Rocket musste bei Foodpanda-Deal deutlich einstecken

Einst Hoffnungsträger, dann an Delivery Hero abgeschoben: Das Rocket-Startup Foodpanda soll für nur knapp 320 Millionen Euro den Besitzer gewechselt haben.

Rocket Internet lebt von hohen Unternehmensbewertungen seiner Startups. Je wertvoller die Beteiligungen der Firmenschmiede sind, umso wertvoller wird Rocket Internet selbst. Doch im vergangenen Geschäftsjahr mussten die Berliner bei mehreren Hoffnungsträgern Abwertungen einstecken: Die Global Fashion Group wurde bei einer Finanzierungsrunde mit einer Milliarde Euro weniger bewertet, bei dem Möbelversender Home24 halbierten die Geldgeber den Wert. Schwierige Zeiten für Rocket Internet, die sich in einem schlechten Aktienkurs widerspiegeln.

Wie nun eine Recherche von Gründerszene ergibt, soll auch das Rocket-Venture Foodpanda bei seinem Verkauf an den mächtigen Wettbewerber Delivery Hero Ende 2016 deutlich abgewertet worden sein. An dem großen Lieferdienstvermittler ist Rocket Internet ebenfalls beteiligt und hält mittlerweile fast 40 Prozent.

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Laut Rocket-Dokumenten lag die letzte öffentliche Unternehmensbewertung von Foodpanda noch bei 570 Millionen Euro. Das war Ende 2015. Allein in dem Jahr flossen mindestens 200 Millionen Euro Risikokapital in das Venture, unter anderem hatte die Investmentbank Goldman Sachs eine 100-Millionen-Runde angeführt.

Bei dem Foodpanda-Verkauf vor wenigen Monaten soll das Venture dann nach Gründerszene-Informationen nur noch mit etwa 310 bis 320 Millionen Euro bewertet worden sein. Gleichzeitig soll Foodpanda etwa 140 Millionen Euro Barreserven auf dem Konto gehabt haben – unter anderem aus dem Verkauf seines Russlandgeschäfts kurz zuvor.

Auf Gründerszene-Anfrage zum Thema verwies Rocket Internet am Montag lediglich auf Delivery Hero. Dort kommentierte man die Zahlen nicht offiziell.

Viele Märkte, wenig Umsatz

Der niedrigere Wert überrascht wenig: Bereits wenige Wochen nach der Übernahme wurde bekannt, dass Delivery Hero plant, verschiedene Foodpanda-Märkte zu schließen und andere zu optimieren. Obwohl Foodpanda zuletzt auf über 20 Märkten aktiv war, blieben die Umsätze verhältnismäßig gering und lagen in den ersten neun Monaten 2016 bei 33 Millionen Euro. Gleichzeitig schrieb das Startup etwa 40 Millionen Euro Verlust.

Am Dienstagmorgen wird Rocket Internet seinen Jahresabschluss 2016 offiziell vorstellen. Weitere Abwertungen im Portfolio kann sich CEO Oliver Samwer nicht leisten: Der Aktienkurs seines Unternehmens verzeichnete in den vergangenen Wochen mehrere Tiefs – selbst die starken Wachstumszahlen der Beteiligung Delivery Hero konnten heute kaum helfen.

Bild: Keren Su/Getty

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