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Rewe-Chef: „Wir müssten uns warm anziehen gegen Amazon Fresh“

BERLIN - NOVEMBER 19:  Alain Caparros of REWE group is seen during a press conference at a REWE market on November 19, 2008 in Berlin, Germany.  (Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images for DFB)

Schon bald könnte der US-Riese Amazon in Deutschland Lebensmittel ausliefern – und das bereitet Rewe-Chef Alain Caparros Bauchschmerzen.

Es ist eine der spannendsten Fragen dieser Zeit im deutschen Einzelhandel: Wann bietet der US-Gigant Amazon seinen Lieferdienst für Lebensmittel auch hierzulande an?

In den USA wurde Amazon Fresh bereits vor knapp zehn Jahren gelauncht. Auch in London erhalten Kunden frische Lebensmittel auf Bestellung. Zu einem möglichen Start des Dienstes in Deutschland wollte sich Amazon auf Anfrage nicht äußern. Doch es halten sich hartnäckig Gerüchte, dass das bald der Fall sein wird. In einem Interview mit der Rheinischen Post hat der Rewe-Chef Alain Caparros sich jetzt dazu geäußert – und spricht offen über die Bedrohung, die von dem Internetriesen ausgeht.

„Ich bekomme schon Bauchschmerzen bei dem Gedanken, dass Amazon von den Menschen als bester Einzelhändler wahrgenommen wird“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Und: „Wir müssten uns warm anziehen gegen Amazon Fresh.“

Rewe selbst solle den Online-Umsatz bis 2020 auf etwa 800 Millionen Euro steigern, so der Manager – auch eine Maßnahme, um Amazon Fresh hier besser begegnen zu können: „Wenn wir nicht investieren, werden wir irgendwann von Amazon abgehängt.“

Doch auch die Supermärkte vor Ort müssten angepasst werden. „Manche Produkte werden nur noch online gekauft“, sagt der CEO. Hier müsse man sich fragen, was man in manchen Märkten nicht mehr anbiete. Eventuell müsse man Fläche verkleinern und das Personal verringern, so Caparros.

Welche Auswirkungen die Digitalisierung des Einzelhandels wirklich hat, hat kürzlich eine Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman ermittelt. Sechs bis acht Milliarden Euro könnten demnach vom stationären Handel zu den Online-Lieferdiensten abwandern. Fehlen den durchschnittlichen Warenkörben im stationären Handel aufgrund von Online-Einkäufen nur ein bis drei Euro pro Kauf, operieren viele Filialen nicht mehr ökonomisch, heißt es in der Untersuchung.

Wenn diese Prognose eintritt, könnten rund 15 Prozent der Supermärkte – 1.500 bis 1.700 in absoluten Zahlen – bald Verluste machen. Etwa 40.000 Arbeitsplätze wären dann in Gefahr.

Caparros will dem entgegenwirken. Laut ihm liegt die Chance der Einzelhändler in der richtigen Verzahnung zwischen dem stationären Verkauf mit dem Online-Geschäft.

„Was Amazon noch lernen muss, ist der Handel über alle Kanäle“, sagte er der Rheinischen Post. Denn der reine Online-Verkauf funktioniert seiner Meinung nach nicht im Lebensmittelhandel. Sein Fazit: „Wenn man nur auf digital macht, verliert man die Lebensmittel-Stammkundschaft.“

Bild: Getty images / Matthias Kern / Freier Fotograf

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