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Von der Schulbank in die Schnapsbrennerei

Die O’Donnell Moonshine-Gründer Philip Morsink und August Ulrich (von links)

In Zeiten von Detox-Kuren und Superfood setzen zwei Gründer auf Alkohol. Mit O'Donnell Moonshine verkaufen die beiden Schnaps. Natürlich in hippen Gläsern.

Schnaps in Einmachgläsern? Das ist hierzulande noch nicht sehr verbreitet. In den USA hingegen steckt eine alte Tradition dahinter: So wurde nämlich viele Jahrzehnte lang Hochprozentiger verkauft, der illegal gebrannt und dann auf dem Schwarzmarkt angeboten wurde. Vor allem in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als Alkohol in den Vereinigten Staaten strikt verboten war, wurde dieser als sogenannter „Moonshine“ bekannt. Seit einigen Jahren liegt er in den Staaten wieder im Trend, viele große Whiskey-Hersteller haben nun eigene Moonshine-Ableger.

Philip Morsink und August Ulrich wollen diesen historischen Umtrunk mit ihrem Unternehmen nun auch in Deutschland bekannter machen. Der Name ihres Startups: O’Donnell Moonshine. Dahinter steckt noch ein andere Geschichte, die die beiden Gründer faszinierte: Spike O’Donnell war ein Rivale des US-amerikanischen Verbrechers Al Capone und handelte mit Alkohol, als es in den USA nicht erlaubt war.

Zwei Kölner in Berlin

Die beiden Gründer Ulrich und Morsink kennen sich bereits aus der Schule. Die beiden Kölner machen zusammen in der Dom-Stadt Abitur, dann verschlägt es sie an verschiedene Unis. Während Ulrich in St. Gallen studiert, besucht Morsink in Münster die Hochschule. Als Ulrich in den Semesterferien in den USA Urlaub macht, fällt ihm der Moonshine-Trend auf. Er kontaktiert seinen Schulfreund Morsink und erzählt ihm davon.

Die beiden beschließen 2014, das Moonshine-Getränk nach Deutschland zu bringen. Doch zurück nach Köln geht es nicht: Morsink und Ulrich ziehen nach Berlin, um ihr Vorhaben dort umzusetzen. „Wir sind für den Schnaps nach Berlin gezogen“, erzählt Morsink. „Hier haben wir direkten Zugang zu einer weitaus größeren Zielgruppe. Für ein junges Unternehmen ist Berlin die bessere Option, da es einfach mehr Möglichkeiten gibt.“

Sie beginnen mit dem Kornbrand „Original“, der 38 Prozent Alkohol vorzeigen kann. Die Einmachgläser lassen Morsink und Ulrich aus den USA importieren. Zwar hätten sie schon während des Studiums die ersten Gläser verkauft, erzählt Morsink. Doch Vollzeit widmen sie sich ihrem Startup erst seit Herbst 2015, als beide mit der Ausbildung fertig sind. Sie eröffnen einen Laden in der Hauptstadt – und ergänzen ihr Sortiment um zwei Liköre: „Bratapfel“ und „Bitter Rose“.

Christophe Maire steigt mit ein

Zu der Zeit bekommen die beiden Unterstützung von Business Angel Christophe Maire. Über Atlantic Food Labs, seine Gesellschaft für Ernährungs-Startups, in die auch Prosiebensat.1 investiert ist, beteiligt sich Maire erst im September 2015, dann im August 2016 an dem Startup. Wie viel Geld dabei floss, will Morsink nicht sagen. Aus dem Handelsregister geht hervor, dass die Atlantic Food Labs ingesamt rund 23 Prozent an dem jungen Unternehmen hält. Die beiden Gründer sind derweil im Besitz von jeweils etwa 30 Prozent. Die restlichen Anteile hält ein Investment-Arm von Döhler International, einem Hersteller von Lebensmittelzusatzstoffen.

Die Produktion der Schnäpse findet noch immer im Westen statt. Während der Korn in Köln gebrannt wird, stellt eine Brennerei in Olpe die Liköre her. „Wenn du noch ein kleines Unternehmen bist und erstmal nur wenig produzieren lassen willst, ist es schwierig, eine Brennerei zu finden, die das mitmacht“, begründet Morsink die Produktion fernab Berlins. Die abgefüllten Gläser werden dann nach Frankfurt geschickt, wo sie von einem Dienstleister versandt werden.

In etwa 150 Läden in ganz Deutschland seien die Spirituosen zu finden, erzählt der Gründer. So etwa im Duty-free-Shop im Flughafen Berlin-Tegel. Auch auf Messen oder Märkten sei das Team oft vertreten. Online spiele beim Verkauf jedoch keine große Rolle: Nur rund zwölf Prozent des Umsatzes käme über den eigenen Onlineshop oder Amazon, so Morsink.

Für 2016 haben die beiden Unternehmer ambitionierte Pläne für sich und ihr mittlerweile vierköpfiges Team: Während sie im vergangenen Jahr 20.000 Gläser verkauften, sollen es dieses Jahr 60.000 werden. Auch eine neue Sorte ist für diesen Winter geplant – welche das ist, will Morsink nicht verraten.

Bild: O’Donnell Moonshine

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