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Wie neueste Technologie teuren Wein vor Fälschungen schützen kann

So sieht es im Burgund wirklich aus. Für diese Flasche Faivelay muss man ungefähr 200 Euro anlegen.

Ein Winzersohn aus dem Burgund verbindet die jahrtausende alte Weinkultur mit moderner Technik, um ein brennendes Problem der Branche zu lösen.

Für jeden Weinkenner ist das Burgund so etwas wie das Paradies auf diesem Planeten. Auch Nicht-Kennern dürften einige Namen dieser Region bekannt vorkommen: Mersault, Nuit St. George, Pommard. So heißen hier die Ortschaften und die Weine, die dort hergestellt werden. Klingelt da etwas? Aus dem Burgund kommen die meistgesuchten und teuersten Weine der Welt. Für einzelne Flaschen aus speziellen Jahrgängen werden bis zu 20.000 Euro bezahlt. Zum Beispiel für die Lage Échezeaux oder La Tache von der legendären Domaine de la Romanée-Conti. Wenn ihr davon eine Kiste im Keller haben solltet, vielleicht von Opa geerbt – herzlichen Glückwunsch!

Mit gefälschten Weinen kann man gutes Geld verdienen

Mit Geldproblemen hatte das Burgund in seiner Geschichte also nur sehr selten zu kämpfen. Aber es gibt eine andere Sorge: Kopien. Mit Kopien teurer Weine kann man sehr gutes Geld verdienen. Auf Auktionen zum Beispiel. Und gerade im Burgund mit seiner Cote d’Or (Goldküste) sind Weine teuer. Auch die neuen Jahrgänge. Das lockt viele Betrüger an. Aber Winzersohn und Gründer Louis de Surrel hat sich mit seinem Startup Selinko eine Methode einfallen lassen, mit der Kopien in Zukunft verhindert werden sollen. Im Co-Workingspace Bluespace in Hongkong arbeitet er gerade mit einem Team von fünf Leuten an der Vermarktung seiner Technik.

Louis

Louis de Surrel

Eine vernetzte Flasche mit einem einzigartigen Siegel, das NFC-Technologie mit verschlüsseltem Code kombiniert, soll in Zukunft vermeiden, dass illegale Kopien teurer Weine in den Handel gelangen. Schließlich soll mit einem patentierten Verkaufsdisplay dafür gesorgt werden, dass Käufer sicher sein können, dass sie echte Weine kaufen. Das ist durchaus eine Beruhigung, wenn man bereit ist, mehr als 100 Euro für eine Flasche auszugeben. Denn auch die Käufer wissen, das viele Fake-Weine unterwegs sind. Und viele Flaschen werden inzwischen als Geldanlage gekauft. Fallende Preise hat man bei berühmten Weinen noch nie beobachten können. Das hat auch damit zu tun, dass das Angebot automatisch kleiner wird, weil Weine hin und wieder auch mal ausgetrunken werden. Prost!

Flaschen als Bestandteil des Internets der Dinge

Es sei nicht ganz einfach, die Jahrtausende alte Kulturtechnik des Weinbaus mit der neuen Digitaltechnik zusammenzubringen, erzählt Louis de Surrel gegenüber Gründerszene. Aber am Ende seien die meisten Winzer von seiner Idee überzeugt, weil die Kopien nicht nur geschäftsschädigend sind, sondern seine ganze Branche in Verruf bringen. Im Burgund sind die meisten Weinbaubetriebe Familienunternehmen. Auch Louis’ Familie ist seit vielen Generationen im Weingeschäft tätig. Dadurch sei das Vertrauen der meisten Winzer da, wenn sie die Idee verstanden haben.

Alte Weine können mit der Technik allerdings nicht mehr geschützt werden. Zu spät. Von ihnen stehen inzwischen Hunderttausende Flaschen weltweit in den Regalen. Selbst für Fachleute ist es unmöglich, zwischen falsch und echt zu unterscheiden. Für die meisten Privatsammler sowieso nicht. Das elektronische Vertrauenssiegel von Selinko muss bei der Abfüllung angebracht werden. Es ist Bestandteil der sogenannten Kapsel. Das ist das Ding, das zum Schutz über den Flaschenhals und den Korken gezogen wird. Das Startup verhandelt gerade weltweit mit Winzern, die die Technik testen wollen.

„Den Dingen eine digitale Identität geben“

Die Idee von Selinko ist aber noch weiter gefasst. „Im Internet der Dinge wird jedes Objekt in Zukunft eine Identität benötigen“, sagt Louis. Und diese Identität will er mit seiner NFC-Technik nicht nur Weinflaschen verleihen. Auch andere Luxusprodukte wie Ledertaschen, Parfum und Kosmetik, Pharmaprodukten oder elektronischen Geräten sollen digital identifizierbar gemacht werden. „In der vernetzten Welt werden alle Dinge eine digitale Identität besitzen. Wir wollen sie ihnen geben“, sagt Louis.

Sogar über den Einsatz von Blockchain-Technologie wird bei Selinko schon nachgedacht. Wenn jede Flasche in Zukunft identifizierbar ist, dann könnte auch jeder Kauf- und Verkaufsvorgang in einer Art Blockchain festgehalten werden. Betrug wäre dann völlig ausgeschlossen. Es ist schon erstaunlich zu sehen, wie zukünftige Digitaltechnik auch einem durch und durch analogen Geschäft wie dem Weingeschäft helfen kann. Eine Tradition wendet sich der Zukunft zu. Und wir trinken demnächst vielleicht mal einen guten Wein. Gerne auch das flüssige Gold aus dem Burgund, wenn es unbedingt sein muss.

Foto: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von Frederick Wildman and Sons, Ltd

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