Too Good To Go (TGTG) in Deutschland aktiv. Genau wie die Wettbewerber vermittelt sie übrig gebliebenes Essen von Restaurants an Kunden, die die Gerichte kurz vor Ladenschluss für einen reduzierten Preis erhalten.

Finanziert mit einem siebenstelligen Betrag ist TGTG der Vorreiter im Markt. Nach Angaben des Startups hat die App bereits mehr als anderthalb Millionen Nutzer, mehr als eine Million Portionen an übrig gebliebenen Lebensmitteln wurden bereits verkauft. Für jede Portion kassiert das Startup eine Provision. Zum Vergleich: 60.000 Nutzer sollen die Mealsaver-App heruntergeladen haben, bei Resq Club sind es dreifach so viele. 

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Seit Sommer 2016 ist das Startup in Deutschland aktiv, die ersten sechs Monate wurde der Betrieb jedoch aus Kopenhagen gesteuert. Anfang 2017 kam dann eine deutsche Tochtergesellschaft hinzu, die in Düsseldorf gegründet wurde. Warum das Startup aber immer nach Berlin wollte, erzählt der Deutschlandchef Julian Stütze.

Julian, zu Beginn des Jahres hieß es, Eure Niederlassung entsteht in Düsseldorf. Jetzt heißt es, Ihr seid in Berlin. Was stimmt?

Wir hatten Deutschland in zwei Regionen aufgeteilt [West- und Süddeutschland sowie Nord- und Ostdeutschland Anm. d. Red]. In Düsseldorf haben wir gegründet und dort auch noch ein kleines Büro. Aber unser Ziel war, das Hauptbüro in Berlin zu haben. Hier haben wir direkten Zugang zu Organisationen wie NGOs, die in Berlin ihren Hauptsitz haben und ein ähnliches Ziel verfolgen wie wir. Es gibt ein größeres Netzwerk, in das wir uns einbinden können. Berlin ist in Deutschland das Startup-Zentrum, wo man viele junge, talentierte Leute finden kann. Momentan haben wir etwas für den Übergang und suchen gerade noch nach einem Büro.

Und warum ist die Gesellschaft in Düsseldorf gegründet worden?

Für uns hat es keinen Unterschied gemacht, wo wir die GmbH gründen. Einer unserer Investoren kannte eine Anwaltskanzlei in Düsseldorf, mit welcher er schon einmal zusammengearbeitet hatte.

Ihr habt außerdem Mitarbeiter in Städten wie Hamburg. Warum ist das wichtig?

Wir suchen Partnerbetriebe, die auf unserer Plattform gelistet werden können. Daher braucht man natürlich auch Leute vor Ort, die in den verschiedenen Städten die Partner akquirieren. In allen größeren Städten haben wir insgesamt 15 Mitarbeiter, die für uns unterwegs sind und Partner gewinnen. Wir möchten mit den Betrieben persönlich reden und Partnern so etwa zeigen, wie die App funktioniert. Wenn man in Branchen wie der Gastronomie unterwegs ist, ist das normal, dass man das so macht. Ob Lieferservices, Buchungssysteme, Bewertungsportale, Lebensmittellieferanten, Weinhändler oder andere Services, alle stellen sich und ihr Produkt im Laden vor.

Vor wenigen Wochen gaben Mealsaver und Resq Club eine Fusion bekannt. Was bedeutet das für Euch?

Wir sind mit Resq in Kontakt und hatten schon immer eine gute Beziehung zu ihnen. Für uns hat sich nicht viel verändert. Wir haben nach wie vor unser Ziel, Lebensmittelverschwendung nachhaltig zu reduzieren. Es gibt eine gute Nachfrage von unseren Partnern und den Nutzern, wir wachsen stark. Weltweit haben wir über 1,5 Millionen registrierte Nutzer und haben seit dem Start eine Million Mahlzeiten gerettet. Anfang des Jahres hatten wir noch 100 Partnerbetriebe in Deutschland, jetzt sind wir bei knapp 800 Betrieben.

Was sind weitere Herausforderungen für eine App wie Eure?

Die größte Herausforderung ist, dass wir einen neuen Service anbieten, von dem Betriebe möglicherweise noch nie gehört haben. Too Good To Go ist noch keine etablierte Marke in Deutschland, die jeder auf Anhieb kennt. Dies ändert sich aber gerade! Zudem hat in Dänemark Nachhaltigkeit und insbesondere das Thema der Lebensmittelverschwendung schon wesentlich mehr Aufmerksamkeit in der Gesellschaft. Da müssen wir in Deutschland halt auch hin.

Danke für das Gespräch, Julian.

Bild: Too Good To Go

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