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Warum Rocket Internet Foodpanda abgestoßen hat

Bye bye, Rocket: Foodpanda verschwindet aus dem Portfolio der Berliner Firmenfabrik

Einst zählte Foodpanda zu Rockets Musterschülern. Jetzt wurde das Venture an Delivery Hero weitergereicht, offenbar für einen Spottpreis. Wie ist es soweit gekommen?

Es ist nicht lange her, da wurden in Foodpanda große Hoffnungen gesetzt. 2015 pumpten Investoren innnerhalb weniger Wochen mehr als 200 Millionen Euro in das Lieferdienst-Startup. Selbst die Investmentbank Goldman Sachs beteiligte sich. Waren das konkrete Schritte, um einen Börsengang vorzubereiten? Tatsächlich standen nach Gründerszene-Informationen zu der Zeit bei Foodpanda alle Zeichen auf IPO.

Gerade für die Berliner Firmenfabrik Rocket Internet, die das Venture 2012 gründete, hätte ein erfolgreicher Exit viel Geld bedeuten können. Bis zuletzt hielt Rocket knapp 50 Prozent an dem Unternehmen, das über seine Plattform Essenslieferdienste vermittelt, und bewertete Foodpanda mit 570 Millionen Euro. Doch zu einem IPO des Startups kam es nie.

Stattdessen hat Rocket Foodpanda nun an den mächtigen Wettbewerber Delivery Hero weitergereicht. Der Deal sieht wie eine Niederlage für Rocket aus: Denn ganz offensichtlich wurde Foodpanda deutlich abgewertet.

Vor der Transaktion hielt Rocket Internet bereits 36,6 Prozent an Delivery Hero. Die Firmenfabrik bekam im Gegenzug für ihre 50 Prozent an Foodpanda 1,1 Prozent mehr Delivery-Hero-Anteile. Wie viel die neuen Anteile wert sind, verraten die Beteiligten nicht. Doch legt man die letzte öffentliche Bewertung von Delivery Hero zugrunde – drei Milliarden Euro – dann würde sich die Bewertung von Foodpanda jetzt in einer Größenordnung von gerade einmal 70 Millionen Euro bewegen.

Die Foodpanda-Bewertung scheint massiv reduziert

Auch bei einer optimistischeren Rechnung kommt das Venture schlecht weg. Nach Gründerszene-Informationen hält man bei Delivery Hero eine künftige Unternehmensbewertung von bis zu sechs Milliarden Euro für realistisch. Selbst auf Basis dieser Zahl wäre Foodpanda nur mit rund 130 Millionen Euro bewertet worden – kein Vergleich zu den 570 Millionen aus dem Jahr 2015. Und auch deutlich weniger als die 310 Millionen US-Dollar, die insgesamt an Investment in Foodpanda geflossen sind.

Was kann diesen Bewertungsschwund in nicht einmal anderthalb Jahren erklären?

Das Geschäft des einstigen „Proven Winners“ aus dem Rocket-Portfolio ist in den vergangenen Monaten regelrecht auseinandergefallen. Foodpanda konnte im Geschäftsjahr 2015 mit seinen bisweilen 40 Märkten insgesamt gerade einmal 31,5 Millionen Euro umsetzen – bei einem Verlust von mehr als 100 Millionen Euro. Keine Zahlen, die für einen Börsengang taugen würden.

Die jüngsten Rocket-Geschäftszahlen zeigen, dass Foodpanda auch in den ersten neun Monaten dieses Jahres noch 40,5 Millionen Euro Verlust machte. Der Umsatz konnte zwar wachsen und lag bei etwa 33 Millionen Euro – was allerdings weiterhin eine relativ niedrige Zahl ist. Zum Vergleich: Delivery Hero rechnet in diesem Jahr nach eigenen Angaben mit einem Umsatz von mindestens 300 Millionen Euro.

Fehlgeschlagene Expansionsbemühungen

Heute sind von den 40 Foodpanda-Märkten, die zum Teil teuer hinzugekauft wurden, nur noch 22 übrig. Die Beispiele für fehlgeschlagene Expansionsbemühungen sind zahlreich. So wurde die indonesische Tochter gerüchteweise für gerade einmal eine Million Dollar abgestoßen. Der Vietnam-Ableger musste Konkurrent Takeaway.com überlassen werden, auch Brasilien und Mexiko gingen an einen Wettbewerber: Just-Eat aus England.

In Indien hatte Foodpanda laut einem Medienbericht mit massivem Betrug zu kämpfen. Demnach sollen sich Restaurants auf der Plattform registriert haben, die gar nicht existierten. Foodpanda soll ihre Forderungen trotzdem bezahlt haben. Ende 2015 mussten 300 Mitarbeiter in Indien gehen.

Bild: Gettyimages/John Giustina

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