Weniger Verluste bei Rockets Lieblingsfirmen – und doch ein paar Probleme

Rocket Internet präsentiert Wachstum und geringere Verluste bei seinen wichtigsten Beteiligungen. Aber welche in diesem Jahr endlich Gewinn machen sollen, bleibt unklar.

Alles rosig im Rocket-Reich? Das möchten zumindest Finanzchef Peter Kimpel und CEO Oliver Samwer vermitteln, als sie am Dienstagmorgen die Jahresergebnisse der wichtigsten Startups im Portfolio von Rocket Internet vorstellen. „2016 war insgesamt ein sehr gutes Jahr und wir haben gehalten, was wir im September 2015 versprochen haben“, so Kimpel bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Tatsächlich haben sich die neuesten Geschäftszahlen der größten Rocket-Beteiligungen auf den ersten Blick verbessert. Der Umsatz der fünf wichtigsten Startups stieg im Geschäftsjahr 2016 um 29 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro, gleichzeitig wurden die Verluste reduziert. Die Ebitda-Marge verbesserte sich insgesamt um knapp 16 Prozentpunkte von minus 31 Prozent auf minus 15 Prozent.

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Die Rocket-Aktionäre nahmen diese Neuigkeiten verhalten auf: Die Aktie verzeichnet am Dienstagmorgen zunächst ein leichtes Minus. Denn die Geschäftszahlen zeigen auch, dass die Rocket-Unternehmen 2016 nach wie vor Verluste in Millionenhöhe schrieben. Oliver Samwer hatte seinen Aktionären vor anderthalb Jahren versprochen, dass bis Ende 2017 drei seiner Startups die Gewinnschwelle erreicht haben werden. Welche das sein sollen, ist nicht absehbar.

Samwer hatte damals ebenfalls die folgenden 18 Monate als Frist für den Börsengang einer seiner Beteiligungen gesetzt. Die ist nun verstrichen, einen IPO gab aber es bisher nicht. Zu den Hintergründen hält Rocket sich bedeckt: Börsenpläne kommentiere man generell nicht.

Aktuell kommt für einen Börsengang vor allem der Lieferdienstvermittler Delivery Hero infrage, an dem Rocket etwa 40 Prozent hält und der am Montag verkündete, 2016 um knapp 80 Prozent gewachsen zu sein und 300 Millionen Euro umgesetzt zu haben. Da Rocket Internet das Unternehmen nicht selbst aufgebaut hat, sondern Investor ist, macht Rocket keine Angaben zum Verlust von Delivery Hero. Schätzungen zufolge könnte er 2016 zwischen 50 und 60 Millionen Euro gelegen haben

HelloFresh steckte 2016 mehr als 150 Millionen in Marketing

Umsatzstarker IPO-Kandidat ist außerdem HelloFresh. Der Kochboxen-Versender, an dem Rocket knapp 50 Prozent hält, wuchs im Jahr 2016 um 95,8 Prozent und verzeichnete einen Umsatz von 597 Millionen Euro. Die bereinigte Ebitda-Marge verbesserte sich um 14,5 Prozentpunkte auf minus 13,8 Prozent. HelloFresh machte einen Verlust von knapp 83 Millionen Euro.

Das Venture konnte die Zahl seiner Abonnenten von 620.000 auf 857.000 steigern – wobei jeder Kunde gezählt wird, der in den vergangenen drei Monaten eine Box mit Lebensmitteln erhalten hat. Für HelloFresh, das 2016 stolze 157 Millionen Euro in Marketing investiert hat, ist nach wie vor entscheidend, wie treu die Kunden sein werden, die mit einer der zahlreichen Rabattaktionen gewonnen wurden.

Weitere Ergebnisse:

  • Die Global Fashion Group (GFG) setzte 2016 mehr als eine Milliarde Euro um und machte einen Verlust von 128 Millionen Euro. Die bereinigte Ebitda-Marge verbesserte sich von minus 26,9 Prozent in 2015 auf minus 12,5 Prozent in 2016. Der Modehändler Namshi erreichte die Gewinnschwelle mit einer bereinigten Ebitda-Marge von 1,8 Prozent für das Jahr 2016.
  • Der Umsatz des Möbel-Shoppingclubs Westwing wuchs um 14 Prozent auf 250 Millionen Euro, der Verlust lag bei knapp 14 Millionen Euro.
  • Home24 scheint weiter zu kämpfen: Das Umsatzwachstum liegt 2016 nur bei knapp vier Prozent. Bei einem Umsatz von nun 243 Millionen Euro liegt der Verlust noch bei 40 Millionen Euro. Investoren werteten das Venture vergangenes Jahr bei einer Finanzierungsrunde stark ab.

Dass die Rocket-Zahlen insgesamt besser wirken, hat auch damit zu tun, dass Rocket im vergangenen Jahr ordentlich aussortiert hat. Einige Misserfolge sind aus dem Portfolio geflogen: So wurde das Problemkind Jabong aus der Global Fashion Group für 70 Millionen Euro an Flipkart verscherbelt. Auch das umsatzschwache und verlustreiche Venture Foodpanda wurde Ende 2016 an den Wettbewerber Delivery Hero abgegeben – nach einer Gründerszene-Recherche sollen dabei nur etwa 320 Millionen Euro geflossen sein. Die letzte öffentliche Unternehmensbewertung von Foodpanda lag allerdings noch bei 570 Millionen Euro. Insgesamt hatten Investoren vor dem Verkauf mehr als 300 Millionen Euro Risikokapital in Foodpanda gesteckt.

What's next?

Es stellt sich die Frage, welche der kleinen Firmen in Rockets Portfolio es schaffen soll, zu einem großen Venture aufzusteigen. „Ich kann nicht sagen, was sehr groß werden wird, was normal laufen und was scheitern wird“, so Samwer. „Dafür ist es zu früh.“ Keineswegs aber habe man neue Startups bloß in nischigen Bereichen gestartet. „Das glaubten Leute schon bei der Gründung von HelloFresh und Zalando.“ Kimpel ergänzt: „Der Fracht-Markt ist sicherlich größer als der Modemarkt“ – und bezieht sich auf das Rocket-Logistikventure Instafreight, offenbar ein neuer Hoffnungsträger.

2016 hat Rocket nach eigenen Angaben acht neue Startups aufgebaut. „In diesem Jahr werden wir fünf bis acht Startups launchen“, sagt Samwer. Eine Verlangsamung bedeute das aber nicht. Samwer sagt: „Nicht die Zahl, aber die Qualität der Unternehmen zählt.“

Bild: Gründerszene

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