Der neuste Hype: ein Algorithmus im Blumenbeet

Daten werden immer wichtiger – auch im Garten, wie zwei Startups beim Berliner Tech Meetup zeigen. Was verbirgt sich hinter vernetztem Gemüse und Pflanzen-Apps?

In seiner Freizeit baut er Tomaten und Salat an. Und braut sein eigenes Bier. Alain Scialoja will wissen, woher das Gemüse auf seinem Teller kommt. Er gärtnert deshalb selbst, anstatt in den Supermarkt zu gehen.

Scialojas zweite Leidenschaft: Robotik. In seinem Job kombiniert er beides, erzählt der geborene Italiener am Rande des Tech Meetups im Berliner Basecamp. Er ist Chief Digital Officer beim Startup Infarm, einer „Indoor Farming Company“. In einer Kreuzberger Fabrikhalle baut die junge Firma Kräuter und Gemüse an. Ganz ohne Erde und Sonne.

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Alain Scialoja erklärt beim Tech Meetup das „smart farming“.

Die Infarm-Gründer wollen Essen dort heranzüchten, wo es tatsächlich verzehrt wird und damit überflüssige Transportwege vermeiden. Wie das aussieht und schmeckt, können Besucher in der Berliner Salat-Bar Good Bank erfahren. Hier wächst der Salat, der auf den Tellern landet, in rosa erleuchteten Glaskästen hinter der Theke. Die Technologie dafür stammt von Infarm und nennt sich Vertical Farming. Dabei werden Gemüse- und Kräutersorten auf verschiedenen „Etagen“ platzsparend produziert.

Die Steuerung der Anlage ist über eine von Infarm entwickelte App möglich. Darüber sollen auch Menschen mit einem weniger grünen Daumen als Scialoja das Gemüse aufziehen können. Über den Smartphone-Bildschirm kann alles kontrolliert werden: von der Luftfeuchtigkeit bis hin zur LED-Beleutung und der Temperatur. Das mache das Wachstum vorhersagbar, sagt Scialoja.

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Peat-Gründerin Simone Strey.

Auch das Startup Peat setzt auf die Auswertung großer Datenmengen. Die dort entwickelte Android-App Plantix braucht nur ein Foto von einem Blatt, um Krankheiten bei Pflanzen zu erkennen. Dass dies funktioniert, demonstriert Gründerin Simone Strey auch an diesem Abend beim Tech Meetup. Und zwar erkennt das System nicht nur Pflanzen, wie Strey zeigt. Mit ihrem Smartphone macht die Geografin ein Foto von ihrem Laptop. Und siehe da. Auf dem Bildschirm mit der geöffnete App ist zu lesen: Laptop-Similarity: 97 Prozent, und zu 100 Prozent keine Pflanze.

Doch nicht nur die auf dem Tech Meetup anwesenden Startups Infarm und Peat setzten auf Daten. Auch Green City Solutions aus Berlin experimentiert mit smarten Pflanzen. Das Team um CEO Dénes Honus hat den City Tree entwickelt. Dabei handelt es sich allerdings nicht um einen echten Baum, sondern um eine vier Meter hohe, mit Moosen überzogene Wand. Das Moos filtert dreckiges Kohlenstoffdioxid aus der Luft, das als Hauptverursacher des Klimawandels gilt.

In der Wand eingelassene Sensoren messen zahlreiche Daten wie beispielsweise die Umgebungstemperatur oder die Luftfeuchtigkeit. Dadurch kann das Moos-Wachstum in Echtzeit überwacht werden. Den Strom für die Technik produziert der „Baum“ selbst – mit Hilfe einer Solarzelle. Ein Wassertank im Fuße des „Baumes“ versorgt die Pflanzen mit Flüssigkeit.

Wie diese drei Beispiele zeigen: Tech und Botanik ergänzen sich. Nicht nur im Leben von Infarm-Manager und Hobbygärtner Alain Scialoja. Der ist überzeugt: Schon in fünf Jahren werden Pflanzen wachsen, ohne dass ein Mensch vor der Ernte jemals eingreifen muss.

Fotos: Gründerszene / Jana Kugoth

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