Wie dieser Gründer mit einem Superfood-Reis ein ganzes Land verändern will

Er will thailändischen Reisbauern eine neue Geschäftsgrundlage geben. Und Superfoods entwickeln. Wie Peetachai „Neil“ Dejkraisaks soziales Business funktioniert.

Vor fünf Jahren, während seines MBA-Studiums, habe er die Idee gehabt, sagt Peetachai Dejkraisak. Er wolle ein Unternehmen gründen, das die Welt verändert. „Ich war nur ein Kind mit einem großen Traum“, sagt der Thailänder, der sich der einfacheren Aussprache halber im Westen Neil nennt. Seitdem hat sich viel getan. Besonders hat Neil ein Problem gefunden, das er mit seinem Unternehmen lösen möchte. Und das gleich vor seiner eigenen Haustür.

Thailand ist der größte Reisexporteur der Welt, 17 Millionen Reisbauern gibt es dort. Nur: Im Wettbewerb mit anderen Ländern in Südostasien bietet Thailand die schlechtesten Bedingungen für den Reisanbau. Die Bauern sehen sich den höchsten Kosten und den niedrigsten Erträgen gegenüber. Im Durchschnitt verdienen sie nur 40 Cent am Tag – was weit unter der Armutsgrenze liegt. Sie sind die ärmsten Reisbauern der Welt.

Neil ist nicht der erste, der sich des Problems annimmt. Die thailändische Regierung hat in den vergangenen zehn Jahren 60 Milliarden Dollar ausgegeben, um die Reisindustrie zu unterstützen. Trotzdem hat sich die Verschuldung der Bauern seitdem verdreifacht, was vor allem daran liegt, dass das Geld bei den Zwischenhändlern ankommt und nicht bei den Landwirten selbst. „Das System funktioniert nicht“, ist sich Neil sicher.

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Seine Lösung: Ein neues Geschäftsmodell für die thailändischen Reisbauern. In einer Anbau-Kooperative sollen sich die Bauern gegenseitig unterstützen, Reis effizienter anzubauen und weiterzuverarbeiten. Marketing, Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung übernimmt Siam Organic, das Unternehmen des jungen Gründers und vier von seinen Kommilitonen. Bislang konnten die Erträge um 60 Prozent gesteigert und die Produktionskosten um 24 Prozent gesenkt werden, wirbt Neil.

Wie das alles möglich ist? „Innovation“ lautet Neils prompte Antwort. Denn der Reis, den die Bauern anbauen, ist ein Superfood-Reis. Jasberry heißt er, entwickelt wurde er vom Reisforscher Dr. Apichart Vanavichit, und er besitzt dreimal mehr Antioxidantien als Blaubeeren. Der Clou: „Er ist nicht genetisch verändert und wurde als Bio-Produkt zertifiziert.“ Gegenüber den üblichen Superfood-Produkten wie Acai-Beeren oder Granatäpfeln soll Jasberry vor allem durch den günstigen Preis punkten. „Man bekommt mehr Antioxindantien pro ausgegebenem Dollar als bei jedem anderen Produkt“, wirbt der Gründer.

In Thailand wird Jasberry bereits in über 200 Kanälen vertrieben, eine halbe Million Dollar Umsatz hat Siam Organic in den vergangenen Jahren bereits verbucht. Vor Kurzem hat das Startup mit Try The World einen ersten Partner in New York gefunden, der Jasberry-Reis in mehr als 60.000 Haushalte in den USA bringen soll. In diesem Jahr setzt Neil auf Expansion, denn er will sein erstes Ziel unbedingt erreichen: 20.000 thailändische Reisfarmer und ihre Familien in den nächsten drei Jahren deutlich über die Armutsgrenze zu bringen – von 40 Cent auf knapp sechs Dollar pro Tag.

Eine halbe Million Dollar ungefähr brauche er, um das zu schaffen, sagt Neil. Die Herausforderung: Zwar habe ein großer Distributor, der US-Supermarktketten wie Costco oder Wallmart liefert, Interesse gezeigt. Den ausgearbeiteten Vertrag konnte Neil aber nicht unterzeichnen, weil die Kapazitäten der Reismühle nicht ausreichen, um genug Reis liefern zu können. Die müssten also erstmal ausgebaut werden, erzählt der Thailänder.

Seinem Ziel ist er nun deutlich näher gekommen: 400.000 Dollar Preisgeld sprach ihm die Jury des Wettbewerbs Chivas Venture gerade zu. Oscar-Preisträgerin Halle Berry, die gerade selbst unter die Gründer gegangen ist, Wirtschaftsexpertin Sonal Shah, Pernod-Ricard-Chef Alexandre Ricard und Sozial-Unternehmer Alex Braun kürten Siam Organic in Los Angeles zum Sieger des Wettbewerbs.

Um den Geschäftserfolg auch langfristig zu sichern, habe er mit Siam Organic aber noch eine zweite Mission, sagt Neil. Denn mit dem Superfood-Reis soll nicht Schluss sein. Gesunde und nachhaltige Lebensmittel will er mit Siam Organic in den Markt bringen. Glutenfreie Superfood-Nudeln zum Beispiel, hergestellt aus dem Jasberry-Reis.

Was danach kommen soll, will Neil nicht verraten. Immerhin ist der Superfood-Markt stark umkämpft, und Siam Organic steht erst am Anfang. Zumindest müsse er aber erst einmal keine schlaflosen Nächte wegen Geldsorgen mehr haben, sagt Neil.

Bild: Siam Organic / Chivas Venture; Disclaimer: Die Veranstaltung in Los Angeles fand auf Einladung von Pernod Ricard statt.

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