Vom Biohacking-Blog zum Superfood-Verkäufer

Primal State vertreibt Nahrungszusätze, die den Körper leistungsfähiger machen sollen. Bei der Produktkommunikation muss sich das Startup allerdings zurückhalten.

Mit dem Bloggen begann Janis Budde während seiner Ausbildung zum Physiotherapeuten. Der heute 27-Jährige schrieb darüber, welche Auswirkungen ein Kaffee mit Butter und MCT-Öl auf die Fettverbrennung hat. Und darüber, was passiert, wenn man morgens nur noch eiskalt duscht. Budde versteht sich als sogenannten Biohacker. Anhänger dieser Bewegung glauben, den menschlichen Körper ähnlich einem Computersystem durch gezielte Eingriffe verbessern und leistungsfähiger machen zu können.

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Damals verdiente sich Budde über Affiliate Links zu Amazon in seinem Blog etwas dazu. Das brachte ihn darauf, Ergänzungsmittel wie Molkenprotein oder Krill-Öl-Kapseln selbst zu verkaufen, anstatt die Käufe nur zu vermitteln. „Damals habe ich die Affiliate-Einnahmen zusammengekratzt, die Ausbildung beendet und mit 2.500 Euro ein Unternehmen gegründet, weil die Umsätze sehr vielversprechend aussahen“, erinnert sich Budde. Das war 2014. Seitdem sind fünf Freunde des Gründers als Gesellschafter in das Unternehmen eingestiegen. Seine Ergänzungsmittel verkauft Primal State inzwischen im eigenen Onlineshop und über Amazon. Primal State gibt außerdem Biohacking-Coachings in kleinen Unternehmen.

2015 habe Primal State so einen Umsatz von über 100.000 Euro erwirtschaftet, erzählt Budde im Gespräch mit NGIN Food. Im zweiten Jahr habe es dann einen siebenstelligen Umsatz gemacht und 50.000 Produkte verkauft. Den Umsatz aus 2016 wolle man in diesem Jahr verdoppeln. Investoren seien keine an Bord.

Teurer als andere Marken

Um exklusive Produkte handelt es sich bei einigen Artikeln aus dem Primal-State-Sortiment allerdings nicht. Sie werden teilweise auch von anderen Anbietern unter anderem Namen vertrieben. Trotzdem ist beispielsweise das Whey von Primal State deutlich teurer als die Hausmarken von Shops wie Nu3 oder Vitafy. Wie kommt’s? „Wir achten darauf, nur die besten Rohstoffe zu nehmen“, sagt Budde. „Das Whey kommt aus irischer Weidehaltung. Wir füllen alle Produkte in Deutschland ab“, so der Gründer. Ein Alleinstellungsmerkmal sieht das Startup außerdem in seinem Angebot an Videos und Online-Kursen. Man sei daran interessiert, eine „Community“ aufzubauen, sagt Budde. Die Primal-State-Kunden sollen nicht einfach blind drauf los bestellen. Sondern sich mithilfe des Materials in das Thema Biohacking einarbeiten.

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Den ursprünglichen Blog, aus dem Primal State einst hervorging, gibt es nicht mehr. Es gab Probleme mit der EU-Health-Claims-Verordnung, die reguliert, welche Angaben mit Nährstoff- oder Gesundheitsbezug bei Lebens- und Ergänzungsmitteln gemacht werden dürfen. Demnach muss etwa ein gesundheitsbezogener „Claim“ durch wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigt sein. Beispielsweise darf Dextro Energy seit Sommer nicht mehr mit dem angeblich positiven Effekt von Traubenzucker werben. „Wir müssten einige Nährstoffe selbst zur Prüfung einreichen, was viel Geld kosten würde. Das machen deshalb vor allem Konzerne bei Nährstoffen, hinter denen eine große Industrie steht“, so Budde. Entsprechend vorsichtig bewirbt das Startup seine Produkte.

Ein Problem, das viele „Superfood“-Startups kennen: Es ist nicht hinreichend belegt, ob Mittel wie Krill-Öl einen konkreten Mehrwert, etwa gegenüber anderen Omega-3-haltigen Ölen, liefern. Solange zur Wirkung von Superfood noch keine Vielzahl an verbindlichen Quellen vorliegt, müssen Verbraucher diese Einschätzung vorerst selbst treffen.

In diesem Video lässt sich Primal-State-Gründer Janis Budde in London eine Infusion des Coenzyms NAD+ verpassen.

Bild: Primal State

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