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Wieso der Lieferdienst MyTime keine Angst vor Amazon Fresh hat

Frank Harder ist E-Commerce-Geschäftsführer der Bünting-Unternehmensgruppe, zu der der Lebensmittel-Lieferdienst MyTime gehört.

Wir ließen uns Lebensmittel mit MyTime liefern – und waren nicht zufrieden. Im Interview reagiert Geschäftsführer Frank Harder auf unsere Kritik.

Beim Lieferdienst von MyTime bekommt man eine große Auswahl an Lebensmitteln, darunter frisches Obst und Gemüse, Kühlprodukte und Tiefgefrorenes. Doch wer dort etwas bestellt, erhält ebenso eine Menge Verpackung, wie wir vor Kurzem bei einem Test des Lieferdienstes bemängelt haben. Die Lebensmittel sind in Luftpolsterfolie eingewickelt, Joghurtbecher stecken in Plastiktüten und Tiefkühlpizza in einer Styroporbox. Muss das wirklich sein? Das wollten wir von Frank Harder wissen, dem E-Commerce-Chef der Bünting Unternehmensgruppe, zu der MyTime gehört.

Hier geht er darauf ein, warum er erstmal nicht auf die Verpackung verzichten will, welche Schwierigkeiten Lieferdienste in Deutschland haben und vor welche Herausforderungen Amazon Fresh sie stellen könnte.

Herr Harder, wie sehr macht Ihnen der Start von Amazon Fresh Angst?

Amazon Fresh ist sicher ernst zu nehmen, aber wir kennen unsere Stärken. Wir sind mit MyTime bereits seit April 2012 im Online-Lebensmittelhandel erfolgreich. Unser Service ist preisgekrönt – unter anderem mit dem ersten Platz beim Deutschen Online Handelsaward 2015. Wir sind bereits am Markt etabliert. Unsere Abläufe sind eingespielt und unsere Kunden wissen, was sie an MyTime haben. Der Start von Amazon Fresh wird aber sicherlich zu einer schnelleren Marktdurchdringung des E-Food beitragen.

Wer sind Ihre Kunden?

Die Kunden von MyTime verteilen sich mit je 50 Prozent gleichmäßig auf beide Geschlechter in einem Alter von 35 Jahren aufwärts. Wir sprechen eine breite Zielgruppe von der vielbeschäftigten Familie, über den Single, von Senioren bis zu Firmenkunden an. Unsere Kunden verfügen über ein mittleres bis höheres Haushaltsnettoeinkommen, haben wenig Zeit zum klassischen Einkaufen und schätzen den Komfort der Online-Bestellung. Daneben nutzen auch ältere Menschen, die nicht mehr mobil sind, MyTime, um sich ihre Selbstständigkeit zu erhalten. Geografisch betrachtet hat sich in den letzten Jahren das Interesse an MyTime auf die ländlichen Regionen ausgeweitet.

Warum haben sich Lieferdienste bei uns so bisher so wenig durchgesetzt, beispielsweise im Vergleich zu London?

Deutschland ist bei den Lebensmittel-Lieferdiensten nicht mit Großbritannien vergleichbar. Schon die Dichte beim Lebensmitteleinzelhandel ist anders. Auch die Essgewohnheiten unterscheiden sich.

Gut, bleiben wir bei Deutschland. Was sind die großen Herausforderungen für Lebensmittel-Lieferdienste hierzulande?

Der Kunde erwartet vom Lebensmittel-Onlinehandel dieselbe Frische wie im Markt. Die größte Herausforderung liegt darin, die Skepsis gegenüber dem Versand von Frische- und Tiefkühlartikeln zu überwinden. Unser bestes Argument ist die einwandfreie Lieferung dieser Waren. Dadurch bauen wir Hemmschwellen ab und schaffen Vertrauen. Mittlerweile enthalten 25 Prozent der Bestellungen über MyTime Frische- und/oder Tiefkühlartikel.

Was tun Sie, damit Sie sich stärker durchsetzen?

MyTime bietet das gesamte Sortiment eines großen Supermarktes online an und liefert sogar zum Wunschtermin aus. Mehr als 20.000 Artikel, eine große Markenvielfalt, Express-Lieferung, wechselnde Wochenangebote, viele gluten- und laktosefreie Produkte sowie bis zu 1.000 Bio-Produkte zeichnen MyTime aus. Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir auch Tiefkühlartikel deutschlandweit bis an die Haustür liefern.

Wir haben vor Kurzem den Service getestet, kritisierten dabei vor allem die viele Verpackung. Warum braucht es die eigentlich? Andere Lieferdienste kommen mit weit weniger Verpackungsmaterial aus, haben beispielsweise die Kühlbox unten im Lieferwagen und nehmen dann nur die Ware mit nach oben.

Grundsätzlich arbeiten wir in Sachen Verpackung nach dem Prinzip „so viel wie nötig und so wenig wie möglich“. Wir müssen garantieren, dass alle Artikel einwandfrei beim Kunden ankommen und dafür ist ein gewisser Verpackungsaufwand nötig. Wir arbeiten zusammen mit der Industrie daran, Verpackungsmaterial zu optimieren und zu reduzieren.

Warum muss eine Melone von allen Seiten in Luftpolsterfolie eingepackt sein?

Damit die Melone auch tatsächlich einwandfrei beim Kunden ankommt und nicht beschädigt wird.

Aber warum muss man als Kunde überhaupt diesen Müll behalten und kann ihn nicht wieder zurückgeben?

Unsere Kunden können das Verpackungsmaterial selbstverständlich an MyTime zurücksenden. Außerdem verwenden wir ausschließlich recyclingfähige Materialien.

Und warum kann man die Lieferzeiten nicht genauer eingeben, sondern ist festgelegt auf recht lange Zeitfenster?

Durch den neuen Service der DPD-Pick-up Stationen, bieten wir dem Kunden die Möglichkeit, das Paket flexibel und ungebunden entgegenzunehmen. Die Pick-up Stationen sind in der gesamten Bundesrepublik auf über 6.000 Standorte verteilt. Die nächstgelegene Station kann der Kunde bequem im Check-out Prozess auswählen.

Können Sie generell die Kritik bei unserem Test verstehen?

Die Meinung unserer Kunden liegt uns sehr am Herzen. Für konstruktive Kritik sind wir offen und dankbar. Das hilft uns dabei, mögliche Schwachstellen zu erkennen und uns stetig weiterzuentwickeln.

Danke für das Gespräch, Herr Harder.

Bild: Mytime

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