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Mytime: Viel Verpackung und ein bisschen Lebensmittel

Zurück bleiben zwei große Kartons voll mit Plastik

Mytime will Obst, Snacks und Käse schnell und sicher zu dem Kunden nach Hause liefern. Wir haben den Service getestet – und werden es nicht wieder tun.

Ich wohne im vierten Stock ohne Aufzug. Der nächste Supermarkt ist mehr als 20 Minuten zu Fuß entfernt. Die Idee, einen Lieferdienst zu nutzen, der mir Lebensmittel und vor allem auch Getränke liefert, liegt da nahe. Doch welchen nur? Klassische Supermärkte bieten mittlerweile an, viele ihrer Produkte nach Hause bringen zu lassen. Und auch junge Unternehmen wie Bringmeister und Mytime machen ihnen Konkurrenz.

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Die Zahl der Lieferdienste steigt – doch sie unterscheiden sich auch stark in Preis, Lieferzeit und der Auswahl. An dieser Stelle testen meine Kollegin Hannah Scherkamp und ich nun regelmäßig die Services. Den Anfang machen wir mit dem Oldenburger Versanddienst Mytime. 2012 gründete die Bünting Unternehmensgruppe den Shop, mittlerweile hat er Zehntausende Artikel im Angebot: von frischen Salatkräutern bis hin zu Babywindeln.

Bestellen:

Bestellen kann man via App oder der Webseite. Auf der Startseite sieht man sofort die Stärke des Shops. Er bietet eine enorm große Auswahl an verschiedenen Produkten. Sie sind in mehr als 20 Kategorien unterteilt. Außerdem kann ich Produkte leicht mit einer Suchzeile finden, die klar erkennbar oben auf der Seite ist. Gibt man dort beispielsweise das Wort Salatgurke ein, erhält man drei verschiedene Produkte zur Auswahl: eine Bio-Gurke, eine ohne Bio-Siegel für den halben Preis und ein Pack mit sechs kleinen Gurken. Mit Fotos, übersichtlich und leicht verständlich.

Auch diverse Drogerieprodukte und Tiefkühlkost gibt es. Als ich auf eine Tiefkühl-Pizza klicke, um sie in den Warenkorb zu legen, taucht ein Fenster auf: Es informiert mich, dass Kühl- und Tiefkühlartikel in hochwertigen Styroporboxen mit Kühlpads oder Trockeneis per Express versendet werden. Dafür muss man 4,90 Euro pro Bestellung extra zahlen. Mir kommt die Gebühr recht hoch vor, dennoch kaufe ich weiter ein.

Ich erhalte eine breite Palette an Produkten zu Preisen, die in etwa so teuer sind wie in einem Supermarkt vor Ort. Sehr angenehm finde ich, dass es keinen Mindestbestellwert gibt. Ich zahle bis zu einem Einkaufswert von 100 Euro immer 4,99 Euro für den Versand, plus das extra Geld für die Tiefkühl-Verpackung. Außerdem gefällt mir, dass ich auf der Webseite auch Rezepte finde und die Zutaten mit einem Mausklick in den Einkaufswagen schieben kann. Ein Service, der Zeit spart.

Zahlen kann ich via Kreditkarte, Paypal, Sofortüberweisung oder Paydirect. Ich wähle Paypal und brauche nur rund zehn Minuten für einen Einkauf, der mich in einem Supermarkt vor Ort sicher eine halbe Stunde gekostet hätte.

Liefern:

Mytime arbeitet mit DPD, DHL und Citipost zusammen. Bei meiner Adresse schlägt das System automatisch DPD vor – und damit habe ich ein Problem. Denn entweder wähle ich einen Tag unter der Woche aus. Dann wird mir die Ware irgendwann am Tag bis 18 Uhr gebracht: eine so ungenaue Zeitangabe, dass ich als Berufstätige nichts damit anfangen kann. Oder ich wähle die Lieferung zwischen 7 bis 12 Uhr, das kostet mich weitere 4,99 Euro und ist immer noch sehr ungenau. Darum entscheide ich mich, mir die Lebensmittel am Samstag zwischen 7 bis 12 Uhr bringen zu lassen, in dem Fall ohne Aufpreis.

Sieben Uhr am Samstag ist zu früh für jemanden, der gerne ausschläft. Glücklicherweise klingelt der Bote erst gegen zehn Uhr. Ein schlechtes Gewissen habe ich nun doch trotz der hohen Liefergebühr, als ich höre, wie er schnaufend zwei Riesenboxen die Treppen hochschleppt. Das angebotene Glas Wasser lehnt er ab.

Auspacken:

Von außen wirken die Pakete solide verpackt. Die Kartons sind neu, verschlossen und robust. Als ich das erste Paket öffne, sehe ich Styropor und Plastik. Jeder Joghurt-Becher steckt in einer kleinen Plastiktüte. Die Honigmelone liegt in einem eigenen Karton und ist von allen Seiten mit Luftpolsterfolie umwickelt. Auch die Salatgurte befreie ich erstmal aus ihrer Folie.

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Salatgurke in Plastikhülle

Außerdem stehen zwei große Styroporboxen in den Kartons. Darin befinden sich die gekühlten Lebensmittel, auch sie sind eingewickelt in Plastik und Trockeneistaschen.

Der Berg an Verpackungsmaterial ist um ein Vielfaches höher als der der Lebensmittel. Ich bin fassungslos, als ich die Folie in die Kartons zurückstopfe und realisiere, dass ich mindestens zwei Mal zum Müll gehen muss, um das alles zu entsorgen.

Mit einem Messer steche ich minutenlang auf die Luftpolsterfolie ein, um sie möglichst klein zu bekommen und frage mich, wie man in Zeiten von Dosenpfand und kostenpflichtigen Tüten in Supermärkten nur so verschwenderisch mit Verpackungen umgehen kann. Ich ärgere mich, dass ich mit meinem Geld nun zu dieser Umweltsünde mit beigetragen habe.

Fazit:

Die Lieferung war praktisch und zeitnah, die Auswahl gut, die Preise fair und die Lebensmittel kamen heil an.

Und dennoch: Bei Mytime werde ich nicht mehr bestellen. Ich gehöre zu den Menschen, die mit Jutebeutel einkaufen und ihren Abfall sorgsam trennen. Ich möchte nicht mit jedem Einkauf große Mengen Verpackungsmüll erzeugen – auch wenn die Lieferung bequem ist.

Bild: Anne-Katrin Schade

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